Griaß Di: Filmstiftung NRW mit 16 geförderten Produktionen beim Filmfest München
Von Freitag, 26. Juni bis Sonntag, 5. Juli, findet mit dem 43. Internationalen Filmfest München eines der wichtigsten Festivals der europäischen Filmbranche statt. Bei der diesjährigen Ausgabe ist NRW wieder einmal stark vertreten: 16 Projekte – 15 Filme und eine Serie – feiern ihre Weltpremiere oder laufen in zentralen Programm- und Wettbewerbsreihen des Festivals. Die Einladungen all dieser herausragenden Produktionen ist ein starkes Signal für die kreative und wirtschaftliche Kraft des Standorts NRW. Sie zeigen, wie engagierten und leidenschaftlichen Kreativen gemeinsam mit der Filmstiftung diese Geschichten für die große Leinwand, Fernsehen und Streaming zum Leben erwecken. Die Förderarbeit setzt zielgerichtet dort an, wo visionäre und außergewöhnliche Stoffe auf mutige Produktionsfirmen treffen.
NEUES DEUTSCHES KINO
Die Reihe „Neues Deutsches Kino“, eine der wichtigsten Plattformen für Kinoproduktionen, steht beim Filmfest München traditionell im Fokus. In diesem Jahr werden 16 Filme uraufgeführt, NRW ist mit sechs filmstiftungsgeförderten Produktionen vertreten: Vom dystopischen Drama „Morgen war Krieg“ von Nicolas Ehret über den Ensemblefilm „Für immer 16“ von Brezel Göring, die Romanadaption „Identitti“ von Randa Chahoud, Jutta Brückner’s „Im Spiegel meiner Mutter“, ihrem ersten Kinofilm nach 20 Jahren, das Aussteigerdrama „Schöne Seelen“ von Tom Schreiber bis hin zum kölschen Gegenwartsfilm „Die Ballade von Mittwoch auf Donnerstag“ von Christoph Otto zeigt sich die ganze Bandbreite des NRW-geförderten Kinos.
CINEMASTERS:
Für den internationalen Wettbewerb „CineMasters“ geht mit „Scham und Geld“ ein Titel an den Start, den KHM-Absolvent Visar Morina bereits beim Sundance Festival zeigte. Für das Treatment erhielt Morina 2022 den Baumi Award.
WEITERE GEFÖRDERTE PROJEKTE:
Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller und Isabel Schneider erzählt die jüngere Geschichte des deutschen Unterhaltungsfernsehens aus weiblicher Perspektive und klärt, was Humor mit Gleichberechtigung zu tun hat.
„Spaziergang nach Syrakus“ von Lars Jessen erzählt nach Motiven von Friedrich Christian Delius’ Roman von einer ungewöhnlichen Reise aus der DDR nach Sizilien. „Die Gäste“ von Christina Diz und Stefan Butzmühlen, einem ganz besonderen Roadmovie. Ebenfalls vertreten ist „Virginia Woolf’s Night & Day“ von Tina Gharavi, eine unromantische Komödie nach Virginia Woolfs Roman. Marcus O. Rosenmüllers „Block 10“ ist ein packendes, historisches Drama um Moral und Überleben im KZ Ausschwitz. Titanic Ocean von Konstantina Kotzamani zeigt ein schillernde Teenager-Universum eines speziellen Internats, das Mädchen zu professionellen Meerjungfrauen ausbildet. Der Dokumentarfilm The Mad Dog of Europe von Rubika Shahwirft einen frischen, zeitgenössischen Blick auf den berüchtigtsten Anti-Nazi-Film, der nie gedreht wurde.
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15 Filme und eine Serie in der Übersicht: Von der Film- und Medienstiftung geförderte Produktionen auf dem 43. Filmfest München
NEUES DEUTSCHES KINO
Identitti – Regie: Randa Chahoud I Premiere: 28. Juni – 13:30 Uhr, Astor Film Lounge im Arri I gefördert mit: 750.000 Euro
Die Universität Düsseldorf gerät weltweit in die Schlagzeilen: Professorin Saraswati (Stephanie Eidt), die sich als „Person of Colour“ ausgibt, ist weiß! Studentin Nivedita (Amanda Babaei Vieira), bekannt als Podcasterin „Identitti“, deckt die Lüge auf. In sozialen Medien nimmt der Skandal seinen Lauf. Während in Presse und online gehetzt wird, sucht Nivedita nach Motiven. Sie begegnet Kaali (Sabrina Setlur), ihrem eigenen Alter Ego, und gerät in einen politischen wie persönlichen Konflikt, der sie zwingt, nicht nur Saraswatis Identität, sondern auch ihre eigene zu hinterfragen. Produziert wurde der Film von Razor Film.
Schöne Seelen – Regie: Tom Schreiber I Premiere: 28. Juni – 17:45 Uhr, HFF Audimax I gefördert mit: 580.000 Euro
Sommer 1996. Der ewig jugendliche Tagelöhner Freddy (August Diehl) hangelt sich durch Gelegenheitsjob. Als sich die Gelegenheit bietet, landet er in einem Urlaubsort an der Costa Brava. Johannes, der dort eine Autovermietung leitet, verschafft ihm einen Job bei Herbert (Josef Hader), einem Discothekenbesitzer mit dem Ruf, gerne menschliches Treibgut einzusammeln. Zunächst wähnt Freddy sich im Paradies. Doch noch vor Ende der Saison, wird er Mittelpunkt des grotesken Zerfalls der Aussteigergemeinschaft. Ein Trotteldrama im Pop-Trash der 90er Jahre. Produziert wurde der Film von Sutor Kolonko.
Morgen war Krieg – Regie: Nicolas Ehret I Premiere: 28. Juni – 20:30 Uhr, City 1 I gefördert mit: 500.000 Euro
Die EU ist zerbrochen, und in Deutschland bilden rechtspopulistische Kräfte eine neue Regierung. Krieg steht bevor. Jonas (Enno Trebs) desertiert und versteckt sich zusammen mit seiner Schwester (Naila Schuberth) bei seinem Vater Stuber (Ulrich Matthes), zu dem er seit seiner Kindheit keinen Kontakt mehr hatte. Doch allein beim Versuch, „auf der richtigen Seite der Geschichte“ zu stehen, eskaliert die Situation und führt zu einer Katastrophe, noch bevor der Krieg überhaupt begonnen hat. Produziert wurde der Film von Epik Filmproduktion.
Im Spiegel meiner Mutter – Regie: Jutta Brückner I Premiere: 29. Juni – 20:30 Uhr, City 1 I gefördert mit: 400.000 Euro
Die Archäologin und Universitätsprofessorin Ursula Scheuner (Corinna Harfouch) macht einen sensationellen Leichenfund, der ihr Institut retten könnte. Gleichzeitig muss sie den kürzlichen Tod ihrer Mutter (Hildegard Schmahl) verarbeiten. Die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit beginnen zu verschwimmen. Als ihre neue Assistentin Mel (Carla Juri) andeutet, mehr über ihre Lebensgeschichte zu wissen, droht ein verborgenes Familiengeheimnis öffentlich zu werden. Produziert wurde der Film von Coin Film.
Für immer 16 – Regie: Brezel Göring I Premiere: 1. Juli – 17:30 Uhr, City 1 I gefördert mit: 60.000 Euro
Charlotte (Lilith Stangenberg), Helena (Mücke) und Oskar (Chang Wang) treffen sich nach langer Zeit wieder und fahren – eingeladen von Charlotte – gemeinsam in den Urlaub. Früher waren sie die Experimentalfilmgruppe „Les enfants terribles“, bis sie sich heillos zerstritten. Nun brechen Neid und Eifersucht erneut aus und gewinnen an Schärfe, als Rudolph (Twiggy) in ihr Leben tritt. Alle drei verlieben sich und haben nacheinander eine Affäre mit ihm. Die Romanvorlage für den Film schrieb Françoise Cactus.
Produziert wurde der Film von Rapid Eye Movies.
Die Ballade von Mittwoch auf Donnerstag – Regie: Christoph Otto I Premiere: 2. Juli – 14:30 Uhr, City 1 I gefördert mit: 42.000 Euro
Die Chronik einer Nacht: Eine Ensemble-Komödie über eine Nacht in Kölner Kneipen, Bars, Shisha-Lounges und Eiscafés. Zwischen Mittwochabend und Donnerstagmorgen begegnen sich Menschen, die sprechen müssen, um mit der Welt klarzukommen – auch wenn sie nicht genau wissen, wie. Sie reden, streiten, verheddern sich und sprechen trotzdem weiter. Der Film verdichtet Begegnungen, Stimmen und Stimmungen zu einem vielschichtigen Blick auf Gegenwart und Gesellschaft. Produziert wurde der Film von Monte Kalt Film.
CINEMASTERS
Von Scham und Geld – Regie: Visar Morina I Premiere: 28. Juni – 18 Uhr, Astor Film Loung im Arri I gefördert mit: 100.000 Euro
„Selbst deine Mutter liebt dich nicht, wenn du kein Geld hast“. Eigentlich war die Familie glücklich mit ihrem Leben in einer ländlichen Gegend im Kosovo. Doch als ein Familienmitglied heimlich alle Kühe verkauft und sich mit dem Geld ins Ausland absetzt, bleibt dem Rest nach dem Verlust ihrer Lebensgrundlage nichts anderes übrig, als in die Großstadt zu ziehen und von vorne anzufangen. Aber das ist leichter gesagt als getan in einer hyperkapitalistischen Gesellschaft, in der Menschen keinen Wert haben. Eine Geschichte über Würde und Scham. Visar Morina wurde bereits 2022 für das Treatment mit dem Baumi Award ausgezeichnet. Produziert wurde von Vicky Bane.
NEUES DEUTSCHES FERNSEHEN
Wake Up – Regie: Mia Meyer, Tim Trachte I Premiere: 28. Juni – 14:30 Uhr, Astor Film Lounge im Arri I gefördert mit: 1,1 Mio. Euro
Die Serie erzählt die Geschichte von Emilia Walser (Luna Jordan), die seit Jahren an der Schuld am Skiunfall ihrer Schwester Clara (Alicia von Rittberg) leidet. Clara liegt seit dem Unfall im Koma. Eine neuartige Technologie erlaubt es, Bewusstsein von einem Körper in einen anderen zu übertragen. Mithilfe dieser Nanobots will Emilia Clara ihr Bewusstsein „ausleihen“ und sie so ins Leben zurückholen. Beide werden zu Testpersonen eines Experiments mit ungewissem Ausgang. Produziert wurde die Serie von U5 Filmproduktion in Koproduktionen mit dem ZDF.
Mimi und ich – Regie: Milena Aboyan I Premiere: 29. Juni – 13:30 Uhr, Astor Film Loung im Arri I gefördert mit: 830.000 Euro
Iris (Hannah Gharib/Soraya Maria Efe) wächst in den 80er Jahren am Kölner Friesenplatz auf und will eines Tages Jura studieren. Während ihr Vater Musta (Serkan Kaya) zwischen gescheiterten Träumen und Spielsucht taumelt, kämpft ihre Mutter Mimi (Annette Frier) als Reinigungskraft und Prostituierte ums Überleben der Familie. Trotz der prekären Umstände ist Iris‘ Elternhaus von Wärme und Lebenslust geprägt. Auch als Mimi an AIDS erkrankt, unterstützt sie die Pläne der Tochter weiterhin. Nach der Autobiografie „Für euch“ von Iris Sayram erzählt der Film eine berührende und gleichzeitig humorvolle Mutter-Tochter-Geschichte im Köln der 80er- und 90er-Jahre. Produziert wurde der Film von MadeFor Film in Koproduktion mit WDR und SWR.
SPOTLIGHT
Spaziergang nach Syrakus – Regie: Lars Jessen I Premiere: 28. Juni – 15:30 Uhr, Deutsches Theater I gefördert mit: 750.000 Euro
In der Mitte seines Lebens fasst Paul Gompitz (Charly Hübner) aus Rostock den Entschluss, nach Syrakus auf Sizilien zu reisen und auf den Spuren des Dichters Johann Gottlieb Seume zu wandeln. Doch Paul lebt in der DDR und wir schreiben das Jahr 1982; auf legalem Weg ist sein Vorhaben unmöglich. Also bereitet er eine Flucht vor. Aber es wird noch schwieriger: er will danach wieder nach Hause zurück. Produziert wurde der Film von Pandora Film und Florida Film.
Was haben wir gelacht – Regie: Eva Müller, Isabel Schneider I Premiere: 1. Juli – 17:30 Uhr, Gloria Palast I gefördert mit: Produktion: 140.000 Euro / Verleih: 25.000 Euro
Eine Geschichte des deutschen Unterhaltungsfernsehens – erzählt aus weiblicher Perspektive – über Erfahrungen in den männlich dominierten Shows der 1990er- und 2000er-Jahre. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Esther Schweins und Gaby Köster erinnern sich, welches Frauenbild damals gezeichnet wurde, als Witze auf Kosten von Frauen auf dem Tagesprogramm standen.
Produziert wurde der Film von Basis Berlin Filmproduktion in Koproduktion mit dem ZDF. Den Verleih übernimmt Port au Prince.
Block 10 – Regie: Marcus O. Rosenmüller I Premiere: 3. Juli – 16:30 Uhr, Astor Film Lounge im Arri I gefördert mit: 600.000 Euro
NS-Ärzte erproben 1943 im Stammlager Ausschwitz unter Zwang Methoden der Sterilisierung an jüdischen Frauen. Für Häftlingsärzte, die zur Mitarbeit erpresst werden, ein moralisches Dilemma. Der jüdische Gynäkologe Dr. Maximilan Samuel (Christian Berkel) wird unter dem Druck der SS vor eine unmenschliche Entscheidung gestellt: entweder er kollaboriert oder seine Tochter wird ermordet. Produziert von CCC Cinema und Television.
CINECOPRO
The Mad Dog of Europe – Regie: Rubika Shah I Premiere: 28.Juni– 20:00 Uhr, Amerikahaus Theatersaal I gefördert mit: Produktion: 49.000 Euro
Der Dokumentarfilm wirft einen frischen, zeitgenössischen Blick auf den berüchtigtsten Anti-Nazi-Film, der nie gedreht wurde. Geschrieben von Herman J. Mankiewicz – aka „Mank“, Autor von Citizen Kane – war seiner Zeit voraus: Das Drehbuch prophezeite den Aufstieg Hitlers. Doch die Studios weigerten sich, den Film zu machen. Die Gründe, die den Film immer wieder verhinderten, offenbaren eine dunkle, tiefergehende Geschichte über Politik und Hollywood – eine Geschichte wie man sie sich nicht hätte ausdenken können. Eine Geschichte, die in zerrütteten Zeiten wie den unseren unbedingt erzählt werden muss. Die Kölner Heimatfilm koproduziert das deutsch-französische Projekt.
Virginia Woolf’s Night & Day – Regie: Tina Gharavi I Premiere: 30. Juni – 20:30 Uhr, HFF Audimax I gefördert mit: 600.000 Euro
London 1910: Als leidenschaftliche Astronomin greift Katharine Hilbery (Haley Bennett) nach den Sternen und tut alles, um Liebe und Ehe zu vermeiden. Ihrem Vater (Timothy Spall) gefällt das gar nicht. Er lehnt ihre wissenschaftlichen Ambitionen ab und will sie verheiraten. Doch dann lernt sie die temperamentvolle Frauenrechtlerin Mary Datchet (Lily Allen) und den charmanten Ralph Denham (Elyas M’Barek) kennen. Die unromantische Komödie basiert auf Virginia Woolfs Roman „Night and Day“. Produziert wurde der Film von GLISK. Den Verleih übernimmt Wild Bunch Germany.
Die Gäste – Regie: Christina Diz, Stefan Butzmühlen I Premiere: 1. Juli – 18:00 Uhr, Astor Film Lounge im Arri I gefördert mit: Produktion: 700.000 Euro
Westdeutschland, 1973. Iria (Greta Fernández) verlässt ihr galicisches Dorf und folgt ihrer Mutter Maura (Mercedes Castro) nach Köln, wo sie zwischen viel Arbeit politischen Aktivismus und bisher unbekannte Freiheiten entdeckt. Sie verliebt sich in den sozialistischen Studenten Hajo (Jan Bülow). Nach einem schweren Arbeitsunfall im Opel-Werk beschließt Iria, Maura zum Sterben nach Galicien zu bringen. Hajo wird ihr Fahrer. Was als hoffnungsvoller Roadtrip beginnt, wird zunehmend zur Herausforderung für das junge Paar. Ein Film über Machtverhältnisse, die Vergangenheit und Gegenwart, Lebende und Tote, sowie Frauen und Hexen miteinander verbinden. Produziert wurde der Film von Match Factory Productions.
Titanic Ocean – Regie: Konstantina Kotzamani I Premiere:, 02. Juli – 20:30, Filmmuseum I gefördert mit: Produktion: 200.000 Euro
Im Mittelpunkt von „Titanic Ocean“ steht das schillernde Teenager-Universum eines speziellen Internats, das Mädchen zu professionellen Meerjungfrauen ausbildet. Das Debüt von Autorin und Regisseurin Konstantina Kotzamani zeigt, wie die 17jährige Akame (Arisa Sasaki) ihre Sirenenstimme findet, ihre erste Liebe entdeckt und eine Metamorphose erlebt. Das internationale Projekt wurde in Japan realisiert und auf deutscher Seite von der Kölner Wunderlust koproduziert.