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28.06.2010 - 08:59 Uhr

Internationaler Filmkongress: KinoSpecials mit den preisgekrönten Filmemachern Semih Kaplanoglu und Shirin Neshat

Bildgewaltiges Weltkino in Köln mit „Yumurta Ei“, „Süt Milch“ und der Premiere von „Women Without Men

Regisseur Semih Kaplanoglu (m.)
mit Produzenten Johannes Rexin
und Bettina Brokemper (Heimat-
film) vor dem Kölner Dom
Zum Auftakt der KinoSpecials am Sonntag, 28.6., konnte Katharina Blum, Leiterin des Internationalen Filmkongresses der Filmstiftung NRW, den preisgekrönten türkischen Autor, Regisseur, Produzent und Cutter Semih Kaplanoglu im Filmforum in Köln begrüßen. „Es ist das erste Mal, dass meine drei Filme ‚Yumurta - Ei', ‚Süt - Milch' und ‚Bal - Honig' dem Publikum als geschlossene Trilogie präsentiert werden“, erklärte Semih Kaplanoglu. Das türkische Regietalent, das in seinen Werken auf die poetische Kraft der Bilder vertraut, wurde bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Zu seinem Spielfilm „Yumurta - Ei“, der den Auftakt der Trilogie bildet, hat er sich durch die Heimat seiner Familiein der anatolischen Provinz inspirieren lassen. „Mein Großvater lebt in dieser Region, und mein Vater wurde dort geboren“, erläuterte der Filmemacher. In „Yumurta Ei“ schildert er, wie ein über 40-jähriger Dichter nach dem Tod der Mutter in seinen Geburtsort zurückkehrt.

Als zweiter Teil der Trilogie wurde „Süt - Milch“ im Filmforum gezeigt, der in Koproduktion mit der Kölner Heimatfilm und mit Unterstützung der Filmstiftung NRW realisiert worden ist. In diesem Werk, das seine Weltpremiere auf den Internationalen Filmfestspielen in Venedig feierte, blickt Semih Kaplanoglu zwei Jahrzehnte weiter in die Vergangenheit zurück. Der Anfang zwanzigjährige Sohn einer hart arbeitenden Bäuerin möchte lieber Poet werden, anstatt Kühe zu melken. Der Regisseur, der sich von Altmeistern wie Yasujiro Ozu, Andrej Tarkowski, Ingmar Bergman oder Michelangelo Antonioni beeinflussen ließ, verzichtet in seinen Filmen vollkommen auf Musik und geht bewusst sparsam mit dem Ton um. „Musik wird in Filmen oft eingesetzt, um beim Zuschauer bestimmte Emotionen zu wecken“, befand Semih Kaplanoglu. „Doch die Beschränkung fördert die Kreativität. Erst durch den Verzicht auf Musik wird deutlich, welche Kraft der Ton besitzt.“

Fotos finden Sie in der Bildergalerie "Yumurta" und "Süt".

Shirin Neshat und Semih Kapla-
noglu beim Filmkongress in Köln
Auf die große Kraft der Bilder vertraut ebenfalls die iranische Künstlerin, Autorin und Regisseurin Shirin Neshat, die bei der Premiere ihres preisgekrönten Kinofilms „Women Without Men“ im Rahmen der KinoSpecials im Filmforumheute Abend mit großem Applaus gefeiert wurde. Zusammen mit der in den USA lebenden Exil-Iranerin kamen ihr Co-Autor Shoja Azari, Hauptdarstellerin Pegah Ferydoni, Darsteller Navid Akhavan sowie Produktionsdesigner Sharam Karimi nach Köln. Zu den Premierengästen gehörten auch die Schauspielerinnen Renan Demirkan und Christine Urspruch, die Regisseure Semih Kaplanoglu und Ali Samadi Ahadi sowie die deutsch-iranische Schriftstellerin Siba Shakib. Produziert wurde „Women Without Men“ von der deutschen Essential Filmproduktion mit Unterstützung der Filmstiftung NRW. Als weitere Partner an der deutsch-österreichisch-französischen Koproduktion beteiligt sind Coop99, Parisienne de Production sowie die Sender ZDF/Arte und ORF (Kinostart: 1.7.2010, Verleih: NFP).

„Deutschland ist ein Land, das nicht nur einheimische Regisseure unterstützt, sondern auch sehr viele Filmprojekte, die international wertvoll sind“, erklärte Shirin Neshat bei einem Pressegespräch in Köln. Die renommierte Videokünstlerin, die mit „Women Without Men“ ihr Regiedebüt präsentiert, hat sieben Jahre an der Entwicklung des Drehbuchs gearbeitet. „Die größte Herausforderung war für mich, narrativ zu erzählen und dabei meinem eigenen künstlerischen Ansatz treu zu bleiben.“

Im Mittelpunkt von „Women Without Men“, der 1953 nach dem Putsch im Iran und dem Sturz des Premierministers Mohammad Mossadegh angesiedelt ist, stehen vier unterschiedliche Frauen. „Ich möchte nicht auf das Thema ‚Feminismus reduziert werden“, betonte die Filmemacherin, „denn in meinem Film geht es genauso um das Land Iran.“ Da es im Iran keine Meinungsfreiheit gebe, seien die Menschen dort daran gewöhnt, ihre Worte in Sinnbilder zu verpacken. „Die Künstler sind das einzige Sprachrohr der iranischen Bevölkerung“, unterstrich Shirin Neshat. „Doch in unserer Heimat bekommen wir keine Unterstützung, sondern werden verhaftet. Deshalb leben wir im Exil.“

Bildergalerie: Premiere „Women without Men“ (17 Bilder):

Als internationaler Premierengast nach Köln war am Tag zuvor der Schauspieler und Präsident der Deutschen Filmakademie, Bruno Ganz, gekommen,der die Hauptrolle in dem Spielfilmdrama „Satte Farben vor Schwarz“ spielt, das die Filmstiftung NRW zur Eröffnung des Internationalen Filmkongresses am Samstagabend präsentierte. „Diesen Film hätte ich ohne Bruno Ganz nicht realisieren können“, erklärte Regisseurin Sophie Heldman. „Ich hänge sehr an diesem Film und bin sehr stolz darauf“, so der Protagonist auf der Bühne des Cinenova. "Für die Kölner Produktionsfirma unafilm ist ‚Satte Farben vor Schwarz' die erste Koproduktion mit der Schweiz“, erläuterte Christina Bentlage, stellvertretende Produktionschefin der Filmstiftung NRW. An die Filmförderung ging ein Dankeschön von Produzent Titus Kreyenberg, der dieses Regiedebüt in Zusammenarbeit mit der Züricher Dschoint Ventschr sowie dem WDR, SF und Arte realisiert hat.

Bildergalerie: Eröffnung Internationaler Filmkongress (16 Bilder):

Weitere Informationen zum Internationalen Filmkongress:
·
Programmübersicht Internationaler Filmkongress
· Programmheft herunterladen (PDF)
· Pressemeldung: KinoSpecials beim Internationalen Filmkongress (20.5.10)
· Druckfähiges Bildmaterial zu den KinoSpecials
· Homepage medienforum nrw

 

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Juli 2010

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Die nächste Ausgabe erscheint am 20.9.

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