300.000 Euro für zehn kulturelle Filmprojekte
Insgesamt hat die Jury der vereinfachten Förderung zehn Projekte unterstützt, die sich mit unterschiedlichsten gesellschaftspolitischen Fragen auseinandersetzen. Jurymitglieder waren Christian Becker, Filmemacher, Editor und Produzent, Barbara Groben, Produzentin, sowie Filmemacherin Carolin Schmitz.
Langfilm
DEMOCRACY WORK IN PROGRESS – 85.000 Euro
Buch, Regie: Mihály Schwechtje
Produktion: wunderfein film
Die junge Aktivistin Júlia verschwindet in Budapest nach einer Demo auf völlig absurde Weise mitten im Behördenchaos. Ein unmotivierter Ermittler kämpft sich durch ein korruptes, selbstverliebtes Staatsapparat-Panoptikum. Eine schwarze Satire über Macht, Willkür, Inkompetenz und ein groteskes Verbrechen.
VOM GEHEN UND VOM BLEIBEN – 60.000 Euro
Buch, Regie: Danech San
Produktion: Weydemann Bros.
Mera und Bopha, beide 18 Jahre alt, sind beste Freundinnen. Sie leben in einem kleinen Fischerdorf auf einer Insel an der kambodschanischen Küste. Mera lernt online einen Soldaten kennen, der auf einer einsamen Insel stationiert ist. Dort besuchen ihn die beiden. Am nächsten Morgen ist Mera verschwunden. Bopha muss nun lernen, ohne sie zu leben.
Kurzfilm und Animation
DINNER IS READY – 25.000 Euro
Buch, Regie: Marion Kellmann
Der Kompilationsfilm setzt sich mit dem Stereotyp der perfekten Hausfrau in US-amerikanischen Filmen der 1940er bis 1960er Jahre auseinander. Für den Dokumentarfilm werden Szenen gesichtet und in einen neuen Kontext gesetzt, der so die uniforme Darstellung weiblicher Figuren jener Zeit entlarvt und zugleich ein filmischer Weckruf gegen aktuelle reaktionäre Bewegungen ist.
KAIBA – DAS MEER MEINES VATERS – 22.750 Euro
Buch, Regie: Shoko Matsuyama
Der experimentelle Kurzfilm verbindet dokumentarische Fragmente mit inszenierten Szenen. Im Zentrum steht der Traum des Vaters der Regisseurin: Ein Sturm tobt, das Haus treibt auf dem Meer. Matsuyama hatte als Kind den gleichen Traum, der Erinnerungen an einen fernen Tsunami weckt. Aus dem Meer tauchen Bilder eines entfremdeten Vaters und verborgene Erinnerungen auf. Das Meer wird so zu einem Speicher von Erinnerungen.
SECOND HORIZON – 16.500 Euro
Regie: Meri Mikaelyan
Buch: Rita Schwarze
Der experimentelle Dokumentarfilm folgt der Landschaft der Arazdayan-Steppe entlang des Araks-Flusses – einer Landschaft, die über ein Jahrhundert lang von Kanälen, Baumwollanbau und künstlichen Wasserwegen geprägt wurde. Fischteiche und Salzfelder bieten heute Zugvögeln Rastplätze, die sich an das veränderte Land angepasst haben. Anhand von Archivtexten und mündlicher Überlieferung reflektiert der Film, wie Landschaften imperiale Eingriffe aufnehmen, ihnen widerstehen und sie schließlich umgestalten.
Drehbuch
SIE WAR OFT HIER – 10.000 Euro
Buch: Sabah Boumeshouli
Die 17-jährige Yasmin sucht ihre verschwundene Schwester Rashida und stößt dabei auf das Schweigen ihrer Familie und Leerstellen, die niemand füllen will. Ohne Antworten beginnt sie, ihre eigene Wahrheit zu erfinden – bis sie an ihre eigenen Grenzen stößt.
SCHARMÜTZEL – 10.000 Euro
Buch: Cédric Ernoult
N. und A. wollen nach einer anstrengenden Zeit in einem Protestcamp eine Pause einlegen und Geld als Straßenjongleur:innen verdienen. Doch bald geraten sie in die Widersprüche des Klassenkampfs, und ihre Wege trennen sich.
Projektvorbereitung
CINEMA EUROPA – RÄUME AUS LICHT UND SCHATTEN – 25.000 Euro
Regie: Daniel Huhn
Produktion: Benda Film
Huhn erzählt von den großen und kleinen Kinoorten zwischen Paris und Kiew, zwischen Berlin und Mailand. Der Dokumentarfilm rückt die konkreten Geschichten einzelner (sehr unterschiedlicher) Kinos ins Zentrum. Zwischen Glanz und Alltag, zwischen rotem Samt und bröckelndem Putz sind diese Kinos aufgeladen von Europas Trauma und Träumen. Wir begegnen den Menschen, die das Kino am Leben erhalten – als Ort des Widerstands, der Erinnerung und der Hoffnung.
TALLBOY (AT) – 25.000 Euro
Regie: Julius Dommer
In der Nord- und Ostsee verrosten Millionen Tonnen Munition. Der Dokumentarfilm begleitet mit einem einzigartigen Zugang den Bau der weltweit ersten autonomen, schwimmenden Vernichtungsplattform und die Arbeit von zwei exzentrischen Bergungsspezialisten bei ihrem Versuch, die Meere zu retten. Dommer verknüpft deren Arbeit zu einem immersiven Kinoerlebnis, das erfahrbar macht, was auf dem Meeresgrund geschieht.
PROFITMASCHINE STAATSVERSCHULDUNG – 24.500 Euro
Regie: Cornelia Uebel, Klaus Martens
Die Bundesrepublik hat sich entschlossen, ihren Finanzbedarf zu großen Teilen auf den internationalen Finanzmärkten zu decken. Wie und bei wem leiht sich der Staat die riesigen Summen? Der Dokumentarfilm erzählt von speziellen Finanzprodukten und einem diskreten Multi-Milliarden-Euro-Geschäft.