Film und Medien Stiftung NRWNewsFördermeldungenFilm- und Medienstiftung NRW fördert 12 Hörspielprojekte

Film- und Medienstiftung NRW fördert 12 Hörspielprojekte

Die Film- und Medienstiftung NRW vergibt Arbeitsstipendien für 12 Hörspielprojekte in Höhe von insgesamt 52.000 Euro. Die entsprechenden Empfehlungen hatte der Beraterstab in seiner zweiten Sitzung des laufenden Jahres im Juni erarbeitet.

Die Projekte im Einzelnen:

„Being Nico“ von Andrea Halter, Arbeitsstipendium: 6.000 Euro
Mit „Being Nico“ wird ein Hybrid aus Hörspiel und Feature entstehen, montiert aus dem literarischen Nachlass der deutschen Sängerin Nico, die als Muse von Andy Warhol, Sängerin von Velvet Underground und todessehnsüchtige Chanteuse zu einer Ikone der Underground-Popkultur wurde. Ein unveröffentlichter Text, der zugleich Tagebuch, Brief, Gedankensammlung und Fragment einer unvollendet gebliebenen Autobiographie ist, sowie Begegnungen mit Weggefährten Nicos bilden die Grundlage für dieses Hörspiel.

„Black Noise – Die Doku-Audio-App“ von Georg Zeitblom / Wittmann & Liebert, Arbeitsstipendium: 6.000 Euro
Die Autoren planen ein dokumentarisches Audiogame für mobile Endgeräte. Basierend auf dem gleichnamigen filmstiftungsgeförderten Feature geht es um reale Methoden akustischer Manipulation und Kriegsführung. Der User muss sich in einer virtuell nachgestellten Umgebung orientieren und die Mittel der akustischen Täuschung und Kontrolle entdecken. Im Mittelpunkt steht u.a. das interaktive Austesten der manipulativen Möglichkeiten von Sound. Mit dem Stipendium wird die Konzeptionierung unterstützt.

„Creepy Hollow“ von Tom Noga, Arbeitsstipendium: 6.000 Euro
Das Dokudrama erzählt von den Menschen in MC Dowell County, einem Kohlerevier in West Virginia und eine der ärmsten Gegenden der USA. Eine Geschichte über Abgehängte, über Menschen ohne Chancen. Der Autor trifft diese Menschen sowie die Historikerin Nancy Isenberg, Autorin eines Bestsellers über die sogenannte White Trash-Bevölkerung. Ihrer Meinung nach fußt der amerikanische Kapitalismus auf dem systematischen Missbrauch der armen weißen Bevölkerung, die bewusst gegen die schwarze Unterschicht ausgespielt wird. Sehen wir in einer globalisierten Welt in solchen Gegenden unsere mögliche Zukunft?

„Dunkelkammer“ von Peter Kreysler, Arbeitsstipendium: 6.000 Euro
Entstehen soll ein investigatives Feature. Europas populistische Parteien umgehen mit Hilfe von anonymen Großspendern die Wahlkampfinanzierung. Festmachen lässt sich dies neben dem Aufstieg der AfD u.a. auch am Brexit-Referendum. Der Autor begibt sich auf Spurensuche in London, Berlin und in der Schweiz, um Licht in die Dunkelkammer der Demokratie zu bringen.

„Rojava – Freiwillig in den Krieg“ von Matthias Naumann, Arbeitsstipendium: 5.000 Euro
Das Hörspiel soll von den Erfahrungen mehrerer links eingestellter Freiwilliger erzählen, die aus politischen Gründen von 2014-2016 nach Rojava, der kurdischen Autonomieregion in Nordsyrien, gingen. Sie unterstützten als medizinische Helfer oder als Kämpfer die Bewohner Rojavas und deren politisches Projekt. Das Stück basiert auf Interviews mit den Freiwilligen, sowie mit der Mutter der gefallenen Ivana Hoffmann. Das Hörspiel möchte der Motivation und der Erfahrungen der Freiwilligen nachgehen und die Frage stellen, wie diese ggf. ihre Einstellungen verändert haben.

„Deutschlandpark“ von Till Müller-Klug, Arbeitsstipendium: 4.000 Euro
Eine Hörspiel-Satire. Das neue Heimatministerium errichtet in einer stillgelegten Braunkohlengrube den Deutschlandpark, ein Pilotprojekt zur Überwindung von gesellschaftlichen Spaltungen. Aus verschiedenen Ecken des Parks werden Reichsbürger und linke Hausprojekte angesiedelt. Es entwickelt sich ein akustischer Showdown zwischen Fiktion und Wirklichkeit, verklärter Historie und realpolitischer Gegenwart, Social Engineering-Planspielen und gelebtem Größenwahn.

„Immer dienstags“ von Eva Lia Reinegger, Arbeitsstipendium: 4.000 Euro
Die Autorin plant eine fiktionale Serie fürs Radio. Sie handelt von Teilnehmern einer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker, die sich jeden Dienstag im Gemeindezentrum treffen. In jeder der sechs Episoden spielt ein anderer Protagonist die Hauptrolle und nimmt den Hörer mit in seine Geschichte. Die Welten könnten unterschiedlicher nicht sein, denn Alkoholismus zieht sich durch alle Milieus.

„Der Zauberer von Ost“ von Henning Nass, Arbeitsstipendium: 3.000 Euro
Das Projekt ist einerseits als Biographie des berühmten deutschen Regisseurs Frank Castorf zu verstehen, andererseits ist die Biographie nur eine Matrix für eine Reflexion über das endgültige Ende des Ostens, das Ende einer bestimmten politischen Mentalität, eine Meditation über die Gentrifizierung Ost-Berlins sowie eine Abhandlung über unterschiedliche Lebens- und Kunst-Auffassungen. Das Stück folgt in groben Zügen der Erzählung des „Zauberers von Oz“ und möchte sich märchenhaft gegen die ideologischen Schaltzentralen politischer Korrektheit in Nord, Süd, Ost und West richten.

„Die Böse Mutter“ von Cristin König,Arbeitsstipendium: 3.000 Euro
Es geht in diesem Hörspiel um die nicht liebende, die schlechte Mutter. Die Autorin will kein Urteil fällen, sondern betrachtet die Verstrickung der Gefühle von Mutter und Kind. Wie bewegen sie sich in der Gesellschaft, und wie verhält sich die Gesellschaft dazu? Es soll eine Krimi-Geschichte entwickelt werden, die keine ist, bzw. die erst im Verlauf der Erzählung eine wird.

„Die Öffnung der Welt – Eine Gespenstergeschichte“ von Sabine Salzmann, Arbeitsstipendium: 3.000 Euro
Vor dem Hintergrund des Ende des Kommunismus in Europa erzählt das Hörspiel das Auseinandergehen einer Familie und die Suche nach dem neuen Sinn in einer Welt, in der alte Grenzen nicht mehr gelten. Die neue Öffnung der Welt macht die Realität nicht mehr greifbar – das Gespenstische wird zum Lebensgefühl. Wie erleben wir Europa, nachdem das Ende der Geschichte proklamiert wurde? Woran können und wollen wir uns seit dem Ende der großen Ideologien orientieren? Welche Gespenster suchen uns heim?

„Maschin“ von Jörg Diernberger, Arbeitsstipendium: 3.000 Euro
Eine humorvolle Radio-Soap in sechs Teilen. In der nahen Zukunft übernimmt „Maschin“, ein Super-System künstlicher Intelligenzen die Macht. Der Weltstaat soll gegründet werden und die Bürger beziehen politisch und individuell Position. Während Hans zum Ratsmitglied der „Maschin“ ernannt wird und dem zentralen Nervensystem der technologischen Macht ganz nah kommt, unterstützt seine Frau Daria den Widerstand und bezieht als Journalistin öffentlich Stellung. Christian Ulmen wird die Rolle des „Maschin“ sprechen.

„Silvester“ von Maja Das Gupta, Arbeitsstipendium: 3.000 Euro
Ein paar Studienfreunde, die inzwischen in der Schweiz, in Deutschland und in Tschechien leben, veranstalten zu Silvester ein Krimi-Dinner mit Spielort Rechnitz, der Kleinstadt, in der das Massengrab der Juden immer noch nicht gefunden wurde. Osteuropäische Perspektiven, katholische Haltungen und die homosexuelle Lebenswelt des Gastgebers prallen aufeinander und bald ist nicht mehr klar: Fallen manche Sätze nur, um das Rollenspiel des Krimi-Dinners zu erfüllen? Ist inzwischen jedes Tabu gefallen? Welche Kräfte halten uns zusammen, welche ziehen plötzlich Grenzen zwischen uns und lassen Gräben entstehen?

Die Mitglieder des Beraterstabs waren Christiane Florin, Deutschlandfunk, Volker W. Degener, Verband Deutscher Schriftsteller in NRW, und Hannah Georgi, WDR. Die zuständige Förderreferentin für Hörspiel bei der Film- und Medienstiftung NRW ist Anke Morawe. Der nächste Einreichtermin ist der 12. Oktober 2018.