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Film- und Medienstiftung NRW vergibt 45.000 Euro an acht Hörspielprojekte

Düsseldorf, 23. November 2015. In ihrer dritten Sitzung vergab die Film- und Medienstiftung NRW am 06. November 2015 Arbeitsstipendien und Produktionsförderungen in Höhe von 45.000 Euro an insgesamt acht Hörspielprojekte.

Die Projekte im Einzelnen:

Andreas Ammer, Andreas Gerth, Martin Gretschmann, „Unendliches Hörspiel“ nach David Foster Wallace „Unendlicher Spaß“, Berg
Geplant ist nichts weniger als das größte Hörspiel der Welt: Die Umsetzung des Kultromans „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace. Parallel zur Lesung des Textes soll ein Modul aus diversen Computerschaltungen eine immerwährende Musik produzieren. Der Text soll als ein „akustisches Crowdfunding“ durch den Hörer selbst über eine Internetseite eingelesen werden, auf der er jeweils eine Seite des ca. 1.500 Seiten starken Romans liest. Außerdem kann er über Soundbites in die Komposition eingreifen, die dann digital weiterverarbeitet werden. Die Förderung soll zur Entwicklung der Soundmaschine und der dazugehörigen Komposition beitragen. 15.000 Euro

Julie Bräuning, „Analoge Meditationen“, Düsseldorf
In einer rein analog entwickelten Miniserie aus 24 kurzen Sequenzen sollen einfache, alltägliche und „analog“ ausgeführte Vorgänge Schritt für Schritt beschrieben werden: Eine spielerische Reflexion mit der Suche nach Ruhe und Einfachheit. Sprachduktus und Tempo werden dabei bewusst von angeleiteten Meditationen aufgegriffen. Eine Möglichkeit, für einen kurzen Moment den Alltag zu entschleunigen und den digitalen Stecker zu ziehen. Der Produktionsprozess wird ohne Zuhilfenahme digitaler Hilfsmittel stattfinden und in einem analogen Studio in Düsseldorf produziert. 7.000 Euro

Gert Roland Stiepel, „Soko Opa oder: Die Grauen in den Zellen“, Dortmund
Das Hörspiel entsteht auf Grundlage der aktuellen demografischen Entwicklung mit immer mehr Senioren und einer Statistik, die besagt, dass die Alterskriminalität entsprechend zunimmt. In dem 2035 angesiedelten satirischen Hörspiel werden diese Trends extrapoliert und ein Zukunftsszenario mit privatisierten speziellen Senioren-JVAs oder Altenabteilungen geschaffen. Angesichts von Altersarmut und desaströsen Verhältnissen in Altenheimen wird es immer beliebter, den Winter oder gar den Lebensabend in einer gut geführten Strafanstalt zu verbringen. Doch „Soko Opa“ zeigt auch, dass Konflikte und Probleme vorprogrammiert sind. 4.000 Euro

Sandra Doedter, „False Memory“, Köln
In der fiktiven Story mit echten Experten werden aktuelle Forschungsergebnisse in einen Psychokrimi verpackt: Als eine erfolgreiche Kommissarin befürchtet, dass eine von ihr begangene, längst verjährte Straftat auffliegt, versucht sie die Erinnerung an die Tat einem Unschuldigen „einzupflanzen“ und ihn zu einem Geständnis zu bringen. Das Hörspiel lehnt an aktuelle Gedächtnis-Studien aus England an: Durch entsprechende Vernehmungstechniken können sich Menschen tatsächlich daran erinnern, eine Straftat begangen zu haben, die nie stattgefunden hat. Dabei wird die englische Studienleiterin Julia Shaw als reale Expertin ebenso eingebunden wie der Profiler Axel Petermann und die Kriminalpsychologin und SM-Expertin Lydia Benecke. 3.000 Euro

Christoph Goldmann, „Good Vibrations Movement – Willkommen im Zeitalter des Sound“, Wiesbaden
Das Hörspiel ist eine Reise durch die Geschichte des Sound: Der Arzt Arthur Perelman führt 1938 ein Experiment durch, um seiner Tochter mittels eines Soundsystems unter einem Zeppelin „Good Vibrations“ zu schicken. Die fiktive Handlung ist voll von realen Episoden, die den Hörer durch Fakten der Soundwissenschaften führen. Im Hörspiel ist Perelman davon überzeugt, Tumore mit Klangwellen heilen zu können. Heute entdecken Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Sound und DNA. 4.000 Euro

Tom Noga, „CEP 01046-924“, Köln
„CEP 01046-924“ ist die einzige Postleitzahl weltweit, die ein Gebäude bezeichnet: das Edificio Copan in Sao Paulo, das größte Wohngebäude der Welt mit dem Ausmaß eines Stadtviertels, dessen Fertigstellung sich 2016 zum 50. Mal jährt. Das Copan entstand zeitgleich mit Brasília, der am Reißbrett geplanten Hauptstadt des Landes. Unter dem Dach des Copan sollten Menschen aller sozioökonomischen Schichten leben und auch dort ihre Freizeit verbringen. Doch dieser Anspruch wurde nie erfüllt. In dem Hörspiel setzt sich der Autor auf verschiedenen Ebenen mit zwei Fragen auseinander: Ist eine Wohnmaschine wie das Copan überhaupt beherrschbar? Und warum funktioniert das Zusammenleben unterschiedlicher Schichten ausgerechnet hier so schlecht? 4.000 Euro

Torsten Körner, „Bad Münstereifel“, Berlin
Das Hörspiel erzählt die Geschichte eines dramatischen und folgenreichen Zusammentreffens: Am 4. Mai 1974 kommen Willy Brandt und Herbert Wehner in Bad Münstereifel zusammen. Vor dem Hintergrund der Guillaume-Affäre führen die Politiker das entscheidende Gespräch über die politische Zukunft des Bundeskanzlers. Das Gespräch ist weitaus mehr als ein Strategietreffen, mehr als ein Krisengipfel, es ist die existentielle Kollision zweier Typen, zweier Naturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein Dialog über das Wesen der Politik, über die deutsche Seele, den Verrat der Intellektuellen und den Versuch, Menschlichkeit zu bewahren. 4.000 Euro

Andrea Halter, Philip Stegers, „Das Babäm-Prinzip“, Köln
In dieser Mischung aus Hörspiel und dokumentarischem Feature versucht der Schauspieler Denis Moschitto mit seiner Kunstfigur „Babäm“ in der realen Welt ein YouTube-Star zu werden. Das Hörspiel begleitet ihn ein halbes Jahr in seiner Rolle als Babäm, einem talentfreien Underdog mit großem Herz. Babäm besucht Online-Kurse für angehende YouTuber und lädt jede Woche neue Videos auf seinen Kanal.  Auf YouTube-Veranstaltungen knüpft er Kontakte und macht Werbung für sich. Er fragt YouTube-Stars und Businessgrößen um Rat und versucht sie für Kooperationen zu gewinnen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Die Autoren setzen sich mit dem Begriff der Authentizität auseinander und führen diesen ad absurdum. 4.000 Euro

Die Mitglieder des Beraterstabs waren Christiane Florin, Christ & Welt, Volker W. Degener, Verband Deutscher Schriftsteller in NRW, und Christina Hänsel, WDR. Die zuständige Förderreferentin für Hörspiel bei der Film- und Medienstiftung NRW ist Anke Morawe.

Der nächste Einreichtermin ist der 5. Februar 2016.