Film und Medien Stiftung NRWNewsNewsDrama Series Days – „How to Make Your Series Go Global?“

Drama Series Days – „How to Make Your Series Go Global?“

Unter dem Motto „How to Make Your Series Go Global? Co-Production, Financing and Distribution Strategies for Binge-worthy TV“ stand die erste Panel-Diskussion bei den Drama Series Days 2017 am Montag, 13. Februar, im Berliner Zoo Palast. Bei der Gesprächsrunde, die von der Film- und Medienstiftung NRW und den Branchendienst The Hollywood Reporter veranstaltet wurde. Sendervertreter, Produzenten und Showrunner diskutierten dabei über die Möglichkeit, europäische Drama-Serien für ein möglichst breites internationales Publikum attraktiv zu gestalten.

DSC_8272Panel-Diskussion zur Frage >>How to Make Your Series Go Global? Co-Production, Financing and Distribution Strategies for Binge-worthy TV<< © Anna Kaduk / Film- und Medienstiftung NRW

Wichtig sei unter anderem eine originelle, zeitgemäße Erzählform, betonte Eleonora Andreatta, Fiction Director bei der öffentlich-rechtlichen RAI in Italien. So basiere die Handlung der aufwendigen Serie „Die Medici“ zwar auf historischen Motiven aus der Zeit der Renaissance, sie werde aber mit einem modernen Look erzählt. Auch der prominente Cast habe eine wichtige Rolle bei der internationalen Vermarktung gespielt: Das Projekt habe erst richtig Fahrt aufgenommen, nachdem Dustin Hoffman als Hauptdarsteller festgestanden habe, erklärte Andreatta. Ein Eindruck, den der kanadische Produzent Jay Firestone (Prodigy Pictures) auf dem Panel unter anderem für seine Thriller-Serie „XIII“ bestätigte, die er mit Val Kilmer als Hauptdarsteller realisiert hatte. Auch Rola Bauer, CEO der Studiocanal-Tochterfirma Tandem Productions in München bestätigte die wichtige Rolle von Stars für aufwendige TV-Produktionen. Ausnahmen stellten sehr bekannte Stoffe wie Ken Folletts Roman „Die Säulen der Erde“ dar, den Tandem ohne die ganz großen Darsteller-Namen verfilmt hatte. Eine wichtige Voraussetzung mit Blick auf die internationale Auswertung von Serien stellt für Bauer auch die Produktion in englischer Sprache dar – auch wenn dabei die Authentizität mitunter zurückstehen müsse. Für die Krimiserie „Crossing Lines“, in der eine Polizeieinheit grenzübergreifend in ganz Europa agiert, habe sich Tandem durch die englischsprachige Produktion unter anderem einen lukrativen Deal auf dem US-Markt erschlossen. Christian Wikander, ehemaliger Head of Drama des schwedischen Fernsehens SVT und heute für Pinewood Television in London tätig, hatte zuvor darauf hingewiesen, dass man genau darauf achten müsse, dass die Tiefe in der Zeichnung der Charaktere nicht verloren gehe, wenn man in englischer Sprache anstatt der Muttersprache der Protagonisten gedreht werde.

DSC_8302Jay Firestone (Prodigy Pictures) © Anna Kaduk / Film- und Medienstiftung NRW

Die Panel-Teilnehmer waren sich einig, dass es im Zeitalter der neuen Auswertungs-Plattformen schwieriger werde, den Erfolg von Serien zu bemessen, zumal von den großen Streaming-Anbietern zumeist keine konkreten Nutzerzahlen für einzelne Programme veröffentlicht werden. Wikander wies darauf hin, dass viele Nutzer dieser Angebote nicht die Tiefe des dort gebotenen Katalogs ausschöpften. So seien in Norwegen die Zuschauer von Netflix befragt worden, ob sie schon einmal die Serie „House of Cards“ angeschaut hätten. Dies sei bei weniger als zehn Prozent der Fall gewesen. Showrunner Steve Conrad, der für Amazon die Serie „Patriot“ kreiert hat, die bei den Berlinale Special Series vorgestellt wird, sieht ebenfalls die Notwendigkeit, neue Erfolgskriterien im Streaming-Zeitalter zu entwickeln. Niemand kaufe ein Ticket für „Patriot“, führte er auf dem Panel aus, die Serie sei für alle Amazon Prime-Mitglieder verfügbar. Für ihn selbst sei es vor allem wichtig gewesen, dass Suspense-Genre in einer neuen Dimension zu erzählen. Immerhin sei „Patriot“ mit einer Spieldauer von zehn Stunden fünf Mal so lang wie ein Kino-Thriller.