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69. Hörspielpreis der Kriegsblinden – Preis für Radiokunst für „AUDIO.SPACE.MACHINE“ von wittmann/zeitblom

  • Preisverleihung erstmals als Podcast – ab sofort abrufbar
  • Ebenfalls nominiert: „Das Ende von Iflingen“, „Die Entgiftung des Mannes“
  • Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband übernimmt die Mitträgerschaft des Bundes der Kriegsblinden

 AUDIO.SPACE.MACHINE“ von wittmann/zeitblom , eine Produktion des Deutschlandfunk in Koproduktion mit NDR und SWR, gewinnt den Hörspielpreis der Kriegsblinden – Preis für Radiokunst. Das gab eine 15-köpfige Jury unter Vorsitz der Kulturwissenschaftlerin Gaby Hartel soeben bekannt. Die renommierte Auszeichnung, getragen von der Film- und Medienstiftung NRW und ab diesem Jahr vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), wurde coronabedingt erstmals als Podcast veranstaltet und ist ab sofort hier abrufbar.

 

Portrait der Autoren Christian Wittmann und Georg Zeitblom

 

Die Jurybegründung

„In besonders geglückten Momenten überschreitet das Hörspiel die Grenzen von Körper, Raum und Zeit. Dann zieht es sein Publikum mithilfe von Musik, Geräuschen, von zwingenden Rhythmen und den Timbres der Schauspieler*innen-Stimmen tief in einen unendlichen Erfahrungsraum. […] Lange bevor die Coronakrise solche Ermüdungserscheinungen durch Rezeptionspsychologen erläutern ließ, haben wittmann/zeitblom mit ihrer künstlerischen Forschung zur Bauhaus-Bewegung einen lebendigen Radionerv getroffen. Basierend auf gründlichen Recherchen erzählen sie frei von verklärender Nostalgie den komplexen kulturellen Gründungsmythos der Moderne mit den tiefenwirksamen Mitteln des Hörspiels. […] Mit Humor und ohne in einer allwissenden Belehrungsperspektive zu erstarren, machen die Künstler konsequent erlebbar, wie viel der hochfliegenden Bauhauskonzeption im Heute zu finden ist. Audio. Space. Machine.“ ist also kein historisches Stück. Es ist brandaktuell: Indem sie den vergangenen Stoff in unsere Zeit fortschreiben, geben Wittmann / Zeitblom uns ein Werkzeug an die Hand, mit dem wir, im Rückblick auf Geschehenes, unsere Zukunftsmöglichkeiten durchdenken können.“

Zum Inhalt von „AUDIO.SPACE.MACHINE“

100 Jahre Bauhaus. Der ehemalige Direktor Walter Gropius braucht eine Festrede. Er trifft Moholy-Nagy, Mies van der Rohe und andere Weimarer Kollegen auf der Suche nach Inspiration. Doch die Realisierung der Moderne hat nicht nur die Bauhaus-Ideen verändert. Selbst seine Künstlerfreunde scheinen nicht mehr aus Fleisch und Blut, sondern in der Maschinerie aufgegangen zu sein. In 18 Tracks beleuchten die Autoren 100 Jahre Maschine-Mensch-Beziehung, das idealistisch-utopische Denken der Bewegung, ihre Mythen und Manien. Dafür schaffen sie ein mechanistisch-digitales Klanguniversum, assoziative Sound-Labore und kombinieren Texte von Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und weiteren Bauhaus-Künstlern der 20er Jahre mit Zitaten u.a. von John Cage, Bazon Brock und dem KI-Experten Martin Rees.

 

Die weiteren Nominierten

Im ebenfalls nominierten Hörspiel „Das Ende von Iflingen“ (SWR) beschreibt Wolfram Lotz finster, komisch und leise melancholisch den Tag des Jüngsten Gerichts im frommen Örtchen Iflingen. In der Komödie „Die Entgiftung des Mannes“ von Holger Böhme (MDR) traut Isa, Chefin einer kleinen Werbefirma ihren Ohren nicht. Steffi, eine Freundin aus Zeiten der Dresdner Montags-Demonstrationen, möchte Pegida-Transparente für ihren Mann drucken. Das will Isa auf keinen Fall hinnehmen. Weitere Informationen zu den Autorinnen und Autoren, die vollständigen Jurybegründungen und Streams zu den nominierten Hörspielen finden Sie unter https://www.filmstiftung.de/events/69-hoerspielpreis-der-kriegsblinden/.

 Die von Ute Soldierer moderierte Preisverleihung ist als Podcast ab sofort hier abrufbar.

 

Historie und Trägerschaft des Preises

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden wurde 1950 gegründet und wird seit 1952 jährlich an ein für einen deutschsprachigen Sender konzipiertes Original-Hörspiel verliehen, das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert. Von 1952 bis 2019 war der Bund der Kriegsblinden Deutschlands (BKD) Träger des Preises. 1994 kam die Film- und Medienstiftung NRW als weiterer Träger hinzu.

In diesem Jahr übernimmt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die Mitträgerschaft vom BKD und würdigt dessen Leistung, den Hörspielpreis der Kriegsblinden zur wichtigsten Auszeichnung für Hörspiele im deutschsprachigen Raum entwickelt zu haben. Die 70. Verleihung im kommenden Jahr wird zugleich den Einstieg des DBSV in eine aktive Trägerschaft markieren.

 

Die Jury des 69. Hörspielpreises der Kriegsblinden

Blinde Juroren: Paul Baumgartner, Joachim Günzel, Hans-Dieter Hain, Dietrich Plückhahn, Siegfried Saerberg, Dörte Severin, Thade Rosenfeldt

Kulturschaffende: Gaby Hartel (Kulturwissenschaftlerin, Vorsitzende der Jury), Thomas Irmer (Freier Journalist, u.a. Theater der Zeit), Eva-Maria Lenz (Freie Journalistin, FAZ, epd), Doris Plöschberger (Suhrkamp Verlag), Diemut Roether (epd medien), Hans-Ulrich Wagner (Universität Hamburg, Hans Bredow-Institut), Isabel Zürcher (Kritikerin, Lektorin und Publizistin), Jenni Zylka (Journalistin, Autorin und Moderatorin)