„Testament“ gewinnt den 61. Hörspielpreis der Kriegsblinden

  • Berliner Autorengruppe She She Pop erhält die begehrte Auszeichnung
  • Ebenfalls nominiert: „Mörder“ (DLF/SWR) und „Altersglühen“ (NDR)
  • Preisträger erstmals erst bei Verleihung bekannt gegeben 
  • Festakt im „Kleinen Sendesaal“ des WDR

Der 61. Hörspielpreis der Kriegsblinden, der vom Bund der Kriegsblinden e.V. (BKD) gemeinsam mit der Film- und Medienstiftung NRW ausgerichtet wird, wurde heute im „Kleinen Sendesaal“ des WDR in Köln verliehen. Die Entscheidung der Jury unter Vorsitz von Anna Dünnebier fiel auf das von Deutschland­radio Kultur produzierte Hörspiel „Testament. Verspätete Vorbereitungen zum Generationswechsel nach Lear“ von der Autorengruppe She She Pop.

Dabei konnte sich „Testament“ gegen die ebenfalls nominierten Hörspiele „Mörder“ und „Altersglühen. Speed Dating für Senioren“ durchsetzen. Noch unter dem Vorsitz des inzwischen verstorbenen Dieter Renelt hatten die Träger eine Reform des Hörspielpreises beschlossen, die vorsieht, zunächst drei Nominierungen auszusprechen und den Preisträger erst während der Preisverleihung bekannt zu geben.

„Ich gratuliere dem Autorenteam She She Pop sehr herzlich zur Auszeichnung ihres überzeugenden Generationenstücks, das ebenso wie die nominierten Arbeiten einen Beleg für das herausragende Niveau deutscher Hörspielkunst darstellen.“, so Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medien­stiftung NRW, nach der Verleihung. „Der spannende und emotionale Abend hat gezeigt, dass die Weiter­entwicklung des Reglements dem Hörspielpreis der Kriegsblinden gut getan hat.“


Moderatorin Ute Soldierer, Jan-Georg Schüttes, Agnieszka Lessmann, Petra Müller (Film- und Medienstiftung NRW), Preisträgerin Lisa Lucassen von She She Pop, Hans-Dieter Hain (stellv. Vors. Kriegsblinde) mit Ehefrau, und Anna Dünnebier, Juryvorsitzende, Foto: Violetta Odenthal

Begründung der Jury
Ihre Entscheidung für „Testament. Verspätete Vorbereitungen zum Generationswechsel nach Lear“ begründet die Jury wie folgt: „Anhand von Shakespeares ‚König Lear’ testet die Theatergruppe She She Pop, wie belastbar heute die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist – und zwar gemeinsam mit ihren wirklichen Vätern. Dieses Zusammenspiel ergibt eine Spannbreite zwischen Rollenspiel und Realität, zwischen Ökonomie und Gefühl, zwischen liebevollem Witz und roher Härte. Die Akteure selbst müssen sich oft entlang tasten zwischen Lust am Spiel und Angst vor persönlicher Verletzung. ‚Testament’ entstand zunächst als Bühnenstück, das schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Hörspielfassung ist noch einmal eine Steigerung durch die notwendige Verknappung und zugleich die Bereicherung durch die Diskussionen bei den Proben.“

Die Preisträger
Das 1998 gegründete Berliner Performance-Kollektiv She She Pop besteht aus den Mitgliedern Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf. Vom Berliner Theater Hebbel am Ufer aus tourt die Kompanie mit ihren abseits des klassischen Regietheaters entstehenden Produktionen regelmäßig auch durch freie Theater und Festivals im In- und Ausland.

Die Nominierten
Nominiert für den Hörspielpreis war außerdem Agnieszka Lessmanns „Mörder“, eine Koproduktion von Deutschlandfunk und SWR. Die Jury hob in ihrer Begründung die „dichte Atmosphäre“ hervor, die das Stück über 1968 aus Polen nach Deutschland vertriebene Juden präge und „die durch sorgsam komponierte motivische Geräusche unterstützt wird“.

Ebenfalls um den Hörspielpreis konkurrierte Jan-Georg Schüttes „Altersglühen. Speed Dating für Senioren“, eine Produktion des NDR. Das „sehr heitere Stück“ über zehn flirtende Senioren spiele, so die Jury in ihrer Begründung, mit der voyeuristischen Neugier und lebe „von der Improvisationskunst der hervorragenden Schauspieler“. 

Die Jury
Die Jury des 61. Hörspielpreises der Kriegsblinden bestand aus sieben Mitgliedern des BKD sowie aus sieben von der Film- und Medienstiftung NRW benannten Fachkritikern. Den Vorsitz führte die Publizistin Anna Dünnebier. Die BKD-Mitglieder der Jury waren Hans-Dieter Hain, Klaus Bartels, Johann Dressing, Reiner Unglaub, Paul Baumgartner, Klaus-Jürgen Schwede und Erich Kuttner. Ergänzt wurde die Jury durch die Fachkritiker Eva-Maria Lenz (Freie Journalistin, FAZ, epd), Thomas Irmer (Freier Journalist u.a. Theater heute), Dieter Anschlag (Funkkorrespondenz), Elmar Krekeler (Die Welt), David Denk (taz), Diemut Roether (epd medien) und Petra Kammann (INrheinkultur).

Der Preis
Der Hörspielpreis der Kriegsblinden wird seit 1952 an ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes Original-Hörspiel verliehen, das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert.

©Film- und Medienstiftung NRW GmbH, Kaistraße 14, D-40221 Düsseldorf, +49(0)211-93 05 00, info@filmstiftung.de, CEO: Petra Müller, V.i.S.d.M. Tanja Güß,
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