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Film und Medien Stiftung NRWNewsPressemitteilungen"Be different!" Gelungener Auftakt der zweiten „Drama Series Days“ bei der Berlinale

"Be different!" Gelungener Auftakt der zweiten „Drama Series Days“ bei der Berlinale

  • Market Screenings, Pitchings und Podien: Internationale Experten diskutieren im Spiegelzelt beim Martin-Gropius-Bau
  • Hochkarätig besetzte Runden fordern mehr Risiko für europäische Serien
  • Partner: Film- und Medienstiftung NRW wieder Partner der neuen Industry Platform für Serien beim European Film Market
  • Förderempfehlungen für den deutsch-französischen Förderfonds bekannt gegeben

Gelungener Auftakt für die zweite Ausgabe der „Drama Series Days“ beim „European Film Market“ (EFM) im Rahmen der 66. Berlinale: Nach der offiziellen Eröffnung durch EFM-Direktor Matthijs Wouter Knól, Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und Filmstiftungs-Geschäftsführerin Petra Müller ging es am gestrigen Montag im Spiegelzelt am Martin-Gropius-Bau um „Commissioning Strategies“. Mit Moderator Jonathan Webdale (C21) diskutierten Marcus Ammon (Sky Deutschland), Andrea Scrosati (Sky Italia) und Antony Root (HBO Europe), präsentiert von HBO Europe. Die Film- und Medienstiftung NRW ist auch in diesem Jahr Partner der „Drama Series Days“, die dem Thema TV-Serien eine eigene, fachspezifische Industry Plattform bietet.

 

Deutsch-französischer Co-Development Fonds

In ihrer Begrüßung gab Petra Müller zudem die ersten Förderempfehlungen des neuen deutsch-französischen Förderfonds für die gemeinsame Entwicklung fiktionaler Fernsehserien bekannt: „The House“ (Lupa Film und Port au Prince mit Atlantique Film (F) sowie „Die purpurnen Flüsse“ (maze Pictures mit Europa Corp Television (F)). Partner des neuen deutsch-französischen Förderfonds, dessen erste Förderempfehlungen im Rahmen der „Drama Series Days“ bekannt gegeben wurden, sind auf deutscher Seite der FilmFernsehFonds Bayern, die Film- und Medienstiftung NRW, das Medienboard Berlin-Brandenburg und die MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Auf französischer Seite unterstützt das Centre national du cinéma (CNC) den Fonds, der mit einer Gesamtsumme von 200.000 Euro ausgestattet ist. Die maximale Förderhöhe liegt bei 50.000 Euro pro Projekt. Ziel des Fonds ist die Entwicklung fiktionaler TV-Serien, die in deutsch-französischer Koproduktion entstehen.

 

Industry debate: The more local, the more global

Die nachmittägliche Industry Debate zum Thema „Cross-Atlantic Series Success: (Re) Making TV for Europe and the World“ wurde wie im Vorjahr vom EFM gemeinsam mit der Film- und Medienstiftung NRW und der IFA in Kooperation mit The Hollywood Reporter ausgerichtet. Dabei diskutierte Moderator Scott Roxborough (The Hollywood Reporter) mit einer hochkarätig besetzten Runde über den anhaltenden Boom fiktionaler TV-Serien und die Exportchancen für europäische Produktionen.

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V.l.n.r. Philipp Steffens (RTL), Piv Bernth (Danish Broadcasting), Caroline Benjo (Haut er Court), Bruce Tuchman (AMC/Sundance), Scott Roxborough (The Hollywood Reporter), Petra Müller (Film- und Medienstiftung NRW)

Philipp Steffens, Bereichsleiter Fiction beim Kölner Privatsender RTL, konnte frisch von seinen Erfahrungen mit der aufwendig produzierten Ost-West-Spionage-Serie „Deutschland 83“ berichten. Das für den Sender eher untypische Programm hatte hierzulande nur mäßige Zuschauerzahlen erzielt, war aber Anfang des Jahres unter anderem erfolgreich in den USA und in Großbritannien ausgestrahlt worden. „Wir haben diese Serie gemacht, um das Image unseres Senders zu verbessern“, erklärte Steffens. Dies sei durchaus gelungen. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht seien die Perspektiven gut. „Wir können jetzt sogar über eine zweite Staffel nachdenken, weil wir durch die internationale Auswertung eine viel breitere Basis für die Finanzierung haben“, berichtete Steffens. Dennoch werde man sich auch in Zukunft sehr gut überlegen, wie weit man ins Risiko gehen könne. „Unser Ziel ist es nach wie vor, ein Massenpublikum anzusprechen“, sagte der RTL Fiction-Chef, „wir werden uns sicherlich nicht auf Nischenprogramme spezialisieren.“

Caroline Benjo von der französischen Produktions- und Verleihfirma Haut et Court, die unter anderem für die international erfolgreiche Zombie-Serie „The Returned“ verantwortlich zeichnet, forderte demgegenüber mehr Risikobereitschaft bei den Serienmachern. „Der internationale Erfolg hat nichts mit der Höhe des Budgets zu tun“, gab sie zu bedenken. Die europäische Drama-Serie müsse sich unterscheiden, eigenständige Akzente setzen wie der europäische Kinofilm, der regelmäßig Erfolge auf Festivals in aller Welt feiere. Wichtig, so Benjo, sei, dass der jeweils eigene kulturelle Hintergrund erhalten bleibe. Eine der erfolgreichsten europäischen Serien-Verantwortlichen der vergangenen zehn Jahre bestätigte diese Ansicht auf dem Podium: Piv Bernth, Head of Drama beim öffentlich-rechtlichen dänischen Fernsehen Danish Broadcasting (u. a. „Die Brücke“, „Kommissarin Lund“, „Borgen“), sieht die Betonung der eigenen kulturellen Identität als wesentliche Grundlage der positiven Resonanz auf viele Serien-Produktionen aus Nordeuropa. „Wir erzählen Geschichten, die nur wir erzählen können“, erklärte Bernth, deren Motto lautet: „The more local, the more global“.

Das Potenzial fremdsprachiger Serien aus Europa in den USA sieht Bruce Tuchman längst noch nicht ausgeschöpft. „Der Standard der Drama-Serien im Fernsehen hat sich gegenüber dem vor 15 oder 20 Jahren deutlich verbessert“, sagte der President von AMC Global, der mit Sundance TV unter anderem „Deutschland 83“ und „The Returned“ in den Vereinigten Staaten ausgestrahlt hat. „Das Publikum hat sich dieser Entwicklung angepasst und will immer mehr hoch qualitative Serien sehen, woher auch immer sie kommen.“ Dabei sei das US-Publikum inzwischen auch bereit, fremdsprachige Produktionen mit Untertiteln zu akzeptieren – eine Form der Präsentation, die Piv Bernth ohnehin für die bestmögliche hält.

 

Am heutigen Dienstag folgten unter dem Dach der „Drama Series Days“ weitere Veranstaltungen in den Bereichen Berlinale Co-Production Market und Berlinale Talents. Dabei ging es um Fallstudien zur Serie „Cleverman“ (USA/AUS), das Series-Pitching des Co-Production Markt sowie die Kinosprache im Bereich Serien im Allgemeinen sowie konkret am Beispiel von „Game of Thrones“.

Die „Drama Series Days“ mit der Film- und Medienstiftung NRW als Partner sind eine gemeinsame Initiative der Industry-Plattformen European Film Market, Berlinale Co-Production Market und Berlinale Talents. Der European Film Market ist eine der bedeutendsten Plattformen für den internationalen Handel mit Filmrechten und audiovisuellem Inhalt.