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51. Hörspiel der Kriegsblinden

Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. und Filmstiftung NRW verleihen zum 51. Mal eine der renommiertesten Auszeichnungen für Hörspielautoren

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden/Preis für Radiokunst, gemeinsam getragen vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, wird in diesem Jahr zum 51. Mal verliehen. Der Preis wurde bereits an Autoren wie Ingeborg Bachmann, Günter Eich, Friedrich Dürrenmatt, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Heiner Müller und Heiner Goebbels vergeben. Im letzten Jahr war der Preisträger Walter Filz. Mit dem Preis wird laut Statut jährlich ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes und produziertes Original-Hörspiel ausgezeichnet, „das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert“. Gastgeber der Jurysitzung war in diesem Jahr der Sender Freies Berlin. Der Preis wird abwechselnd in Berlin und Nordrhein-Westfalen vergeben; in diesem Jahr wird er im Juni 2002 in Bonn überreicht.

In diesem Jahr hat die Filmstiftung NRW erstmals vier Vertreter in die aus Fachkritikern und Kriegsblinden besetzte Jury entsandt. Vorsitzender der Jury ist Prof. Dr. Jörg Drews von der Universität Bielefeld. Der Jury gehören jeweils sieben Kriegsblinde und sieben Fachkritiker sowie jetzt vier von der Filmstiftung NRW berufene Juroren aus dem Kulturbereich an.

Mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden/Preis für Radiokunst für das Jahr 2001 werden Andreas Ammer & FM Einheit ausgezeichnet. Sie erhalten den Preis für das Hörspiel „Crashing Aeroplanes“, eine Auftragsarbeit der European Broadcasting Union, produziert vom Westdeutschen Rundfunk Köln/ DeutschlandRadio Berlin. Es wurde am 18. Juni 2001 vom WDR urgesendet. Bei der zweitägigen Sitzung in Berlin entfielen auf „Crashing Aeroplanes“ 14 von insgesamt 19 Stimmen.

Entschließung der Jury:

„Die Jury des Hörspielpreises der Kriegsblinden hat ihren Preis für die beste Produktion des Jahres 2001 in ihrer Sitzung in Berlin am 4. und 5. März 2002 dem Hörspiel von Andreas Ammer & FM Einheit „Crashing Aeroplanes (Fasten your seat belts)“ zuerkannt. Das Hörspiel wurde in einer Koproduktion von WDR/DLR erstmals am 18. 6. 2001 gesendet und dauert 50 Minuten.

Die große Mehrheit der Juroren war der Meinung, dass „Crashing Aeroplanes“ sich auf der Höhe dessen befindet, was in unserer technischen Welt ein Hörspiel sein kann. Das Stück thematisiert ein Phänomen, das so kühn wie alltäglich, so mythisch wie technisch beherrschbar ist und bei dem dennoch eintretendes technisches Versagen als extrem katastrophal, bedrohlich und wie eine Strafe für Hybris erlebt wird. Die Autoren erliegen aber nicht der Versuchung, Fliegen, Flugangst und Abstürze zu dämonisieren, sondern beziehen sich eher auf das Serielle, das Strukturelle von Flugzeugabstürzen, deren Hergang und Gründe immer dem Cockpit Voice Recorder zu entnehmen versucht wird. Die anonymen und dennoch menschlich so bewegenden Stimmen der Piloten zusammen mit anderen Originaltönen, von Routine-Ansagen bis zu technischen Geräuschen, werden von den Autoren zu einer so episodischen wie musikalischen Komposition verwoben: „Crashing Aeroplanes“ ist einerseits ein Dokumentar- und Originalton-Hörspiel, andererseits aber zugleich eine fast musikalisch zu nennende Komposition, die Tonmaterial verschiedenster Herkunft zu einem technoiden Oratorium kombiniert.

Die Jury zeichnet damit zum zweiten Mal ein Duo von Hörspielautoren und -machern aus, welches nicht nur bereits vor einigen Jahren mit den Produktionen „Radio Inferno“ und „Apokalypse Live“ Aufsehen erregt hatte, sondern auch schon 1995 für „Apokalypse Live“ (1994) bereits mit dem „Hörspielpreis der Kriegsblinden“ ausgezeichnet wurde. Dieser Hörspielpreis wird im Jahr 2002 zum 51. Mal vergeben.“

Zum diesjährigen Preisträger:

Andreas Ammer ist Autor und Journalist. Er wurde 1960 geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften. 1990 promovierte er und arbeitet seitdem als freier Autor, Universitätsdozent und Fernsehjournalist (u.a. ARD, Kulturmagazine, Spiegel TV).

Werkauswahl:

ORBIS AUDITUS – O-Ton-Collage über die Lautpoesie; Prod.: BR, ausgezeichnet als „HÖRSPIEL DES JAHRES“ 1990. „FRANKFURTER HÖRSPIELPREIS für Nachwuchs 1992“.

Preisträger „LITERAVISION 1993“

RADIO INFERNO (mit FM Einheit) – Umsetzung des Danteschen „Infernos“, Prod.: BR & hr, erschienen
als CD bei Rough Trade. Ausgezeichnet mit dem „MORISHIGE AWARD I
NTERNATIONAL“ (Japan), einer Goldmedaille beim „RADIO DRAMA CONTEST“
(New York) und mit dem „PRIX FUTURA 1995“ (Berlin).

APOCALYPSE LIVE (mit FM Einheit & Ulrike Haage) – Umsetzung der biblischen Offenbarung.
Live-Hörspiel und Bühnenproduktion (Prod.: Münchner Marstall / BR, Uraufführung
im Münchner Marstall, Gastspieltounee u.a. bei den Salzburger Festspielen,
erschienen als CD bei Rough Trade; ausgezeichnet mit dem SPEZIALPREIS
DER JURY beim „PRIX ITALIA 1995“ und mit dem „HÖRSPIELPREIS DER
KRIEGSBLINDEN 1995″.

FM Einheit ist 1958 in Dortmund geboren. Mit 21 begann er seine Laufbahn als Profimusiker. Mit den Einstürzenden Neubauten veröffentlichte er mehrere Alben und ging auf Tournee. Außerdem arbeitete er für Marianne Rosenberg, Rio Reiser, Heiner Müller oder Abwärts. 1993 beginnt die Zusammenarbeit von Andreas Ammer und FM Einheit mit dem mehrfach ausgezeichneten Hörspiel „Radio Inferno“. Weitere gemeinsame Projekte folgten.

„Crashing Aeroplanes“ ist auf CD erschienen und über den Buchhandel
(ISBN 3-934847-60-9) sowie den Tonträgerhandel (indigo CD 0538-2) zu beziehen.