Deutschland hören: 22.500 Euro für vier neue Audioprojekte aus NRW
Vier Projekte, vier Perspektiven: Die Film- und Medienstiftung NRW fördert weitere neue Audioprojekte mit insgesamt 22.500 Euro. Ihre Themen reichen von den oft unsichtbaren Spuren der NS-Vergangenheit in Familien über das Lebensgefühl einer permanent vernetzten Generation bis zu einem Duisburger Hochhauskomplex, der immer wieder zum Schauplatz gesellschaftlicher Debatten wird.
Alle vier Autorinnen und Autoren kommen aus Nordrhein-Westfalen, leben und arbeiten in Aachen, Köln, Duisburg und Bonn.
Cher Zimmerer, Head Audioförderung bei der Film- und Medienstiftung NRW:
„Vier sehr unterschiedliche Geschichten und vier starke Stimmen aus NRW. Die geförderten Audio-Projekte verbinden gesellschaftlich wichtige Themen mit persönlichen und emotionalen Perspektiven. Sie erzählen von Erinnerung und Verantwortung. Die Geschichten laden Zuhörer:innen ein, eindringlich nah dabei zu sein und neue Blickwinkel unmittelbar zu erleben.“
Beraterstab der Audio-Förderung:
Carla Swiderski (Rowohlt Verlag),
Jana Engels (Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller NRW),
Till Krause (WDR) und
Khesrau Behroz (Doku-Podcaster, Autor und Journalist).
Manuskriptförderung
AUF DEN SPUREN VON UROMA FANNI – 7.500 Euro
Autorin: Sigrid Zeevaert, Aachen
Die Kinder-Hörspiel-Reihe für Kinder ab 10 J. erzählt von der elfjährigen Emilia, ihrem achtjährigen Bruder Anton und deren Mutter auf einer ungewöhnlichen Zugfahrtreise, die sie aus dem Westen quer durch Deutschland bis weit in den Osten an einen Ort im heutigen Polen führt. Die Reise führt sie zur Geschichte der dementen Uro-Oma Fanni, die während des Zweiten Weltkrieges aus dem kriegsgeschüttelten Köln nach Ostpreußen verschickt wurde.
Konzeptförderung
EVERYBODY SOUNDS FINE – 5.000 Euro
Autorin: Marina Zolke, Köln
Die dokumentarische Audioserie erzählt über den Alltag jugendlicher Protagonist:innen zwischen 14 und 17 Jahren, die alles öffentlich teilen, über sich selbst reflektieren, permanent verbunden sind und sich trotzdem oft allein fühlen. Zwischen Schulhöfen, Discord-Calls, Fast-Food-Läden und Heimwegen sprechen sie über Freundschaft, Einsamkeit, Glücksmomente, Erwachsenwerden, Unsicherheiten und Ängste.
DER WEISSE RIESE – 5.000 Euro
Autor: Burak Yilmaz, Duisburg
Der Autor und Podcaster Burak Yilmaz untersucht in der Doku-Podcast-Serie einen der bekanntesten sogenannten Brennpunkte Deutschlands: den Weißen Riesen in Duisburg-Hochheide. Doch statt zu fragen, was mit diesem Ort nicht stimmt, der für Armut, Kriminalität und gescheiterte Integration steht, stellt er eine andere Frage: Welche politischen, ökonomischen und medialen Strukturen haben ihn zu dem gemacht, was er heute ist? Ein intimer Blick auf die Menschen und eine investigative Recherche über Stigma und gesellschaftliche Konflikte.
HADAMAR 1941 – JOSEPH FUCHS – 5.000 Euro
Autorin: Lisa Sommerfeldt, Bonn
In dem dokumentarischen Hörspiel beginnt alles mit einem Foto. Ein Bruder des Opas, von dem niemand in der Familie sprach. Sein Name ist Joseph Fuchs und er wurde mit 29 Jahren in Hadamar vergast, aufgrund einer Beeinträchtigung. Das Hörspiel erzählt Josephs Geschichte und beleuchtet den Horror der Euthanasie und wie gefährlich es ist, einen Unterschied zwischen wertem und unwertem Leben zu machen. Der Mord und die Vertuschung wirken sich bis heute im familiären Kontext aus.