Hörspielforum NRW
1994 wurde das Hörspielforum NRW ins Leben gerufen als Arbeitskonferenz für den deutschsprachigen Hörspielnachwuchs. An der dreitägigen Veranstaltung nehmen über 60 junge Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. In Vorträgen, Diskussionen und Arbeitsgruppen sucht man nach neuen Formen, neuen Techniken und neuen Vertriebswegen, um das Überleben des Hörspiels in der sich ständig wandelnden Medienlandschaft zu sichern.
Bildergalerie vom Hörspielforum 2011
17. NRW Hörspielforum 2011
„ANFANG.WORT.GEHÖR“: unter diesem Titel steht das 17. NRW Hörspielforum der Film- und Medienstiftung NRW
Die gesprochene und gehörte Sprache ist zweifellos das wichtigste Kommunikationsinstrument. Doch erst das geschriebene und gelesene Wort ermöglicht uns die tatsächliche Bewahrung und Weitergabe von Informationen und Wissen. Genauso wie bei der Sprache resultiert ihre hohe Leistungsfähigkeit nun aus ihrer Arbitrarität (lat. „Willkürlichkeit“), womit gemeint ist, dass die Beziehung zwischen dem Bezeichnenden (Wort/Zeichen) und dem Bezeichneten (seine Entsprechung in der Realität) auf menschlicher Konvention und Vereinbarung beruht, anstatt auf einer naturgegebenen Gesetzmäßigkeit. Während die ursprünglichen Schriftsystemen der Zusammenhang zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten zur Grundidee hatten (Hieroglyphen), entwickeln sie sich bald hin zu einer Mischung aus piktographischen (repräsentiert ein bestimmtes Objekt durch stilisierte grafische Darstellung), ideogrammatischen (repräsentiert einen abstrakten Begriff – z.B. Beine für „gehen“) und phonogrammatischen (grafische Repräsentanten von bestimmten Phonemen – Lauten) Elementen und damit auch hin zu einem arbiträren Schriftsystem mit hoher Leistungsfähigkeit.
Für den Philosophen Peter Sloterdijk allerdings ist die Weltgesellschaft inzwischen postskriptural, sie ist für ihn heute die Gesellschaft des „Iconic Turn“: „sie basiert auf dem Computer, auf der Digitalität und auf Techniken, die jeweils die kulturellen Klausuren überwinden. Sie ist in gewisser Weise eine Heiliggeistmaschine auf höherer Stufe. Das Pfingstwunder wurde ja als Emanzipation von der Muttersprache gefeiert. Das Christentum ist eigentlich die transnationale oder transethnische Religion schlechthin. Es emanzipiert den Menschen aus dem Käfig der Nationalkultur. Das ist der Sinn von Taufe. Wir werden durch das Computerbad noch einmal getauft. Wir werden durch die ikonische Kultur überhaupt erst befähigt, Mitglieder einer Weltkommune zu sein.“ Also zurück zu den Hieroglyphen?
Vom 01. – 03. Oktober 2011 werden wir anlässlich des 17. NRW Hörspielforums zusammen mit dem Philosophen Marcus Steinweg, dem Komparatisten und Autoren Raoul Schrott, dem Neuropsychologen Prof. Dr. Arthur M. Jacobs, der Poetin Elke Erb und dem Kriminalisten und Sprachprofiler Raimund H. Drommel unserer Sprache auf den Grund gehen und uns fragen, was wir tun müssen, um auch in Zukunft noch gehört zu werden. Darüber hinaus gibt es sechs Arbeitsseminare in denen die Teilnehmer praktische, konkrete Erfahrung in Arbeit, Analyse und Experimenten zum Thema sammeln können. Geleitet werden die Seminare von den Autoren und Regisseuren Birgit Kempker, Walter Filz und Leonhard Koppelmann, sowie den Autoren, Komponisten und Regisseuren Martin Daske und Ulrich Bassenge. Neu hinzukommen wird das sechste halböffentliche Seminar: „Kritik der Kritik“. Die Seminaristen werden hier gemeinsam mit dem Filmkritiker Daniel Kothenschulte und einem Musikkritiker Kriterien für die ästhetische Analyse von Hörwerken erarbeiten und in zwei Nächten öffentlich im „Studio L“ bei Kölsch und Blutwurst in der Diskussion mit Hörspielmachern und -verantwortlichen die Wirksamkeit und Konsistenz dieser Kriterien überprüfen – es darf mitdiskutiert werden! Ziel des NRW Hörspielforums ist die Förderung und Entwicklung einer sprachgewandten Hörspielgeneration.
Programme der vergangenen Hörspielforen zum Herunterladen:
- 2011: "ANFANG.WORT.GEHÖR" (PDF)
- 2010: "Der Krieg der Worte" (PDF)
- 2009: "Die Kultur Parallaxe: Untergang/Aufstieg?" (PDF)
- 2007: "Kristallkugel, Kaffeesatz, Kartenlegen?" (PDF)
- 2006: "Krankheit Kunst" (PDF)
- 2005: "Geld-Wert?" (PDF)
- 2004: "Wirkung" (PDF)
- 2003: "Sehnsucht" (PDF)
- 2002: "In Mode" (PDF)
- 2001: "Tempo / Limit" (PDF)
- 2000: "Laughparade" (PDF)
- 1999: "Soundcheck" (PDF)
- 1998: "Von allen Sinnen" (PDF)