Film und Medien Stiftung NRWNewsPressemitteilungenVerleihung des 4. Wim Wenders Stipendiums

Verleihung des 4. Wim Wenders Stipendiums

  • Ein Dokumentarfilm aus der Zukunft, ein magisches Märchen über den Kapitalismus, ein Essay über moderne Meerjungfrauen, ein Film über die Stille, ein 360°-Experiment über eine Stadt aus Schrott
  • Filmstiftung und Wim Wenders Stiftung vergeben 5 Stipendien mit insgesamt 100.000 Euro
  • Verleihung am 5. Jahrestag der Gründung der Wim Wenders Stiftung in Düsseldorf

In der Düsseldorfer Filmwerkstatt hat die Film- und Medienstiftung NRW heute Abend gemeinsam mit der Wim Wenders Stiftung zum vierten Mal das Wim Wenders Stipendium verliehen. Das Stipendium, das jährlich mit einer Gesamtsumme von 100.000 Euro ausgelobt wird, soll jungen Filmemacherinnen und Filmemachern Freiraum für die unabhängige und eigenständige Entwicklung ihrer filmischen Ideen verschaffen.

Aus insgesamt 27 eingereichten Anträgen wählte die Jury unter Vorsitz von Wim Wenders fünf Projekte aus. Für die Entscheidung der Jury war neben der stofflichen Qualität vor allem auch die visuelle Konzeption ausschlaggebend. Gemeinsam mit Wim Wenders bildeten Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW, und Mirko Derpmann, Kreativdirektor und Partner der Scholz & Friends Group, die Jury.

„Als einzigartige Nachwuchsförderung in Deutschland gibt das Wim Wenders Stipendium jungen Kreativen die Freiheit, formal und inhaltlich radikal zu denken. Die diesjährigen Stipendiaten haben diese Chance auf beeindruckende Weise genutzt. Wir danken allen Bewerberinnen und Bewerbern für ihre Filmideen, gratulieren den Stipendiaten des Jahrgangs 2017 und wünschen viel Erfolg bei der Entwicklung ihrer Projekte“, so Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW. „Wim Wenders, Laura Schmidt und ihrem Team, dem Kuratorium, dem Land NRW, der Stadt Düsseldorf, allen Partnern und Unterstützern danken wir für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in fünf wunderbaren und produktiven Jahren.“

Juryvorsitzender Wim Wenders: „In diesem Jahr haben uns die Stipendiaten allesamt echt vom Hocker gerissen. Sie entwickeln Geschichten und beleuchten Phänomene, die unseren Alltag bestimmen oder demnächst prägen werden, und sie wollen das mit eigenem Blick und neuesten Mitteln erzählen. Am 5. Jahrestag unserer Stiftung zeigen die Arbeiten der Nachwuchstalente im Gleichklang mit unserem Stiftungsauftrag, dass sich Film als künstlerisches Medium unaufhaltsam fortschreibt. Ich gratuliere den diesjährigen Stipendiaten und möchte mich auch bei ihren Vorgängern bedanken, die uns auch dieses Jahr wieder im Kolloquium haben miterleben lassen, mit welcher Dichte und Vielfalt die Stoffentwicklung ihrer geförderten Projekte bereits zu eigenen Wegen und Formen gefunden hat.“

Am Vorabend der Verleihung fand wie im vergangenen Jahr ein Kolloquium mit den Stipendiaten der letzten beiden Jahrgänge statt. Hier berichteten die Filmemacherinnen und Filmemacher der Jury um Wim Wenders zum aktuellen Stand der geförderten Projekte, zeigten erste Arbeitsproben und tauschten sich mit Kollegen und Jury über die Weiterentwicklung ihrer Projekte aus.

Die Stipendiaten Martin Persiel ("The Way We Were"), Rosana Cuellar ("Popping the Question"), Anatol Schuster ("Stille"), Lina Sieckmann und Miriam Gossing ("Freetime Mermaid"), Jörg Haaßengier und Jürgen Brügger ("Stadt aus Schrott") mit (vordere Reihe) der Jury: Vorsitzender Wim Wenders (Mitte), Petra Müller (Film- und Medienstiftung NRW), Mirko Derpmann (Scholz & Friends) © FIlm- und Medienstiftung NRW / Anna Kaduk
Die Stipendiaten Marten Persiel („The Way We Were“), Rosana Cuellar („Popping the Question“), Anatol Schuster („Stille“), Lina Sieckmann und Miriam Gossing („Freetime Mermaid“), Jörg Haaßengier und Jürgen Brügger („Stadt aus Schrott“) mit (vordere Reihe) der Jury: Vorsitzender Wim Wenders (Mitte), Petra Müller (Film- und Medienstiftung NRW), Mirko Derpmann (Scholz & Friends) © FIlm- und Medienstiftung NRW / Anna Kaduk

Die ausgewählten Projekte 2017:

 „Freetime Mermaid“ von Miriam Gossing und Lina Sieckmann, Köln, experimenteller Dokumentarfilm30.000 Euro
„Freetime Mermaid“ wirft einen künstlerisch-essayistischen Blick auf das Phänomen „Mermaiding“-Frauen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen als Meerjungfrauen inszenieren.  Auf den ersten Blick eine ausgefallene Extravaganz einer Randgruppe, offenbart sich dieses (pop)kulturelle Spiel mit der Identität als perfekte Folie, um über Inszenierung, Geschlechterverhältnisse und Massenkultur nachzudenken.

„The Way We Were“ von Marten Persiel, Berlin, experimenteller Dokumentarfilm30.000 Euro
Wird unsere Zeit kommenden Generationen als goldene Vergangenheit erscheinen? Im Jahre 2045 ernähren endlose Monokulturen 10 Milliarden Menschen. Das Stimmengewirr der Vögel des
20. Jahrhunderts ist nahezu verstummt. Doch in der Erinnerung leuchten die Bilder untergegangener Arten nach. Im Film sehnen sich Menschen zurück in die goldene Zeit der 2010er und 20er: unsere Gegenwart. Die Zeit, in der das große Sterben nur eine Fußnote endloser Polit- und Religionskonflikte war. Eine historische Dokumentation aus einer nicht allzu fernen Zukunft.

„Popping the Question“ von Rosana Cuellar, Hamburg, 3D-Spielfilm20.000 Euro
Im 18. Jahrhundert folgen zwei Mädchen vom Lande einem gewieften Vertreter in die Stadt, um ein neues Leben zu beginnen. Dort werden sie mit dem Kapitalismus konfrontiert, der Verführung, ihre Werte dem Streben nach Erfolg und der Befriedigung unmittelbarer Bedürfnisse zu opfern. Bald stehen die Mädchen vor der Wahl, sich der neuen Welt anzupassen oder von ihr verschlungen zu werden.

Stadt aus Schrott“ von Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier, Gerhard Schick, Köln, 360°-Dokumentarfilm,10.000 Euro
Was Europa nicht mehr braucht, landet in Afrika – in Agbogbloshie, der größten Elektronikschrott-Müllhalde der Welt. Es ist einer der verseuchtesten Orte der Erde. In dem VR-Film tauchen wir mit den Jugendlichen Ondiege und Charles, die auf der Deponie leben und arbeiten, ein in eine apokalyptische Welt – die mehr mit uns zu tun hat, als wir alle denken.

„Stille“ von Anatol Schuster, Berlin, Spielfilm, 10.000 Euro
Auf dem Weg zur Arbeit bleibt Klara stehen. Von diesem Moment an hört sie auf, ihr gewohntes Leben fortzusetzen. Stück für Stück löst sie ihre Identität auf. Sie zieht sich in den Keller zurück – und wird zur Kellerheiligen stilisiert. Sie hört auf zu reden – und wird für verrückt erklärt. Doch Klara lässt sich nicht vereinnahmen. Freigelassen strömt sie als Phänomen durch den Puls der Großstadt. In der steten Bewegung findet Klara Stille. Ihr Nachbar, ein zeitgenössischer Komponist, verfolgt neugierig ihren rätselhaften Weg und versucht schließlich, der Stille eine musikalische Form zu geben.

 

Wim Wenders Stipendium

Das Wim Wenders Stipendium wurde 2014 erstmals vergeben. Bisher wurden insgesamt 17 Stipendien mit einer Gesamtfördersumme von 395.000 Euro verliehen. Über die Vergabe entscheidet eine Jury unter dem Vorsitz von Wim Wenders im Rahmen eines zweistufigen Bewerbungsverfahrens. Nach einer Vorauswahl werden die Kandidaten eingeladen, ihre Projekte vor der Jury zu präsentieren. Neben inhaltlichen Kriterien geht es vor allem auch um die überzeugende formale und visuelle Gestaltung der Projektideen.

Fünf Jahre Wim Wenders Stiftung

Die Wim Wenders Stiftung wurde am 28. September 2012 in Düsseldorf auf Initiative von Wim und Donata Wenders gemeinsam mit dem Land NRW, der Stadt Düsseldorf, der Kulturstiftung der Länder, privaten Zustiftern und der Film- und Medienstiftung NRW gegründet. Neben der Sicherung und Verbreitung des filmischen, photographischen, künstlerischen und literarischen Lebenswerks widmet sich die Stiftung in der Geburtsstadt des Filmemachers der Nachwuchsförderung im Bereich innovativer filmischer Erzählkunst. Sie fungiert zudem als Plattform für Austausch und Forschung in den Bereichen Film, Kunst und Medien. Mit dem von der Film- und Medienstiftung NRW vergebenen Wim Wenders Stipendium werden junge Filmschaffende mit Wohnsitz in Deutschland, insbesondere in NRW, darin unterstützt, mit neuen Mitteln zu erzählen und unsere Bildsprache zu bereichern.