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Film und Medien Stiftung NRWNewsNews„Film trifft Literatur“: Diskussion mit Oskar Roehler und Produzent Stefan Arndt

„Film trifft Literatur“: Diskussion mit Oskar Roehler und Produzent Stefan Arndt

Ein dickes Buch, ein langer Film – das Buch „Herkunft“ und der darauf basierende autobiografische Film „Quellen des Lebens“ standen im Fokus eines weiteren Publikumsgespräches im Residenz – Eine Astor-Lounge im Rahmen der Reihe „Film trifft Literatur“. Bereits seit drei Jahren kooperiert die Film- und Medienstiftung NRW mit der lit.Cologne. Mit einem Lunchpaket wurden die 150 Zuschauer auf den dreistündigen Film eingestimmt. Anschließend standen Autor und Regisseur Oskar Roehler („Lulu und Jimi“, „Jud Süß“) und Produzent Stefan Arndt (X Filme Creative Pool) dem Moderatoren Matthias Kremin vom WDR sowie dem Publikum Rede und Antwort.

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Stefan Arndt und Oskar Roehler, die Macher von „Quellen des Lebens“

 Als einen „Bastard“ bezeichnete Roehler sein autobiografisches Buch, das auch versucht, 40 Jahre westdeutsche Nachkriegsgeschichte zu erzählen. Es sei eine Mischung aus Drehbuch und Roman gewesen. Das erste Drehbuch hatte 350 Seiten, und der mittlerweile verstorbene Produzent Bernd Eichinger habe die Idee gehabt, daraus einen TV-Mehrteiler wie „Heimat“ zu machen. Als das Projekt in Vergessenheit geriet, habe sich Roehler zwei Jahre zurückgezogen und den Roman daraus geschrieben. Produzent Stefan Arndt, mit dem Roehler bereits vier Filme realisiert hat, konnte in dieser Zeit die Finanzierung des Films sichern, so dass bald gedreht werden konnte. Doch nun musste auch das Drehbuch wieder umgeschrieben werden, denn bestimmte Details aus dem Roman sollten auch wieder ins Drehbuch einfließen, was die Durchlässigkeit der beiden Medien beweist.

 Angesprochen auf das Verhältnis von Zeitgeschichte und Biografie, Realität und Fiktion, erklärte der Regisseur, dass in diesem Fall die Figuren eben vorgegeben waren, denn dies seien Menschen wie seine Großeltern, Eltern, Geschwister, mit denen er unmittelbare Erfahrungen verbinde, Menschen, die im Gedächtnis aufbewahrt sind. Roehler: „Es geht also um eine eigene Wahrheit; nachzuhalten, was wirklich war und was nicht, ist eine buchhalterische Aufgabe, nicht meine.“ Er habe sich als Regisseur auch die Freiheit genommen, Dinge zu fiktionalisieren.

 Ein kleines Beispiel für eine Metamorphose seien die Namen der Figuren, erklärte Barbara Buhl, die als Redakteurin des WDR das Projekt von Anfang an betreut hat. Roehler sei es wichtig gewesen, allen realen Figuren fiktive Namen zu geben. Später habe sich Roehler jedoch entschlossen, zumindest die realen Vornamen zu nehmen und dazu erfundene Nachnamen, um klar zu machen: „Das sind reale Figuren, die auch zum Teil bekannt sind, und trotzdem handelt es sich um eine Fiktionalisierung“, erklärte Buhl. Roehlers Eltern (Gisela Elsner und Klaus Roehler) standen als Autoren in den 50er/60er Jahren in der Öffentlichkeit. Das habe ihn zu einem gewissen Wahrheitsanteil verpflichtet, sagte Roehler. Trotzdem beinhalte der Blick des Regisseurs einen fiktiven Anteil.

 Eine kontroverse Diskussion entspann sich über die Frage nach Literaturverfilmungen von Bestsellern wie „Die Vermessung der Welt“ über „Schoßgebete“ bis zu „Cloud Atlas“. Während Stefan Arndt eine generelle Krise des narrativen Erzählens sieht, macht Roehler hinter dem Trend zur Bestsellerverfilmung ein eher kommerzielles Interesse aus. Buhl widersprach ihm, denn es sei immer in der Literatur etwas enthalten, das nicht eins zu eins verfilmt werden kann, das aber eine sehr gute Grundlage eines originären Werks darstellt. „Ich bin große Liebhaberin von Literaturverfilmungen.“ Buhl bezog sich auf die von Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung, genannte Zahl, dass mittlerweile 20 bis 30 Prozent der Filme auf Literatur basierten. Buhl: „Das hat etwas damit zu tun, dass man auf der Suche nach substantiellen Stoffen ist.“ Auf der Basis von vorhandenen Figuren könne man etwas Neues entwickeln – und auch damit Erfolg haben. Roehler sagte, er habe sich an großen amerikanischen Familiensagen wie „Garp“ oder „Forrest Gump“ orientiert und die seien schließlich auch alles Romanverfilmungen. Roehler: „Die besten Film dieses Genres sind tatsächlich Romanverfilmungen. Trotzdem habe ich als Künstler ein ambivalentes Gefühl dazu.“

 Gefragt nach der Musik im Film erklärte Roehler, dass sie ihm sehr wichtig gewesen sei, weil er mit Liedern wie etwa „Morning has broken“ von Cat Stevens aufgewachsen sei. „Bestimmte Dinge fallen einem nur ein, wenn man den Song hört“, sagte der Regisseur. In seinem nächsten Projekt soll die Musik eine größere Rolle spielen, denn widmet sich Roehler den 80er Jahren und dem Punk.

 „Quellen des Lebens“ ist eine Produktion von X Filme Creative Pool in Koproduktion mit dem WDR, BR, NDR, ARD Degeto und Süss Film in Zusammenarbeit mit Moovie – The Art of Entertainment. Der Film, der seit 14. Februar in den Kinos läuft, wurde von der Film- und Medienstiftung NRW, der MDM, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, der FFA und dem DFFF gefördert.

Der Mitschnitt des Filmgesprächs:

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