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Film und Medien Stiftung NRWNewsPressemitteilungenFast 600 Drehtage in NRW für geförderte Projekte

Fast 600 Drehtage in NRW für geförderte Projekte

Filmstiftung NRW 2002 im In- und Ausland erfolgreich – 64 Kino- und TV Produktionen mit Gesamtbudget von fast 200 Mio. Euro gefördert

Die Filmstiftung NRW hat im Jahr 2002 insgesamt 64 Kino- und Fernseh-Produkti­onen mit über 29 Mio. Euro gefördert und damit ein Gesamtbudget von 187,5 Mio. Euro nach NRW gezogen.

2002 erzielte die Filmstiftung NRW ihre zwei größten Erfolge in den USA:

Sandra Nettelbecks romantische Komödie „Bella Martha“ setzte sich unter dem Titel „Mostly Martha“ auf Platz vier der deutschen Filmstarts in den USA mit einem Einspielergebnis von bislang über vier Mio. US Dollar. Für seine Rolle als Koch Mario gewann Sergio Castellitto am vergangenen Wochenende den Europäischen Film­preis als bester Darsteller. Titelheldin Martina Gedeck wurde im Sommer bereits mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Heinrich Breloers geförderter TV-Dreiteiler „Die Manns – ein Jahrhundert­roman“ gewann nach neun Grimme Preisen und dem Deutschen Fernsehpreis in New York vor einer Woche einen Emmy.

Nachdem sich NRW als Film- und TV-Standort in Deutschland an die Spitze gesetzt hat, ging der Blick im elften Jahr der Filmstiftung immer häufiger über die Grenzen hinaus, ohne den heimischen Markt dabei aus dem Auge zu verlieren.

2002 lag der Anteil der internationalen Koproduktionen an den geförderten Kinoproduktionen bei rund einem Drittel. Anders als in der Vergangenheit waren hier deutsche Koproduktionen nicht nur als „stille Teilhaber“ an Bord, sondern feder­führend beteiligt, wie z.B. X-Filme bei Tom Tykwers „Heaven“, der in diesem Jahr die Berlinale eröffnete oder MTM West mit „Olgas Sommer“ von Nina Grosse, mit Sebastian Blomberg, Katja Flint und Sunnyi Melles in den Hauptrollen. Bei Elia Suleimans Film „Divine Intervention“, in Cannes mit dem Preis der Jury geehrt und beim Europäischen Filmpreis als bester außereuropäischer Film ausge­zeichnet, konnte die Kölner LICHTBLICK ihre internationale Koproduktionserfahrung ausbauen. Nicht erst nach dem Riesenerfolg von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (im September „Goldene Leinwand“ für 3 Mio. Besucher) hat sich im Aus­land herumgesprochen, dass man in NRW die perfekte Infrastruktur und hervor­ragendes Personal für große Kinoproduktionen findet.

Bei den Koproduktionen hat sich in diesem Jahr das Koproduktionsabkommen mit den Niederlanden bewährt. Drei Produktionen, u.a. „Pietje Bell“ und „Die Austern von Nam Kee“ sind bereits fertig gestellt. Für die Verfilmung von Leon de Winters Roman „SuperTex“ wird Mitte Dezember die letzte Klappe in Düsseldorf und Mön­chengladbach fallen. Mit Israel und Polen wurden die Beziehungen ausgeweitet.

Gute Besucherzahlen für „Solino“, „Bella Martha“ oder „Was nicht passt…“

Auch in Deutschland erzielte die Filmstiftung NRW mit ihren Filmen gute Ergebnisse an der Kinokasse. „Feuer, Eis und Dosenbier“ sahen 750.000 Besucher, „Was nicht passt, wird passend gemacht“ kam auf 670.000, „Bella Marta“ kam auf 459.000 und „Heaven“ auf 444.000. „Solino„, Fatih Akins Film über die erste Pizzeria im Ruhrgebiet, mit Moritz Bleibtreu in einer Hauptrolle, liegt derzeit bei 360.000 Kinobesuchern. 2002 kauften sich alleine in Deutschland fast 4,5 Mio. Besucher eine Kinokarte für geförderte Produktionen der Filmstiftung.

Bemerkenswert an den Kinozahlen ist das hohe Ergebnis von „Nomaden der Lüfte„: Die geförderte deutsch-französische Dokumentation über die Reisen der Zugvögel sahen in Deutschland über 800.000 Besucher; sie ist damit der erfolg­reichste Film der Filmstiftung in diesem Jahr. Ein ermutigendes Zeichen, dass Doku­mentarfilme eben doch auch im Kino funktionieren. Um diese Entwicklung zu stär­ken, hat die Filmstiftung 2002 nicht nur 13 Dokus gefördert, sondern erstmals auch das neue Gerd-Ruge-Stipendium aufgelegt, mit dem in diesem Jahr Tamara Traube sowie Uli Gaulke und Jeanette Eggert unterstützt werden, einen abendfüllenden Dokumentarfilm für das Kino zu drehen.

Im Fernsehen konnte die Filmstiftung mit Produktionen wie „Die Mutter“ mit Martina Gedeck und „Schimanski – Asyl“ punkten. Ein Höhepunkt im Vorweih­nachtsprogramm wird morgen zu sehen sein, wenn die ARD Marc Andreas Borcherts in Köln gedrehten Film „Weihnachten“ zeigt.

Förderung für 29 Mio. Euro – Franka Potente und Donald Sutherland in NRW

Insgesamt förderte die Filmstiftung NRW in diesem Jahr 64 Kino- und Fernseh-Pro­duktionen mit über 29 Mio. Euro (Gesamtbudget dieser Produktionen: 187,5 Mio. Euro). Viele dieser Filme sind bereits fertig gestellt und abgedreht, bzw. mitten in der Postproduktion oder Vorbereitung. Dabei gewinnt der Drehort auch dank einer er­folgreichen Location-Initiative (www.locationnrw.de) immer mehr an Bedeutung. An 584 Tagen hieß es 2002 in NRW „Action bitte“ für geförderte Filme der Film­stiftung, wie z.B. „Piazza Delle Cinque Lune“ mit Donald Sutherland und F. Murray Abraham („Oscar“ für „Amadeus“), Leander Haußmanns Romanverfil­mung „Herr Lehmann“, Franka Potente als ihr eigener Klon in „Blueprint“ von Rolf Schübel, Max Färberböcks Film über den 11. September „September„, „Liegen lernen“ von Hendrik Handloetgen, „Der zehnte Sommer“ von Jörg Grünler und Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“ – eine der großen deutschen Produktionen der letzten Jahre, die von der Kölner Little Shark Enter­tainment fast komplett in NRW gedreht wurde.

Damit u.a. auch diese Filme 2003 ins Kino kommen, und natürlich um eine breite Kinolandschaft in NRW zu gewährleisten, hat die Filmstiftung NRW auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Filmtheater in NRW gefördert. Ende November vergab sie Jahresfilmprogramm-Prämien in Höhe von 341.000 Euro. Mit Hilfen für die Modernisierung von Kinos in Höhe von 177.000 Euro unterstützte sie bis November 2002 sieben Filmtheater. Darunter auch die Lichtburg-Kinos in Oberhausen und in Essen. Nachdem Oberhausen dieses Jahr bereits wiedereröffnet hat, soll sich in Deutschlands größtem Premierenkino in Essen im März 2003 wieder der rote Vorhang öffnen. Derweil ist die Zukunft der Düsseldorfer Lichtburg auf der Kö noch immer ungeklärt, doch setzt sich die Filmstiftung stark dafür ein, dass das Haus als Kino erhalten bleibt.

RTL neuer Gesellschafter – Filmbüro NW ab 2003 Teil der Filmstiftung

Nicht nur auf dem Kinomarkt wurde die Luft 2002 rauer. Auch die Filmförderung in NRW bekam die massiven Sparzwänge der Landesregierung zu spüren. So wird die Filmstiftung NRW ab 2003 die Förderaufgaben des Filmbüros NW aus ihrem Budget übernehmen. Über die Vergabe der 1,5 Mio. Euro entscheidet dann ein Gremium, das von den Mitgliedern des Filmbüros NW gewählt wird. Insgesamt entspricht dies einer Kürzung der NRW-Filmförderung von 1,8 Mio. Euro.

Der Beitritt von RTL als neuer Gesellschafter der Filmstiftung NRW wurde von allen Seiten begrüßt. Der Kölner Privatsender wird jährlich rund 3 Mio. Euro in den Förder­topf einzahlen. Auf diesem Wege entstand z.B. schon die Fernsehkomödie „Crazy Race„, die u.a. in Essen gedreht wurde; „Lune de guerre„, eine internationale Koproduktion u.a. von typhoon networks / Fanes Film (produzierten schon „Das Experiment“) wird demnächst in NRW gedreht und erhielt von der Filmstiftung eine Vorbereitungsförderung.

Veranstaltungen und Festivals

Die Filmstiftung NRW präsentierte sich in 2003 auf zahlreichen internationalen (Cannes, Venedig, Locarno) und nationalen Festivals (Berlinale, Hof, Saarbrücken, Lünen). Sie organisierte im Sommer den Internationalen Filmkongress in Köln, präsentierte im Landtag die Ausstellung „Drehort NRW„, die anschließend nach Paris und nach Lünen zog und bald in Brüssel und Moskau zu sehen sein wird, war Partner der Int. Filmmusikbiennale, veranstaltete die Verleihung der Jahresfilm­programmprämie und des Schnitt Preises in Köln und engagierte sich bei der Schulfilmwoche „Lernort Kino“.

Ausblick 2003

Trotz der für die Film- und Fernsehbranche schwierigen Zeit verspricht das Jahr 2003 für Nordrhein-Westfalen schon jetzt einige Highlights: Die Chancen stehen gut, dass auf der Berlinale (6.-16.2.2003) Wolfgang Beckers geförderter Film „Good Bye, Lenin!“ mit Daniel Brühl in der Hauptrolle zu sehen sein wird. Als gutes Omen kann gelten, dass der Kölner Autor Bernd Lichtenberg und Becker für ihr Drehbuch zu „Good Bye, Lenin!“ bereits auf der diesjährigen Berlinale den Deutschen Dreh­buchpreis in Empfang nehmen durften.

Und auch 2003 werden in NRW wieder zahlreiche viel versprechende Filme gedreht: Vanessa Paradis steht in Köln für „The Return of James Battle“ – eine Komödie à la „Mars Attacks“ – vor der Kamera, Helge Schneider dreht in Mülheim seinen neuen Film „Jazzclub„, Dominik Graf inszeniert in Köln das TV-Drama „Kalter Frühling“ und der Isländer Fridrik Thor Fridriksson realisiert seinen neuen Film „Niceland“ zu großen Teilen in NRW.

So zieht Filmstiftungs-Geschäftsführer Michael Schmid-Ospach eine positive Jah­resbilanz und wagt einen zuversichtlichen Ausblick: „Es war ein sehr gutes Jahr für die Filmstiftung und das Filmland NRW. Es ist uns gelungen, Produzenten aus NRW zu starken europäischen Koproduktionspartnern zu machen. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Nur so können wir Nordrhein-Westfalen als Filmstandort weltweit noch weiter stärken und die Produzenten vor den Unwägbarkeiten nationaler Märkte schützen.“