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Internationaler Filmkongress

Im Osten was Neues?

Im Rahmen der Osterweiterung des Brüsseler Media-Programms zur Förderung der audiovisuellen Industrie in Europa gehören Polen, Tschechien, Estland, Lettland und Bulgarien seit Juli 2002 zu den neuen Mitgliedsländern. Auf dem Internationalen Filmkongress gaben Vertreterinnen der osteuropäischen Media Desks Aufschluss über die Filmindustrie in ihren Ländern. Leiter dieser Informationsrunde war Nikolaj Nikitin, Osteuropa-Beauftragter der Berlinale.

Mit 38 Mio. Einwohnern ist Polen mit Abstand das größte dieser Filmländer und produziert jährlich zwischen 19 und 27 Spielfilme. Die Durchschnittskosten der polnischen Filme, die überwiegend unabhängig produziert werden, betragen zwischen 600 000 und 800 000 Euro. Die High-Budget-Projekte bewegen sich im Bereich zwischen drei und fünf Millionen Euro. Das vergangene Jahr sei hart für die polnische Filmindustrie gewesen, berichtet Agata Pietkiewicz vom Media Desk Polen, da dort die Filmförderung auf Eis gelegt wurde. Noch in diesem Jahr soll ein neues Filmförderungsgesetz verabschiedet werden. Als wichtigster Koproduzent für die Kinofilmindustrie fungiert das staatliche Fernsehen TVP. Der Marktanteil des nationalen Films liegt mit 41 Prozent knapp hinter dem des US-Films, der in Polen 43 Prozent beträgt.

"Internationale Koproduktionen stellen bei uns die einzige Möglichkeit dar, Arthouse-Filme zu finanzieren", sagt die polnische Regisseurin Malgorzata Szumowska, die an der Filmhochschule in Lodz unter Krzysztof Kieslowski Regie studierte. Nachdem sie bereits ihren ersten Spielfilm "Happy Man" auf zahlreichen internationalen Filmfestivals vorstellte, wurde die Filmemacherin mit dem Drehbuch zu ihrem zweiten Film "The Stranger" vom amerikanischen Sundance Institute eingeladen. Dieses Skript präsentierte sie vor zwei Jahren auf der Berlinale dem deutschen Produzent Karl Baumgartner, der sich für diese deutsch-polnische Koproduktion unter anderem die Unterstützung der Filmstiftung NRW sichern konnte.

In der Tschechischen Republik stehen der Filmindustrie jährlich Fördermittel in Höhe von 2,6 Mio. für die Produktion von Spiel-, Animations- und Dokumentarfilmen sowie für Verleih und Promotion zur Verfügung. Die 15 größeren Produktionsfirmen des Landes produzieren im Schnitt jährlich einen Spielfilm mit einem Durchschnittsbudget zwischen 800 000 und einer Mio. Euro. "Der Umsatz, der mit bei uns der Spielfilmproduktion erzielt wird, liegt jedoch in der Größenordnung von 100 Mio. Euro", erklärt Daniela Kucmasovà vom Medias Desk der Tschechischen Republik. Der Löwenanteil davon entfällt auf die zahlreichen amerikanischen Kinofilmproduktionen, die in Prag sowie den Barrandov-Studios gedreht werden.

Das kleinste osteuropäische Filmland ist Estland mit nur 1,3 Mio. Einwohnern, wo jährlich ein Spielfilm entsteht. "Der Förderetat für die Filmproduktion ist im letzten Jahr auf 2,5 Mio. Euro verdoppelt worden", so die Produzentin Annelie Ahven. "Mit diesem Geld können wir im Schnitt fünf Projekte realisieren." Trotz des geringen Outputs sind dort rund dreißig Produktionsfirmen am Markt, die vor allem Service-Leistungen für skandinavische Spielfilme übernehmen. Mit einem Low-Budget von zwei Mio. Euro realisiert wurde dort beispielsweise der schwedische Kinofilm "Lilja 4 Ever" von Lukas Moodysson.

Mit sehr geringen Etats müssen auch die Filmemacher in Bulgarien auskommen, wo selten mehr als eine Mio. Euro für einen Spielfilm zur Verfügung stehen. "Sämtliche bulgarischen Filme entstehen in Koproduktion mit Ländern wie der Türkei, Griechenland, Zypern, Mazedonien oder Russland", erläutert die bulgarische Produzentin Rossitsa Valkanova. Für ihren Spielfilm "Letter to America", welcher als der erfolgreichste bulgarische Film aller Zeiten gilt, konnte sie Koproduzenten in Deutschland und den Niederlanden gewinnen. Trotz der maroden Finanzsituation verzeichnet die bulgarische Filmindustrie einen höheren Umsatz als die Tschechische Republik, da dort zahlreiche europäische Spielfilme und Werbe-Spots gedreht werden. "Das sichert vielen Filmleuten eine Beschäftigung", resümiert Valkanova, "die sonst als Taxifahrer arbeiten müssten."