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Film und Medien Stiftung NRWNewsPressemitteilungen6 filmstiftungsgeförderte Filme beim Locarno-Festival (3.-13.8.2016)

6 filmstiftungsgeförderte Filme beim Locarno-Festival (3.-13.8.2016)

  • „Paula“ von Christian Schwochow auf der Piazza Grande
  • „Marija“ von Michael Koch und „Der traumhafte Weg“ von Angela Schanelec im Wettbewerb
  • „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte…“ von Corinna Belz im Wettbewerb außer Konkurrenz
  • „Cahier Africain“ von Heidi Specogna in der Semaine de la critique
  • „Verfluchte Liebe Deutscher Film“ von Dominik Graf und Johannes Sievert in der Sektion Histoire(s) du cinéma
  • Sonderscreening des TV-Zweiteilers „Gotthard“ von Urs Egger auf der Piazza Grande am 2.8.
  • Festival del Film Locarno vom 3. – 13. August 2016

Starker Auftritt für filmstiftungsgeförderte Filme beim 69. Film Festival Locarno: Die Film- und Medienstiftung NRW ist in diesem Jahr mit sechs Filmen, davon fünf Weltpremieren, beim 69. Festival del Film Locarno vertreten. Im Wettbewerb des Festivals sind „Marija“ von Michael Koch sowie „Der traumhafte Weg“ von Angela Schanelec zu sehen, der Dokumentarfilm „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte…“ von Corinna Belz läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz, Christian Schwochows neuer Film „Paula“ über die Künstlerin Paula Modersohn-Becker wird auf der Piazza Grande aufgeführt, „Cahier Africain“ von Heidi Specogna, ebenfalls ein Dokumentarfilm, ist in der Sektion „Semaine de la critique“ zu sehen und „Verfluchte Liebe Deutscher Film“ von Dominik Graf und Johannes Sievert läuft in der Sektion Histoire(s) du cinéma. Auf der Piazza Grande wird zudem der TV-Zweiteiler „Gotthard“ von Urs Egger im Rahmen eines Sonderscreenings am Tag vor dem offiziellen Beginn des Filmfestivals und ebenfalls als Weltpremiere präsentiert. Das 69. Festival del Film Locarno findet vom 3. bis 13. August 2016 statt.

„Zwei Filme im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden, ein weiterer im Wettbewerb außer Konkurrenz, ein Film in der Sektion Semaine de la critique, ein Film in der Sektion Histoire(s) du cinéma und zwei Produktionen auf der Piazza Grande: NRW präsentiert sich in Locarno in der gesamten Bandbreite des hiesigen Filmschaffens“, so Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW. „Im vergangenen Jahr waren wir mit der Weltpremiere von ,Der Staat gegen Fritz Bauer‘ auf der Piazza, nun wird ,Paula‘ unter freiem Himmel und vor rund 8.000 Zuschauern präsentiert. Wir gratulieren allen Filmteams zur Einladung nach Locarno und wünschen ein erfolgreiches Festival!“

Die filmstiftungsgeförderten Filme für Locarno im Einzelnen:

„Marija“ (Wettbewerb)
An Originalmotiven in Dortmund fanden die Dreharbeiten zu „Marija“, dem Debütspielfilm von KHM-Absolvent Michael Koch, statt. Marija kommt aus der Ukraine in die Dortmunder Nordstadt, und um sich ihren großen Traum zu erfüllen, einen eigenen Friseursalon zu eröffnen, greift sie zuweilen auch zu fragwürdigen Methoden. Aber moralische Bedenken und Emotionen sind Angelegenheiten, die man sich leisten können muss. In den Hauptrollen spielen Margarita Breitkreiz und Georg Friedrich.
Der Film der Kölner Pandora Filmproduktion entstand in Koproduktion mit dem WDR und Arte sowie Hugofilm (CH) und der Kölner Little Shark Entertainment. Die Produktion wurde von der Film- und Medienstiftung NRW mit 400.000 Euro unterstützt, weitere Gelder kamen von DFFF, BKM und FFA sowie der Schweizer BAK und der Zürcher Filmförderung. Der Kölner Real Fiction Verleih bringt den Film im Februar 2017 in die Kinos, den Weltvertrieb übernimmt die französische Luxbox Films.

„Der traumhafte Weg“ (Wettbewerb)
Griechenland 1984. Kenneth, ein junger Engländer und Theres, eine Deutsche, singen auf der Strasse, um sich ihre Ferien zu finanzieren. Sie lieben sich. Als Kenneth die Nachricht erhält, dass seine Mutter verunglückt ist, reist er überstürzt nach Hause und lässt Theres zurück. Ihm wird bewusst, wie sehr er sie braucht, aber sein Versuch, sie erneut zu gewinnen, scheitert.30 Jahre später, in Berlin. Ariane, eine 40jährige Fernsehschauspielerin, löst sich in einer Krise von ihrem Mann, einem erfolgreichen Anthropologen. Er zieht in ein Appartement am Hauptbahnhof. Von seinem Fenster sieht er einen Obdachlosen. Es ist Kenneth, der nicht weiss, dass auch Theres inzwischen in Berlin lebt.
Die Hauptrollen in „Der traumhafte Weg“ von Angela Schanelec, der von Filmgalerie 451 unter Senderbeteiligung von WDR und Arte produziert wurde, spielen Miriam Jakob, Thorbjörn Björnsson, Maren Eggert, Philip Hayes und Anaïa Zapp. Große Teile des Films wurden in Menden und Schwerte gedreht. 150.000 Euro kamen von der Film- und Medienstiftung NRW, weitere Förderer waren die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, BKM, FFA und DFFF.

„Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte…“ (Wettbewerb außer Konkurrenz)
In ihrem neuen Dokumentarfilm „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte…“ erkundet die Filmemacherin Corinna Belz („Gerhard Richter Painting“) das Rätsel Peter Handke.
Seine Buchtitel klingen wie die Titel einer Jukebox und wurden zu den Losungen mehrerer Generationen von Lesern: „Publikumsbeschimpfung“, „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, „Wunschloses Unglück“, „Der kurze Brief zum langen Abschied“, „Das Gewicht der Welt“, „Immer noch Sturm“. In den Sechzigern zeigte Peter Handke als einer der ersten wie das geht: der Schriftsteller als Angry Young Man und Popstar des Literaturbetriebs. Doch kaum war er auf den Bestsellerlisten, kehrte er dem Rummel den Rücken. Er ging auf Reisen und nahm seine Leser mit in den Rhythmus seiner Sprache, in seine langen schwingenden Sätze. Handkes genauer, oft filmischer Blick wird in seinen Texten und einer bisher unveröffentlichten Sammlung von Polaroids spürbar. Der Schriftsteller stellt uns eindringlich und unerwartet liebevoll die großen Fragen: Was ist jetzt? Wie wollen wir leben?
„Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte…“ ist eine Produktion der zero one film. Die Film- und Medienstiftung NRW unterstützte das Projekt mit 150.000 Euro, weitere Partner waren BKM, DFFF und Media und der SWR. Piffl Medien wird den Film ins Kino bringen, den Weltvertrieb hat die Kölner The Match Factory.

„Paula“ (Piazza Grande)
Sie hat den deutschen Expressionismus geprägt wie kaum eine andere – Paula Modersohn-Becker. Mit „Paula“ verfilmte Christian Schwochow die faszinierende Geschichte dieser hochbegabten Künstlerin und radikal modernen Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Paula Modersohn-Becker lebte gegen alle Widerstände und mit unbändiger Kraft ihre Vision von künstlerischer Selbstverwirklichung und ihre romantische Vorstellung von Ehe und Liebe. In den Hauptrollen spielen Carla Juri, Albrecht Schuch, Roxane Duran und Stanley Weber. Der Film wurde von der Kölner Pandora Filmproduktion produziert, Koproduzent sind Alcatraz Films (F) und Kinderfilm. Als Sender ist WDR mit ARD Degeto, Radio Bremen und Arte beteiligt. Die Film- und Medienstiftung NRW unterstützte den Film, der überwiegend in NRW gedreht wurde, mit insgesamt 1,3 Mio. Euro. Weitere Unterstützung kam von MDM, Nordmedia, FFA und DFFF. Der Kölner Pandora Film Verleih startet am 15. Dezember 2016 den Film in den deutschen Kinos, der Weltvertrieb liegt bei der Kölner The Match Factory.

„Cahier Africain“ (Semaine de la critique)
Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms „Cahier Africain“ von Heidi Specogna steht ein schmales Heft, ein gewöhnliches Schulheft mit flotten Rennautos auf dem Deckblatt. Aber anstelle von Vokabeln füllten sich seine karierten Seiten mit den mutigen Zeugenaussagen von 300 zentralafrikanischen Frauen, Mädchen und Männern. Sie offenbaren, was ihnen im Oktober 2002 im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen von kongolesischen Söldnern angetan wurde. Das Heft ist ihr selbst gefertigtes Beweisstück, um die an ihnen verübten Vergewaltigungen zur Anklage zu bringen. Über sieben Jahre wurden die davon betroffenen Lebensgeschichten mit der Kamera verfolgt.
„Cahier Africain“ ist eine Produktion der PS Film (CH) in Koproduktion mit der Kölner Filmpunkt unter Senderbeteiligung von ZDF und 3sat. Die Film- und Medienstiftung NRW förderte das Projekt mit 75.000 Euro, weitere Förderer waren u.a. FFA, BAK (CH), Zürcher Filmstiftung und Amnesty International. In Deutschland startet der Film im November (Verleih: Déjà-vu Film); der Weltvertrieb liegt bei der Kölner Rushlake Media.

Verfluchte Liebe Deutscher Film“ (Histoire(s) du cinéma)
Mit dem abendfüllenden Dokumentarfilm „Verfluchte Liebe Deutscher Film“ begeben sich die Regisseure Dominik Graf und Johannes F. Sievert auf eine Reise zu den Nachtschattengewächsen der deutschen Film­geschichte. Eine Dokumentation über einige der fruchtbarsten und gleichzeitig unbekanntesten Filme unseres Landes und die Geschichte einer Liebe: der Liebe zum deutschen Film. Der Dokumentarfilm der Augustin Film KG unter Beteiligung von WDR und Arte entstand zur Hälfte in Nordrhein-Westfalen. Die Film- und Medienstiftung NRW förderte das Projekt mit 100.000 Euro.

TV-Zweiteiler „Gotthard“ (Vorabscreening 2. August auf der Piazza Grande)
Urs Egger
inszenierte „Gotthard“ nach dem Drehbuch von Stefan Dähnert, das sowohl die brutalen Arbeitsverhältnisse, als auch die gemeinschaftliche Leidenschaft, mit der die Menschen der Gewalt des Berges trotzten, um den Tunnel zu vollenden, zum Thema hat. Im Mittelpunkt stehen drei junge Menschen: eine Schweizer Fuhrmannstochter (Miriam Stein), ein deutscher Ingenieur (Maxim Mehmet) und ein italienischer Minenarbeiter (Pasquale Aleardi). Sie lieben und sie zerstreiten sich, beziehen bei den harten Konflikten gegensätzliche Positionen und finden doch immer wieder zusammen. Aus ihrer Perspektive wird das komplexe, ebenso emotionale wie spannende Geschehen erzählt, das sich an die historischen Fakten rund um den Tunnelbau hält. In weiteren Hauptrollen spielen u.a. Carlos Leal, Max Simonischek, Joachim Król und Cornelius Obonya.
„Gotthard“ ist eine Produktion der MMC Zodiac und Zodiac Pictures als Gemeinschaftsprojekt von SRF, ZDF und ORF. Die Film- und Medienstiftung NRW förderte mit 600.000 Euro, weitere Förderer waren MFG Baden-Württemberg , Teleproduktions-Fond, Zürcher Filmstiftung, die Filmförderung der Zentralschweizer Kantone sowie das Schweizer Bundesamt für Kultur. Der Event-Zweiteiler soll Ende 2016 im deutschen, schweizerischen und österreichischen TV ausgestrahlt werden.

Das Festival del film Locarno gehört zu den fünfzehn A-Festivals der Welt und ist das bedeutendste Schweizer Filmfestival. Es findet in diesem Jahr vom 3. bis 13. August statt. Geförderte Filme der Film- und Medienstiftung NRW haben hier bereits zahlreiche Preise gewonnen, darunter den Publikumspreis für „Das Wunder von Bern“ sowie für „Die syrische Braut“. Burghart Klaußner hatte 2006 für „Der Mann von der Botschaft“ einen Goldenen Leopard gewonnen, und der Silberne Leopard ging 2008 an die Regisseurin Malgoska Szumowska („33 Szenen aus dem Leben“). Im vergangenen Jahr feierte Lars Kraumes Nachkriegsdrama „Der Staat gegen Fritz Bauer“ seine Weltpremiere auf der Piazza Grande und wurde mit dem Publikumspreis des Festivals ausgezeichnet. Die Produktion von zero one film trat danach ihren Siegeszug durch diverse Festivals und in den Kinos an, gewann zahlreiche Preise und Auszeichnungen und war mit sechs Lolas Gewinner des Abends bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Filmpreises im Mai.