Film und Medien Stiftung NRWNewsDigi NewsGameTreff NRW im KAP1: Erfolgsstrategien für Indie-Games und Austausch der NRW-Gamesbranche

GameTreff NRW im KAP1: Erfolgsstrategien für Indie-Games und Austausch der NRW-Gamesbranche

Gestern, am 28. Mai, traf sich die NRW-Gamesbranche erneut zum GameTreff NRW im Düsseldorfer KAP1. Entwickler:innen, Branchenvertreter:innen und Games-Interessierte nutzten die Gelegenheit, aktuelle Projekte aus Nordrhein-Westfalen kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Zum Auftakt begrüßte Stefan Hölzel, Netzwerkreferent Games der Film- und Medienstiftung NRW, die Gäste und stellte die vielfältigen Aktivitäten und Fördermöglichkeiten der FMS für die Gamesbranche vor. Er gab einen Überblick über die unterschiedlichen Förderprogramme und Unterstützungsangebote für Entwickler:innen in Nordrhein-Westfalen und zeigte auf, wie die Stiftung die regionale Gameslandschaft stärkt und begleitet.

Anschließend präsentierte die Stadtbücherei Düsseldorf ihr Engagement im Bereich Games. Neben einem breiten Medienangebot bietet die Stadtbücherei zahlreiche Möglichkeiten, Spiele auszuleihen, auszuprobieren und sich mit anderen Gaming-Interessierten bei Veranstaltungen oder im Maker-Space zu vernetzen. Zudem wurden verschiedene Veranstaltungs- und Bildungsangebote vorgestellt, die Games als kulturelles Medium erlebbar machen.

Im Anschluss gaben Charlotte Zapfe-Wildemann (Writer & Narrative Design) und David Zapfe-Wildemann (Game Designer & CEO) vom Kölner Indie-Studio neoludic Einblicke in die Entwicklung ihres erfolgreichen Cozy-Games „Tiny Bookshop“. Das Spiel entstand ursprünglich als Bachelorprojekt an der Cologne Game Lab und wurde über mehrere Jahre hinweg zu einem kommerziellen Titel weiterentwickelt, das bereits eine Vielzahl von Preisen aus der Branche gewinnen konnte.

Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand die Frage, wie aus einer klaren kreativen Vision ein erfolgreiches Spiel entstehen kann. Die Entwickler:innen beschrieben „Tiny Bookshop“ als eine „kleine Utopie“, die bewusst auf Entschleunigung, Gemeinschaft und die Liebe zu Büchern setzt. Statt klassischer Wachstums- und Tycoon-Mechaniken verfolgt das Spiel einen narrativen Ansatz, bei dem Beziehungen, Geschichten und persönliche Begegnungen im Vordergrund stehen.

Zu den zentralen Designprinzipien zählen eine glaubwürdige Spielwelt, vielfältige Charaktere sowie die Idee, dass die von den Spieler verkauften Bücher direkten Einfluss auf die Welt und ihre Bewohner haben. Die Entwicklung der Figuren und ihrer Geschichten spielte dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die spielerischen Systeme selbst.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Produktions- und Vermarktungsstrategie. Das Team betonte die Bedeutung einer klar definierten Zielgruppe und konzentrierte sich früh auf die Schnittmenge zwischen Cozy-Games-Fans und Buchliebhaber:innen. Durch die Ansprache von Communities rund um „BookTok“, Buchhandlungen, Bibliotheken und Cozy-Gaming-Influencer gelang es, eine engagierte Community aufzubauen.

Als wichtigste Learnings nannten die Beiden die konsequente Fokussierung auf die Kernfantasie eines Spiels, das frühe Testen mit der Zielgruppe sowie den Mut, Projekte früh öffentlich zu zeigen und kontinuierlich Feedback einzuholen. Ebenso wichtig seien starke Produktionsstrukturen, passende Tools und ein kollaborativer Entwicklungsprozess. Ihr Fazit: Wer seine Zielgruppe versteht und eine klare Vision verfolgt, kann auch in einem stark umkämpften Markt erfolgreich sein.

Anschließend berichtete Mateo Covic von ZoroArts über die Erfolgsgeschichte seines Koop-Indie-Hits „Paddle Paddle Paddle“. Das Spiel entstand innerhalb von nur vier Monaten Entwicklungszeit und entwickelte sich seit seinem Release zu einem internationalen Erfolg mit mehr als 250.000 Verkäufen.

In seinem Vortrag zeigte Covic eindrucksvoll, wie wichtig frühes Prototyping und Community-Feedback für die Entwicklung eines Spiels sein können. Bereits wenige Stunden nach der ersten Idee entstand ein spielbarer Prototyp, der früh über Social Media geteilt wurde. Die unmittelbaren Reaktionen der Community halfen dabei, das Konzept zu schärfen und die Nachfrage zu testen.

Zu den zentralen Learnings seines Vortrags gehörte die Bedeutung eines starken Gameplays. Für viele Spieler:innen sei nicht die technische Perfektion der Grafik entscheidend, sondern ein klares, unterhaltsames Spielkonzept. Statt auf aufwendige Optik setzte Covic auf eine ungewöhnliche Spielmechanik, die sich besonders gut für Streamer und virale Clips eignete.

Darüber hinaus unterstrich er die Rolle von Social Media als Werkzeug zur Konzeptvalidierung und Reichweitensteigerung. Regelmäßige Entwicklungsupdates, kurze Videos und der direkte Austausch mit der Community ermöglichten es, bereits vor dem Release Aufmerksamkeit aufzubauen und wichtige Wunschlisten auf Steam zu generieren.

Auch die Veröffentlichung einer Demo erwies sich als entscheidender Erfolgsfaktor. Die Demo diente nicht nur als zusätzlicher Concept Proof, sondern lieferte wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Spiels. Durch umfangreiches Playtesting, Community-Feedback und kontinuierliche Updates konnte er gezielt auf die Wünsche der Spieler eingehen.

Weitere Erfolgsfaktoren waren die enge Zusammenarbeit mit Content Creator, eine klare Marketingstrategie sowie die Teilnahme am Steam Next Fest. Covic betonte außerdem die Bedeutung von Features, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, etwa Lokalisierung, Controller-Support, Steam-Deck-Kompatibilität oder eine professionelle Cover-Gestaltung.

Sein Fazit: Kleine Spielideen mit einer überzeugenden Umsetzung können großes Potenzial entfalten. Wer früh testet, Feedback ernst nimmt und den Mut hat, Ideen schnell umzusetzen, erhöht die Chancen auf nachhaltigen Erfolg deutlich.

Neben den Vorträgen bot der GameTreff NRW den Gästen die Möglichkeit, aktuelle Games aus Nordrhein-Westfalen vor Ort anzuspielen und direkt mit den Entwickler:innen ins Gespräch zu kommen. Auch Studierende des Cologne Game Lab präsentierten ihre Projekte und luden die Besucher:innen dazu ein, die Spiele direkt vor Ort auszuprobieren und Feedback zu geben. So bot der Abend nicht nur Einblicke in etablierte Produktionen, sondern auch in die nächste Generation der NRW-Gamesbranche.

Beim anschließenden Get-together wurde bis in den Abend hinein genetzwerkt, diskutiert und neue Kontakte geknüpft. Für einen besonderen Moment sorgte dabei der zeitgleiche Release von „Blueberry“: Gemeinsam mit Entwicklerin Mel Taylor stießen die Gäste auf die Veröffentlichung ihres Spiels an, das am selben Tag um 18 Uhr erschienen war. So wurde der GameTreff NRW zugleich auch zu einer kleinen Release-Feier innerhalb der NRW-Gamesbranche.

Der GameTreff NRW ist eine regelmäßige Networking-Plattform für die Gamesbranche in Nordrhein-Westfalen. Die nächsten Events werden auf unserem Discord-Channel, den Social Media Kanälen und im Newsletter angekündigt.

Alle Bilder des Abends sind hier abrufbar: https://www.picdrop.com/filmundmedienstiftungnrw/nSVuuC7YZj