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Film und Medien Stiftung NRWNewsPressemitteilungenFilmjahr 2009 in NRW: Das Beste kommt zum Schluss

Filmjahr 2009 in NRW: Das Beste kommt zum Schluss

Filmstiftung NRW zieht Bilanz: 136 Filme mit 29,4 Millionen Euro gefördert

"Vorleser" und "Päpstin" über 2 Mio. Besucher, "Wüstenblume" über 1 Mio. / "Grand Slam" bei den großen Festivals Berlin, Cannes, Venedig / Oscar für Kate Winslet für ihre Rolle in "Der Vorleser" / 13 Mio. Besucher in NRW-geförderten Filmen / Land NRW und ZDF erhöhen Fördergelder

Kate Winslet erhielt 2009 den Oscar
für ihre Rolle in "Der Vorleser"
© Academy of Motion Pictures

Ein Silberner Bär in Berlin für "Gigante", ein Oscar in Hollywood für Kate Winslet in "Der Vorleser", eine Palme in Cannes für Charlotte Gainsbourg in "Antichrist" und zwei Löwen für "Lebanon" und "Women without Men" in Venedig: Das zurückliegende Filmjahr war für die Filmstiftung NRW eines der erfolgreichsten ihrer Geschichte, und doch steht das größte Ereignis für die Filmregion noch bevor. Am 12. Dezember werden in der Bochumer Jahrhunderthalle die Europäischen Filmpreise vergeben. Es ist das erste Mal, dass die bedeutendste europäische Filmauszeichnung in Nordrhein-Westfalen verliehen wird, und mit "Antichrist" und "Der Vorleser" sind dabei auch zwei geförderte Produktionen der Filmstiftung NRW nominiert.

Scheck is back: Am Rande der
Bilanz-Pressekonferenz konnte
Majestic die Verleihförderung für
"Wüstenblume" zurückzahlen

"Der Europäische Filmpreis ist ein exzellenter Abschluss eines Jahres, in dem die Filmstiftung NRW mit ihren geförderten Produktionen sowohl auf Festivals als auch an der Kinokasse erfolgreich war. Qualität und Quantität gehen selten so Hand in Hand, wie wir das dieses Jahr mit unseren Filmen, von 'Vorleser über 'Päpstin bis 'Wüstenblume, erleben durften", bilanzierte Filmstiftungs-Geschäftsführer Michael Schmid-Ospach auf der Jahres-Pressekonferenz der Filmstiftung NRW am 8. Dezember in Düsseldorf. "Und es geht weiter: Nach Sichtung der ersten Filme, die in diesem Jahr an rund 1.000 Drehtagen in Nordrhein-Westfalen realisiert wurden, kann man risikolos prognostizieren, dass auch der Filmjahrgang 2010 ein guter wird. Davon kann sich im kommenden Jahr jeder in den Filmtheatern überzeugen."

Damit die Filmstiftung NRW den deutschen und europäischen Film 2010 noch besser voranbringen kann, ist vorgesehen, dass sowohl das Land NRW als auch das ZDF als Gesellschafter ihre Beteiligung an der Filmförderung in Düsseldorf um 500.000 Euro bzw. um rund 250.000 Euro erhöhen.

2009: 136 Filme mit rund 30 Millionen Euro gefördert

Grundlage für die meisten der Filme, die 2009 in NRW gedreht wurden, ist eine Produktionsförderung durch die Filmstiftung NRW. 2009 unterstützte sie so 136 Kino- und Fernsehproduktionen mit knapp 29,4 Mio. Euro und erzielte damit ein Gesamtproduktionsvolumen von 230 Millionen Euro.

Für jeden Euro Förderung aus NRW muss ein Produzent mindestens 1,50 Euro in Nordrhein-Westfalen ausgeben. 2009 lag der so erzielte NRW-Effekt in der Produktion 1 bei 228 Prozent (62 Mio. Euro) und erreichte damit einen Spitzenwert, der deutlich über den Ergebnissen der Vorjahre liegt (2008 =192 Prozent). Durch den geforderten Effekt gelingt es der Filmstiftung NRW weit über ihr eigenes Budget hinaus, weiteres Geld in die NRW-Filmwirtschaft zu leiten.

Bei den Rückzahlungen von Fördermitteln konnte die Filmstiftung NRW in diesem Jahr 1,2 Mio. Euro auf der Haben-Seite verbuchen. Rückflüsse durch die erfolgreiche Auswertung geförderter Filme stammten dabei vor allem aus den Produktionen "Auf der anderen Seite", "Das Parfum", "Barfuss" oder "Lauras Stern". Die zurückgezahlten Fördergelder stehen den Produzenten und Verleihern als Referenzmittel wieder zur Verfügung.

Eine Liste der geförderten Filme mit Dreh in NRW finden Sie hier.

1.321 Drehtage in NRW: Zusätzlich mischt der Nachwuchs stark mit

An 1.321 Drehtagen wurden in diesem Jahr Filme in Nordrhein-Westfalen in Szene gesetzt, das sind ähnlich viele Produktionstage wie 2008. Ein Viertel (353) davon sind Abschlussfilme des Nachwuchses in NRW.

Zu den großen Kino-Projekten, die 2009 entstanden, zählen neben vielen anderen:

  • "Jud Süß Film ohne Gewissen" von Oskar Roehler mit Tobias Moretti, Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu und Justus von Dohnanyi;
  • "Satte Farben vor Schwarz" von Sophie Heldmann mit Senta Berger und Bruno Ganz;
  • "Unter dir die Stadt" von Christoph Hochhäusler mit Nicolette Krebitz, Robert HungerBühler und Mark Waschke;
  • "Tauben auf dem Dach" von Otto Alexander Jahrreiss mit Olli Dietrich und Katja Riemann;
  • "Die kommenden Tage" von Lars Kraume mit Johanna Wokalek, Bernadette Heerwagen, Daniel Brühl und August Diehl;
  • "Vorstadtkrokodile 2" von Christian Ditter mit Nora Tschirner, Smudo, Maria Schrader;
  • "Teufelskicker" von Granz Henman mit Henry Horn, Benno Fürmann, Diana Amft, und Armin Rohde;
  • "Im Alter von Ellen" von Pia Marais mit Jeanne Balibar;
  • "Hochzeitspolka" von Lars Jessen mit Christian Ulmen, Kasia Maciag und Fabian Hinrichs;
  • "Brownian Movement" von Nanouk Leopold mit Sandra Hüller und Sabine Timoteo;
  • und natürlich "Pina" Wim Wenders 3D-Hommage an die verstorbene Pina Bausch.

Aber auch hochkarätige Fernsehproduktionen wurden 2009 an Rhein und Ruhr in Szene gesetzt. Zu den TV-Filmen, die in NRW gedreht wurden und auf die man sich 2010 im Fernsehen freuen kann, zählen "Hindenburg" (RTL), "Vom Glück nur ein Schatten" (ZDF), "Gottes mächtige Dienerin" (Das Erste) "Die letzten 30 Jahre" (Das Erste), "Undercover Love" (RTL), "Die Jagd nach der heiligen Lanze" (RTL) und der neue Wedel "Gier" (Das Erste).

Samuel Maoz mit dem Goldenen
Löwen in Venedig
© La Biennale di Venezia

Nicht zu vergessen sind Projekte, die nicht in NRW gedreht, aber in Nordrhein-Westfalen in der Postproduktion ihren Feinschliff erhielten. Ein herausragendes Beispiel dafür ist "Lebanon", der Gewinner des Goldenen Löwen in Venedig. Der Film von Samuel Maoz (deutscher Koproduzent: Ariel Films, Köln), fast komplett im Inneren eines Panzers gedreht, erhielt bei den Torus Studios in Köln seine eindrucksvolle Tongestaltung, und die ebenfalls in Köln ansässigen Animationsexperten von Industriesauger TV erzeugten digital das Fadenkreuz, durch das die Panzerbesatzung in dem Film ihre Umwelt wahrnimmt ein stilistisches Mittel, die Kriegserfahrung unmittelbar begreifbar zu machen.

Box Office & Besucherzahlen: 13,2 Millionen Besucher in geförderten Filmen

2,2 Mio. sahen Johanna Wokalek
als "Die Päpstin" / © Constantin

2,2 Millionen Besucher sahen 2009 Stephen Daldrys "Der Vorleser" in den deutschen Kinos. Damit liegt die auch in NRW gedrehte Bestsellerverfilmung an der Spitze der filmstiftungsinternen Box Office Liste. Insgesamt kauften sich bisher über 13 Millionen Besucher eine Kinokarte für einen geförderten Film der Filmstiftung NRW. Neben "Der Vorleser" knackten dabei auch Sönke Wortmanns "Die Päpstin" (2,2 Mio. Besucher), "Maria ihm schmeckts nicht" (1,3 Mio.) von Nele Leana Vollmar und "Wüstenblume" von Sherry Hormann die Millionen-Marke.

Für die guten Besucherzahlen sorgten auch zahlreiche Kinder- und Jugendfilme, die an der Kinokasse punkten konnten. Dazu gehören u.a. "Die wilden Hühner und das Leben" (968.000 Besucher), "Prinzessin Lillifee" (875.000), "Vorstadtkrokodile" (644.000) oder auch "Mullewapp" (492.000). Die "Buddenbrooks" erzielten drei Viertel, insgesamt 965.000 Besucher, ihrer guten Besucherzahlen (insgesamt 1,2 Mio.) in 2009.

Beachtenswert sind auch die Ergebnisse dreier großer Frauenporträts: Margarethe von Trottas Film über Hildegard von Bingen "Vision" sahen 467.000 Kinozuschauer, das Knef-Porträt "Hilde" fesselte 404.000 Besucher und "Unter Bauern", die Geschichte der Marga Spiegel und der westfälischen Bauern, die sie vor den Nazis versteckten, erreichte 111.000 Besucher.

Die Top 20 der Besucherzahlen finden Sie hier.

TV-Highlights 2009: Die Krupps, Reich-Ranicki, Romy und ein Vulkan

Erfolgreicher TV-Auftakt im März:
Bis zu 7 Millionen Zuschauer sahen
den Dreiteiler "Krupp – Eine
deutsche Familie" / © ZDF

Nicht nur im Kino, auch im Fernsehen konnten geförderte Produktionen der Filmstiftung NRW 2009 Akzente setzen und die Zuschauer begeistern. Den Auftakt machte im März Carlo Rolas Dreiteiler "Krupp eine deutsche Familie". Zwischen 6,4 und 7 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die Geschichte der Industrie-Dynastie im ZDF. Im April lief die Verfilmung der Biografie von Marcel Reich-Ranicki "Mein Leben": 3,76 Millionen Zuschauer sahen Matthias Schweighöfer in der Rolle des jungen Reich-Ranicki im Ersten. Was passieren würde, wenn ein schlafender Eifel-Vulkan ausbrechen würde, erzählte Regisseur Uwe Janson im November in dem spektakulären RTL-Zweiteiler "Vulkan". Der TV-Event erzielte Zuschauerzahlen von 5,8 und 6,6 Millionen. Ruhiger, aber nicht weniger mitreißend war ein paar Wochen später Jessica Schwarz als "Romy". Den Bio-Pic von Torsten C. Fischer sahen im Ersten 5,25 Millionen Zuschauer.

Neue Firmen hat das Land

Die guten Produktionsbedingungen an Rhein und Ruhr haben auch 2009 wieder zu Neuansiedlungen in NRW geführt. Jürgen Vogel, Matthias Glasner, Lars Kraume und Frank Döhmann haben in Köln mit Goodlands (Anja Uhland) eine Dependance ihrer Berliner Badlands Film gegründet. Bereits seit Frühjahr ist mit Dor Film Köln die österreichische Dor Film, die in der Vergangenheit u.a. die Verfilmungen der Wolf Haas Krimis realisierte, in NRW präsent. Ab Januar 2010 ist dann auch die Senator Entertainment AG mit einer eigenen Niederlassung in der Domstadt vertreten. Geschäftsführer der Senator Köln sind Ulf Israel und Helge Sasse.

NRW-Nachwuchs: Nachhaltig fördern und an den Standort binden

An 353 Tagen wurden 2009 in Nordrhein-Westfalen Nachwuchsfilme gedreht. Das ist eine Zahl für die Zukunft. Die jungen Filmemacher der Kunsthochschule für Medien Köln, der ifs internationale filmschule köln oder auch der FH Dortmund realisierten hier ihre Filme und knüpften dabei Kontakte, die sie auch später nutzen werden und die dafür sorgen, die jungen Talente an den Standort zu binden. Die Filmstiftung NRW förderte 2009 insgesamt 39 Debüt- und Abschlussprojekte mit rund 1,5 Millionen Euro.

Für eine nachhaltige Nachwuchsförderung ist es wichtig, den jungen Talenten auch nach dem Studium Perspektiven in NRW zu bieten. Zu diesem Zweck wurde mit Unterstützung der Filmstiftung NRW 2006 in Köln das AV-Gründerzentrum NRW etabliert, das auch in diesem Jahr wieder zehn Stipendien vergab erstmals auch im Bereich Games. Wie erfolgreich die Kombination von Filmhochschulen und Gründerzentrum ist, zeigen Absolventen, die mit ihren jungen Firmen bereits Filme gedreht haben.

Ein gutes Beispiel dafür ist eastart pictures von Ewa Borowski und Dennis Todorovic. Die beiden ifs-Absolventen gehören dem aktuellen Jahrgang des AV-Gründerzentrums an und realisierten in diesem Jahr bereits den Kinofilm "Sascha".

M. Schmid-Ospach, K. Slesicka,
J. Rüttgers, S. Stewens, M. Shagrir
und M. Schneider präsentieren
"A Triangle Dialogue"

Premiere feierte 2009 das geförderte Dokumentarfilmprojekt "A Triangle Dialogue". Die von der Filmstiftung NRW initiierte Kooperation der ifs mit der Andrzej Wajda Master School of Film Directing in Warschau und der Sam Spiegel Film & Television School Jerusalem wurde erstmals auf dem medienforum.nrw gezeigt und war auch bei den German Currents in Santa Monica zu sehen. Die ifs, deren Gesellschafter die Filmstiftung NRW ist, wird ihre internationale Zusammenarbeit im kommenden Jahr fortsetzen und eine Kooperation mit der University of California (UCLA) starten.

Festivalerfolge 2009: Grand Slam und Oscar für NRW

Das Jahr begann gut für die Filmstiftung NRW: Bereits im Januar konnte sich Kate Winslet über einen Golden Globe für ihre Rolle in "Der Vorleser" freuen. Die Auszeichnung war aber nur ein Vorgeschmack auf den 22. Februar: Da erhielt sie den Oscar als beste weibliche Hauptdarstellerin. Insgesamt war die geförderte Bestsellerverfilmung, die auch in NRW gedreht wurde, in fünf Kategorien für den Oscar nominiert.

Adrian Biniez erhilet den Silbernen
Bären für seinen geförderten Debüt-
film "Gigante" / © Berlinale

Gäbe es einen Grand Slam Titel für Festivalerfolge, die Filmstiftung NRW hätte ihn mit ihren geförderten Filmen in diesem Jahr gewonnen: auf der Berlinale ging ein Silberner Bär an "Gigante" von Adrian Biniez, Charlotte Gainsbourg gewann auf den Filmfestspielen Cannes für ihre Rolle in Lars von Triers "Antichrist" eine Palme und auf dem Filmfestival in Venedig gab es gleich zwei Löwen: für "Lebanon" von Samuel Maoz den Goldenen Löwen und für die iranische Künstlerin Shirin Neshat, die mit ihrem Film "Women without Men" am Lido zu Gast war, den Silbernen Löwen.

"Gigante" erhielt in Berlin außerdem den Alfred Bauer Preis und den Preis für den besten Erstlingsfilm. Ebenfalls im Wettbewerb der Berlinale lief Hans-Christian Schmids "Sturm", der den Amnesty International Filmpreis, den Gilde Preis und den Publikumspreis der Berliner Morgenpost gewann. In Venedig konnte neben "Lebanon" und "Women without Men" auch der dritte geförderte Wettbewerbsbeitrag "Lourdes" von Jessica Hausner überzeugen. "Lourdes" gewann am Lido drei Preise, darunter den FIPRESCI Preis der internationalen Filmkritik.

Bei den Deutschen Filmpreisen, die Ende April in Berlin verliehen wurden, ging der Preis für den besten Dokumentarfilm an Niko von Glasows Film "NoBodys Perfect", über den die amerikanische Fachzeitschrift Variety schrieb: "This Film is as far from a downer as can be". Gleich über zwei Lolas konnten sich das Team von "Nordwand" freuen: Kameramann Kolja Brandt erhielt die Ehrung ebenso wie das Team der Tongestalter.

Auch die geförderten TV-Produktionen konnten 2009 zahlreiche Preise gewinnen. Im April gingen insgesamt fünf Grimme-Preise an Hermine Huntgeburths Literaturverfilmung "Teufelsbraten" sowie an die Dokumentarfilme "Losers and Winners", "Der große Ausverkauf", "Brinkmanns Zorn" und "Djangos Erben".

Eine Liste der Festivalerfolge im Jahr 2009 finden Sie hier.

Filme für Kinder und Jugendliche: Frühe Kinobindung

"Die wilden Hühner und das Leben"
verfehlte die Besucher-Million nur
knapp
© Constantin

Unter den zehn erfolgreichsten geförderten Kinofilmen der Filmstiftung NRW sind 2009 mit "Die wilden Hühner und die Liebe", Prinzessin Lillifee", "Vorstadtkrokodile", "Mullewapp" und "Lauras Stern und der Drache Nian" fünf Produktionen, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Die frühe Begeisterung junger Menschen für das Kino ist wichtig, um sie früh an das Medium Film zu binden. Die Filmstiftung NRW fördert deswegen kontinuierlich auch Filme für junge Zuschauer. 2009 waren es insgesamt 5 Produktionen, die mit insgesamt 3,1 Millionen Euro unterstützt wurden. Darunter u. a. "Vorstadtkrokodile 2" und "Teufelskicker", die beide bereits gedreht wurden und 2010 in die Kinos kommen.

Um auch den Kinder-Dokumentarfilme zu stärken, beteiligt sich die Filmstiftung NRW am Projekt dok you. Hier entwickelten versierte Filmemacher Dokumentarfilme an zehn Schulen Nordrhein-Westfalens – zusammen mit den Schülern. Vier der Stoffe sind, teils mit Unterstützung der Filmstiftung NRW, bereits realisiert und feierten ihre Erstaufführung im November im Rahmen der Duisburger Filmwoche.

Dokumentarfilme: Premiere für Phoenix Dokumentarfilmpreis

In NRW realisiert wurden in diesem Jahr u. a. Dokumentarfilme, wie "Gerhard Richter Ohne Titel" von Corinna Belz, "Arbeit Entheiligt werde dein Name" von Konstantin Faigle, "Jedem Kind ein Instrument" von Oliver Rauch oder auch das neue Projekt der Grimme-Preisträger Ulrike Franke und Michael Loeken "See der Träume" über ein Stahlwerksgelände im Ruhrgebiet, das in ein Freizeitparadies umgewandelt wird.

Zu den bemerkenswertesten, geförderten Kino-Dokus, die 2009 in den Filmtheatern zu sehen waren, zählten "Fräulein Stinnes fährt um die Welt" von Erica von Moeller und Petra Seegers beeindruckendes Porträt des Gehirnforschers Eric Kandel, der zur Premiere von "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" zum Internationalen Filmkongress extra nach Köln reiste.

Verleihung der Gerd Ruge-Projekt-
stipendien im August in Düsseldorf

Die Filmstiftung NRW macht sich seit ihrer Gründung für den Dokumentarfilm stark. Neben der Produktionsförderung dokumentarischer Stoffe 2009 förderte die Filmstiftung NRW 29 Dokumentarfilme ist das Gerd Ruge-Projektstipendium ein wichtiges Instrumentarium zur Doku-Förderung. Im August vergab die Filmstiftung NRW dabei zwei Projekt-Stipendien und vier Incentives an junge Filmemacher. Mit insgesamt 100.000 Euro ist das Stipendium die höchste Nachwuchsförderung für junge Dokumentarfilmer in Deutschland. Erstmals wurde auf dem medienforum.nrw der neue Phoenix Dokumentarfilmpreis vergeben, den die Filmstiftung NRW gemeinsam mit dem Sender Phoenix vergibt. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis erhielten die Filmemacher Jens Schanze und Judith Malek-Mahdavi für ihre Langzeitbeobachtung "Otzenrath 3 Grad kälter". Der Phoenix Förderpreis, der mit 25.000 Euro dotiert und mit einer Produktionsförderung von 75.000 Euro verbunden ist, ging an den ifs-Absolventen und AV-Gründerzentrum-Stipendiat Marcel Ahrenholz für sein Projekt "14 Arten, den Regen zu beschreiben" über Jugendliche, die sich dem Druck der Gesellschaft durch Isolation entziehen.

Kinoförderung: Hilfe in schwierigen Zeiten

Wie schon im Vorjahr bleibt auch in diesem Jahr die anstehende Digitalisierung das beherrschende Thema der Kinobranche, das gilt vor allem nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen der Filmförderungsanstalt (FFA) und dem Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF.

NRW-Medienminister Andreas Krautscheid hat für die engagierten Filmtheater an Rhein und Ruhr bereits Hilfe bei der Digitalisierung zugesagt. Die Details der Umsetzung werden derzeit vom Land NRW und Filmstiftung NRW geklärt.

Verleihung der Jahresfilmprogramm-
Prämien: Michael Schmid-Ospach
und Nadie Krüger auf der Bühne
des Savoy Theaters

Kontinuierlich fördert die Filmstiftung NRW die Kinos an Rhein und Ruhr mit ihrer Kinoförderung. Dazu gehören vor allem die Jahresfilmprogramm-Prämien, mit denen sie Filmtheater auszeichnet, die auf ihren Leinwänden ein herausragendes Programm zeigen. 2009 vergab die Filmstiftung NRW am 4. November im Düsseldorfer Savoy Theater insgesamt 429.000 Euro an 58 Kinos. Zum zweiten Mal wurde dabei auch der Innovationspreis Kino verliehen. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung ging zu gleichen Teilen an die Lichtburg in Essen und die Kölner Filmpalette.

Die ausgezeichneten Filmtheater konnten sich im Vorjahr über ein Besucherplus von zwei Prozent freuen. Insgesamt gibt es in NRW 893 Kinosäle, so viele wie in keinem anderen Bundesland. Damit die Zahl der Kinos in NRW stabil bleibt, hilft die Filmstiftung NRW auch bei notwendigen Modernisierungen und Umbauten. 2009 half sie so neun Kinos mit insgesamt 133.000 Euro. Darunter ist auch das historische Filmstudio Glückauf in Essen, das am 18. Dezember nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wieder eröffnet wird.

German Currents: NRW zu Gast in Hollywood

Filmstiftungs-Geschäftsführer Micha-
el Schmid-Ospach mit Benno Für-
mann bei den German Currents in
Los Angeles

Fünf Tage lang präsentierte das Filmland NRW aktuelle Produktionen in Kalifornien. Die Filmwoche German Currents, die vom Goethe-Institut Los Angeles und Filmstiftung NRW veranstaltet wurde, stand ganz im Zeichen von Filmen aus NRW. Gezeigt wurden zehn Kinoproduktionen, die von den Regisseuren persönlich vorgestellt wurden. Darunter u. a. "Buddenbrooks" von Heinrich Breloer, "Krabat" von Marco Kreuzpaintner oder "NoBodys perfect" von Niko von Glasow. Begleitet wurden die Filme, die im Aero Theatre in Santa Monica zu sehen waren, von einer Ausstellung mit Exponaten aus dem Düsseldorfer Filmmuseum und Fotografien von Konrad Rufus Müller, die bei den Dreharbeiten zu "Geliebte Clara" und "Klimt" entstanden.

Mit einer eigenen Delegation reiste auch NRW-Medienminister Andreas Krautscheid in die USA, um in San Francisco und Los Angeles den Medienstandort vorzustellen. Während der German Currents informierten das Land und Filmstiftung NRW gemeinsam über Produktionsbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten für Produzenten an Rhein und Ruhr.

Int. Filmkongress unter dem Motto "Krise kommt – Kino bleibt?"

Arthur Coen und Michael Schmid-
Ospach beim Branchentreff
"moving nrw" im Rahmen des
Internationalen Filmkongresses

Der Internationale Filmkongress, den die Filmstiftung NRW 2009 unter dem Titel "Krise kommt – Kino bleibt?" im Rahmen des medienforum.nrw in Köln veranstaltete, stand ganz im Zeichen der Wirtschaftskrise. Umso erfreulicher die Erkenntnis nach den Diskussionen, dass die Krise auf die deutsche Filmbranche nicht voll durchschlägt. Im Gegenteil: Die Besucherzahlen an den Kinokassen waren 2009 so gut wie lange nicht mehr. Zu den Gästen des Kongresses zählten u.a. die Regisseure Tom Tykwer, Michael Glawogger, Hans-Christian Schmid. Letztere stellten auf der begleitenden Filmreihe KinoSpecials ihre Film "Sturm" und "Das Vaterspiel" vor. Außerdem gab es als Previews Lars von Triers "Antichrist" und in Anwesenheit des Hauptdarstellers den Dokumentarfilm "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" über den Nobelpreisträger Eric Kandel zu sehen.

Weitere Höhepunkte 2009:

  • Während der Berlinale lud die Filmstiftung NRW zu ihrer zweiten deutsch-polnischen Gesprächsrunde ein. Nach einer Einführung durch Andrzej Wajda diskutierten Hans-Christian Schmid, Jan Bonny, Sandra Hüller, Agnieszka Smoczynska, Filip Marczewski, Maciej Sobieszczanski und Micha³ Kwiecinski über Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Umgang mit Tabus.
  • Während des medienforum.nrw präsentierten die Filmstiftung NRW und der Sender Tele 5 den Sieger ihres erstmals ausgeschriebenen Regie-Nachwuchsförderpreises "Wir lieben Kino". Der Kurzfilm von Johannes Disselhoff, "Flucht in Betten" lief bei den KinoSpecials als Vorfilm.
  • Bei der Verleihung des Deutschen Kamerapreises im Juni in Köln gewann Kameramann Ingo Scheel mit seinem Abschlussfilm "Loose Connection" den von der Filmstiftung NRW vergebenen Förderpreis Kamera.
  • Im Juli fanden in Köln bereits zum dritten Mal in Folge die German Films Previews statt. 80 Filmeinkäufer aus 30 Ländern reisten auf Einladung von German Films und der Filmstiftung NRW an den Rhein, um neue deutsche Kinoproduktionen zu sichten.
  • 3.000 Besucher kamen im Sommer zu den FilmSchauPlätzen NRW, bei denen an außergewöhnlichen Orten Kinofilme gezeigt werden, die thematisch zu den ausgewählten Open Air-Schauplätzen passen. Die meisten Zuschauer kamen nach Gütersloh, wo im Mohns Park das Bergsteigerdrama "Nordwand" gezeigt wurde.
  • Während der Cologne Conference sollte Roman Polanski den Filmpreis Köln erhalten, der von Filmstiftung NRW und der Stadt Köln mit 25.000 Euro dotiert ist. Wegen seiner Verhaftung konnte er den Preis aber nicht entgegen nehmen.
  • Während des Filmfestivals in Venedig lud die Filmstiftung NRW zum traditionellen Empfang in den Palazzo Zenobio.
  • Für sein Werk "Ruhe1" erhielt Paul Plamper in diesem Jahr den Hörspielpreis der Kriegsblinden/Preis für Radiokunst, den die Filmstiftung NRW gemeinsam mit dem Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. verleiht.
  • Der Deutsche Kinderhörspielpreis, den die Filmstiftung NRW und die ARD mit Unterstützung der Stadt Wuppertal vergeben, ging 2009 an "Feldpost für Pauline" von Maja Nielsen.
    Bei der Verleihung der Jahresfilmprogramm-Prämien vergab die Filmstiftung NRW gemeinsam mit dem HDF KINO e.V. auch den Herbert Strate-Preis, der Persönlichkeiten auszeichnet, die sich besonders um die deutsche Filmwirtschaft und Filmkultur verdient gemacht haben. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung ging 2009 zu gleichen Teilen an Senta Berger und Michael Verhoeven.
  • Ende September fand in Zürich ein Koproduktionstreffen zwischen Produzenten aus NRW und der Schweiz statt, zu der die Filmstiftung Zürich und die Filmstiftung NRW eingeladen hatten.
    In Köln und Bonn fand vom 28. Oktober bis zum 1. November die KunstfilmBiennale statt, die von Samuel Maoz Film "Lebanon" eröffnet wurde, der auch den Publikumspreis gewann.
    Auf dem 20. Kinofest Lünen erhöhte die Filmstiftung NRW den Publikumspreis Lüdia auf 15.000 Euro. Die Zuschauer vergaben die Auszeichnung an Lilian Franck und Robert Cibis für ihren Dokumentarfilm "Pianomania".
  • Bei der Bambi-Verleihung Ende November wurde Jessica Schwarz für ihre Leistung in "Romy" als Beste Darstellerin national ausgezeichnet.

Ausblick auf 2010: Berlinale, Henri 4 und Sundance

"Henri 4" kommt am 18. März in die
Kinos / © Ziegler Film

Die Berlinale, die in 2010 ihr 60. Jubiläum feiert, wirft ihre Schatten voraus; die ersten Filme, die dort gezeigt werden, kristallisieren sich langsam heraus. Ein filmischer Höhepunkt des kommenden Jahres aber steht schon jetzt fest: Am 18. März startet das aufwändige Historiendrama "Henri 4" in den deutschen Kinos. Jo Baier setzte die Ziegler Film Produktion u. a. auch in NRW in Szene und verspricht mit seiner Verfilmung des Romans von Heinrich Mann ganz großes Kino.

In Sundance werden beim Filmfestival vom 21.-31. Januar 2010 die geförderte Dokumentation "Kick in Iran" von Fatima Geza, ein von der Filmstiftung unterstütztes Gerd Ruge-Projekt, sowie "Contracorriente" von Javier Fuentes-Leon laufen.

Weitere Informationen zum Herunterladen:
· Geförderte Filme mit Dreh in NRW (Auszug)
· Auszeichnungen und Festivalteilnahmen (Auszug)
· Top 20 der Besucherzahlen im Jahr 2009


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ür weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Filmstiftung NRW, Tanja Güß
Tel.: 0211-930500, Fax: 0211-93050-85,