28.02.2008 - 12:32 Uhr
57. Hörspielpreis der Kriegsblinden geht an Helgard Haug und Daniel Wetzel
Bund der Kriegsblinden e.V. und Filmstiftung NRW verleihen zum 57. Mal
die renommierte Auszeichnung
Für ihr Hörspiel „Karl Marx. Das
Kapital. Erster Band” erhalten Helgard Haug und Daniel Wetzel den
diesjährigen Hörspielpreis der Kriegsblinden/Preis für Radiokunst. Der
Hörspielpreis der Kriegsblinden, der zu den renommiertesten Auszeichnungen für
Hörspielautoren zählt, wird gemeinsam vom Bund der Kriegsblinden
Deutschlands e.V. und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen getragen.
Mit dem Preis wird jährlich ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes
und produziertes Hörspiel ausgezeichnet, das „in herausragender Weise die
Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert”.
Das Hörspiel ”Karl Marx: Das Kapital, Erster Band” wurde vom DLF
und WDR produziert und am 19. November 2007 urgesendet.
Am 4. und 5. Februar tagte die Jury
in Bremen. Nachdem sie in den letzten beiden Jahren in Österreich und der
Schweiz zu Gast war, fand die Jurysitzung in diesem Jahr, nach fast zehn
Jahren, wieder bei Radio Bremen statt.
Die Preisverleihung findet am 2. Juni 2008 auf dem Petersberg
in Bonn statt.
Entschließung der Jury:
“Ein weiteres großartiges Stück der renommierten Gruppe
„Rimini Protokoll“ stellt auf erhellende Weise Experten des Alltags in einen
artifiziellen Zusammenhang. Im Hörspiel ‚Karl Marx: Das Kapital, Erster Band’
erforschen Helgard Haug und Daniel Wetzel, wo in der Gesellschaft dieses Buch,
das jeder kennt und kaum einer gelesen hat, seine Spuren hinterlassen hat.
Menschen setzen ihr Leben in Beziehung zu dem Werk. Der eine hat es gründlich
studiert, die andere damit geheizt. Ein Wissenschaftler, ein blinder
Plattensammler, ein früherer Maoist, ein Gewerkschafter, eine Prostituierte und
andere erzählen von Habenwollen und Spielsucht, Anlagebetrug, von Menschen als
Ware, Fetischen, vom Arbeitsalltag, vom Marxwein aus Trier, von Neokapitalismus
und alter Ausbeutung.
Die authentischen Stimmen sind zu einem provokanten und
zugleich kulinarischen Radio-Erlebniskomponiert. Brüche, Zusammenstöße, absurde Beziehungen und eine
hintergründige Komik entstehen. Die Jury lobte diese zeitgemäße Weiterführung
des Originalton-Hörspiels. Sie genoss subtilen Witz, scharfe politische
Analyse, Geistreichelei, und schließlich und vor allem den akustischen
Mehrwert.“
Zu den diesjährigen Preisträgern:
Helgard Haug und Daniel Wetzel haben am
Giessener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft studiert und arbeiten
alleine, gemeinsam und zusammen mit Stefan Kaegi unter dem Label Rimini
Protokoll. Sie gelten als die „Protagonisten und Begründer eines neuen Reality
Trends auf den Bühnen“ (Theater der Zeit), der die junge Theaterszene geprägt
hat. Die Arbeiten finden in der Grauzone zwischen Realität und Fiktion statt
und haben international Aufmerksamkeit erregt. Seit 2000 entwickeln sie auf der
Bühne und im Stadtraum ihr Experten-Theater, das nicht Laien sondern Experten
der Wirklichkeit ins Zentrum stellt. – Von ihren Stücken wurde „Shooting
Bourbaki“ 2003 mit dem NRW-Impulse-Preis ausgezeichnet, im Jahrbuch 2003 der
Zeitschrift Theater heute wurden Haug/Kaegi/Wetzel als Nachwuchsregisseure des
Jahres gekürt, „Deadline“ 2004 zum Berliner Theatertreffen eingeladen,
„Schwarzenbergplatz“ 2005 für den Österreichischen Theaterpreis Nestroy
nominiert und „Wallenstein – eine dokumentarische Inszenierung“ zum
Theatertreffen 2006 eingeladen. Ihr aktuelles Stück „Karl Marx: Das Kapital.
Erster Band“ wurde mit dem Mülheimer Dramatiker Preis 2007 ausgezeichnet. Im
November 2007 hat Rimini Protokoll den FAUST erhalten, im April 2008 werden sie
mit dem Europäischen Theaterpreis in Thessaloniki ausgezeichnet.
Die aktuellen Aufführungstermine der Projekte von Rimini Protokoll sind
der Homepage www.rimini-protokoll.de zu entnehmen.
Der Jury, unter Vorsitz der Autorin Anna Dünnebier, gehören
jeweils sieben Kriegsblinde und sieben Fachkritiker sowie fünf von der
Filmstiftung NRW berufene Juroren aus dem Kulturbereich an. Preisträger der vergangenen
Jahre waren u. a. Michaela Melián, Stefan Weigl, Elfriede Jelinek, Christoph
Schlingensief, Andreas Ammer & FM Einheit, Walter Filz oder Inge Kurtz
& Jürgen Geers.
Im letzten Jahr erhielt Schorsch Kamerun den Hörspielpreis für
"Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt".
Ein Foto der Preisträger kann unter folgendem Link heruntergeladen
werden:
http://www.filmstiftung.de/Presse/hoerspielpreis_der_kriegsblinden08.php
Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Filmstiftung NRW, Presseabteilung, Tanja Güß, presse@filmstiftung.de Tel.: 0211-930500, Fax: 0211-9305085
Liste
der Jurymitglieder der 57. Sitzung Hörspielpreis der Kriegsblinden am 4. und 5.
Februar 2008:
Kriegsblinde:
Christa
Schmidt
Dieter Renelt
Maximilian Skiba
Rainer Unglaub
Dr. Hartmut Mehls
Hans-Dieter Hain
Hans Zehrer
Fachkritiker:
Dr.
Eva-Maria Lenz
Evelyn Roll
Tina Klopp
Dr. Thomas Irmer
Dieter Anschlag
Elmar Krekeler
Dr. Hans Ulrich Wagner
Filmstiftung:
Anna
Dünnebier, Vorsitz
Michael
Schmid-Ospach
Gisela Anna Stümpel
Dr. Herrad Schenk
Lidia Kämmerlings