Festivalerfolge kommen ins Kino: 130.500 Euro für acht Filmprojekte
In ihrer aktuellen Runde im Bereich vereinfachte Verleihförderung unterstützt die Film- und Medienstiftung NRW (FMS) acht Projekte mit insgesamt 130.500 Euro. Mehrere Filme waren bereits erfolgreich auf internationalen Festivals zu sehen: „Von Scham und Geld“ gewann nach seiner Weltpremiere beim Sundance Film Festival den CineMasters Award beim Filmfest München. Dort feierte auch die NRW-geförderte Koproduktion „The Mad Dog of Europe“ ihre Deutschlandpremiere. „We Are All Strangers“ lief im Wettbewerb der Berlinale, „Sad Girlz“ wurde dort mit dem Gläsernen Bären und dem Großen Preis der Internationalen Jury in der Sektion Generation 14plus ausgezeichnet. Zum 30-jährigen Firmenjubiläum von Rapid Eye Movies kehrt der Film NOBODY KNOWS von Hirokazu Koreeda zurück. Ein Film, mit dem eine der bedeutendsten Karrieren des zeitgenössischen Kinos für das deutsche Publikum sichtbar wurde.
Auch der Bezug zum Filmstandort ist stark: Sechs der acht Projekte werden von Verleihunternehmen beziehungsweise einer Filmproduktion aus Köln und Dortmund ausgewertet. „The Mad Dog of Europe“, „Von Scham und Geld“, „Aufbäumen – Zwischen Traum und Wirklichkeit“ und „Nur Mut – von Psychokrisen und Seelentänzern” wurden bereits in der Produktion von der FMS unterstützt.
Jurymitgliederin dieser Sitzung waren Gudrun Sommer, Festivalleiterin DOXS RUHR (Bochum), Christian Schmalz, Kinobetreiber Off Kinobetriebs GmbH (Köln) und Jürgen Lütz, Filmverleiher Film Kino Text (Bonn) und Vorstand Cineville Deutschland.
Verleihförderung
WE ARE ALL STRANGERS – 25.000 Euro
Regie: Anthony Chen
Verleih: Rapid Eye Movies, Köln
Kinostart: 17.12.2026
In der Wirtschaftsmetropole Singapur genießt der 21-jährige Junyang unbeschwert seine Jugend, während sein Vater darum kämpft, den bescheidenen Lebensstandard der Familie zu sichern. Ein einschneidendes Ereignis zwingt Junyang und seine Freundin, sich früher als erwartet den Herausforderungen des Erwachsenseins zu stellen. Gleichzeitig tritt eine temperamentvolle Frau in das Leben seines Vaters und verändert das Verhältnis zwischen Vater und Sohn. „We Are All Strangers“ feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale.
SAD GIRLZ – 25.000 Euro
Regie und Drehbuch: Fernanda Tovar
Verleih: mindjazz pictures, Köln
Kinostart: 21.01.2027
Paula und La Maestra sind 16 Jahre alt, beste Freundinnen und die stärksten Schwimmerinnen ihres Teams. Nach einer Partynacht mit ihrem langjährigen Schwarm verändert sich Paula spürbar. Während sie versucht, das Erlebte zu verdrängen, sucht La Maestra nach Antworten. Gemeinsam ringen sie um Worte für das, was geschehen ist. Doch ihre unterschiedlichen Wege, mit Schmerz, Wut und Unsicherheit umzugehen, stellen ihre Freundschaft auf eine harte Probe. Bei der Berlinale wurde Fernanda Tovars Langfilmdebüt mit dem Gläsernen Bären und dem Großen Preis der Internationalen Jury in der Sektion Generation 14plus ausgezeichnet.
DEREK VS. DEREK – 23.500 Euro
Regie und Drehbuch: James Dawson
Verleih: mindjazz pictures, Köln
Kinostart: 11.02.2027
Zwei englische Nachbarn heißen Derek, ihre Felder liegen unmittelbar nebeneinander. Doch ihre Vorstellungen von Landwirtschaft, Arbeit und Natur könnten kaum unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite steht intensive Milchwirtschaft, auf der anderen die Rückkehr der Wildnis. Zwischen Zaungesprächen, Heckenschneiden und wechselnden Jahreszeiten beobachtet der Dokumentarfilm einen Konflikt, der ebenso hitzig wie humorvoll und überraschend menschlich ist.
VON SCHAM UND GELD – 12.500 Euro
Regie und Drehbuch: Visar Morina
Verleih: eksystent Filmverleih, München
Kinostart: 24.09.2026
Eine Familie führt ein bescheidenes, aber glückliches Leben in einer ländlichen Region des Kosovo. Als ein Familienmitglied heimlich alle Kühe verkauft und sich mit dem Geld ins Ausland absetzt, verliert sie ihre Lebensgrundlage. Ihr bleibt nur der Umzug in die Großstadt und die Hoffnung auf einen Neuanfang. Visar Morinas Drama erzählt von Würde und Scham in einer Gesellschaft, in der der Wert eines Menschen zunehmend an seinem Besitz gemessen wird. Nach seiner Weltpremiere beim Sundance Film Festival, wo der Film mit dem Grand Jury Prize ausgezeichnet wurde, gewann „Von Scham und Geld“ den CineMasters Award beim Filmfest München. Die Filmstiftung unterstützte die Produktion mit 100.000 Euro.
NOBODY KNOWS – 12.500 Euro
Regie und Drehbuch: Hirokazu Koreeda
Verleih: Rapid Eye Movies, Köln
Wiederaufführung: 12.11.2026
Vier Kinder leben mit ihrer Mutter in einem kleinen Apartment in Tokio. Keines von ihnen hat denselben Vater, zur Schule gehen sie nicht und die Wohnung dürfen sie kaum verlassen. Eines Tages verschwindet die Mutter und hinterlässt lediglich etwas Geld sowie eine Notiz, in der sie den zwölfjährigen Akira bittet, auf seine Geschwister aufzupassen. Voller Mitgefühl erzählt Hirokazu Koreeda vom Überlebenskampf der Kinder und ihrem Versuch, sich in der Abgeschiedenheit eine eigene Welt zu bewahren.
THE MAD DOG OF EUROPE – 12.000 Euro
Regie und Drehbuch: Rubika Shah
Verleih: RFF – Real Fiction Filmverleih, Köln
Kinostart: 12.11.2026
Der Dokumentarfilm wirft einen zeitgenössischen Blick auf den berüchtigtsten Anti-Nazi-Film, der nie gedreht wurde. Das Drehbuch von „Citizen Kane“-Autor Herman J. Mankiewicz sagte den Aufstieg Hitlers voraus, doch die Hollywoodstudios weigerten sich, den Film zu realisieren. Die Hintergründe offenbaren eine Geschichte über Politik, Macht und die Verstrickungen der Filmindustrie. Die deutsch-französische Koproduktion der Kölner Heimatfilm wurde von der Filmstiftung bereits in der Produktion mit 49.000 Euro gefördert und feierte beim Filmfest München ihre Deutschlandpremiere.
AUFBÄUMEN – ZWISCHEN TRAUM UND WIRKLICHKEIT– 10.000 Euro
Regie: Katja Becker, Jonathan Happ
Verleih: Camino Filmverleih, Stuttgart
Kinostart: 13.08.2026
Paul und Janine wollen die Landwirtschaft revolutionieren. Auf einer alten Hofruine in der Pfalz bauen sie auf 100 Hektar verödetem Land einen Modellbetrieb für regenerative Agroforstwirtschaft auf. Doch die Verwirklichung ihrer Vision stellt ihre Überzeugungen und ihre Beziehung auf die Probe. Produziert wurde der Dokumentarfilm von der Kölner Thurn Film. Die Filmstiftung förderte die Produktion mit 74.000 Euro.
KINOTOUR „NUR MUT – VON PSYCHOKRISEN UND SEELENTÄNZEN“ – 10.000 Euro
Regie und Autor: Horst Herz
Verleih: Horst Herz Filmproduktion, Dortmund
Kinotour ab: 15.10.2026
Der Kinodokumentarfilm porträtiert sieben Menschen, die psychische Krisen erlebt und individuelle Wege zurück zu Lebensfreude, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe gefunden haben. Offen berichten sie von Ängsten, Depressionen, Traumata und weiteren seelischen Belastungen. Ihre persönlichen Geschichten zeichnen ein differenziertes und ermutigendes Bild psychischer Gesundheit, bauen Vorurteile ab und geben Betroffenen eine Stimme. Mit humanistischer Haltung richtet „Nur Mut“ den Blick auf Hoffnung, Resilienz und die Möglichkeit, psychische Krisen konstruktiv zu bewältigen. Der von der Filmstiftung bereits in der Produktion mit 60.000 Euro geförderte Film entstand in Dortmund und feierte dort im März 2026 seine Premiere.