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Internationaler Filmkongress: Kinospecials und Highlights am Sonntag

"Antichrist" vor vollem Haus / Deutschlandpremiere der Doku "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" / Nachwuchsförderpreis Regie für Johannes Disselhoff

Kai Blasberg (GF TELE 5), Johan-
nes Disselhoff, Moderatorin Chris-
tina Schulte und Michael Schmid-
Ospach (GF Filmstiftung NRW)

Zum Auftakt der KinoSpecials am Sonntag, 21. Juni fand im Filmforum NRW, direkt am Museum Ludwig, die Verleihung des neuen Filmstiftungs- und Tele 5-Nachwuchsförderpreises statt, den vor einem Jahr Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW,mit Tele 5-Geschäftsführer Kai Blasberg ins Leben gerufen hat. Im Rahmen des Nachwuchsförderpreises waren Filmstudenten gefordert, eine Idee für einen Spot zum Thema "Wir lieben Kino" zu entwickeln. Für die Umsetzung der besten Projektidee stellten Filmstiftung NRW und Tele 5 gemeinsam Mittel bis zu 100.000 Euro bereit. "Es war uns wichtig zu zeigen, dass das Motto 'Wir lieben Kino' für unseren Spielfilmsender kein Werbespruch ist, sondern wir es zu einer Haltung werden lassen", betonte Blasberg.

"Der Nachwuchsförderpreis Regie ist eine von zahlreichen Initiativen, mit der wir den Nachwuchs unterstützen", erklärte Michael Schmid-Ospach. Neben dem Engagement der Filmstiftung NRW als Gesellschafter der ifs internationale filmschule köln verleiht sie z.B. auch den Gerd Ruge-Preis, mit dem herausragende Dokumentarfilmprojekte unterstützt werden.

"Wir lieben Kino"-Gewinner
Johannes Disselhoff

Für den Regie-Nachwuchsförderpreis hatten rund 100 Filmstudenten ihre Idee eingereicht. Die Jury, die aus Regisseurin Margarethe von Trotta, Michael Schmid-Ospach und Tele München-Geschäftsführer Herbert Kloiber bestand, entschied sich einstimmig für die Idee von Johannes Disselhoff. "Ein Spot zu dem Thema "Wir lieben Kino" ist eine besonders schöne Aufgabe", erklärte der Regiestudent der HFF München, "denn damit kann jeder Filmstudent etwas anfangen. Meine Idee war, Menschen zu zeigen, die sich für einen Kinoabend entscheiden." Titel des prämierten Kurzfilms: "Flucht in Betten".

"Wir freuen uns, dass wir Ihnen bei den KinoSpecials die ganze Vielfalt des Filmschaffens in Nordrhein-Westfalen zeigen können", betonte Susanne Steube, diesjährige Leiterin des Internationalen Filmkongresses. Zur Tradition des KinoSpecials gehört es, vor jedem abendfüllenden Spiel- oder Dokumentarfilm einen Kurzfilm zu zeigen, den jeweils Marita Quaas vom Kölner Kurzfilmfestival "Unlimited" ausgewählt hat. Im Anschluss an "Flucht in Betten" und den Kurzfilm "Amoklove" von Julia C. Kaiser präsentierte Produzentin Petra Hengge (Neue Mediopolis) "Schläft ein Lied in allen Dingen" von Andreas Struck.

Bildergalerie: Nachwuchsförderpreis Regie von TELE 5 und Filmstiftung NRW


Hirnforscher Eric Kandel in Köln:
"Auf der Suche nach dem Gedächtnis" beschert Cinenova Full House

Regisseurin Petra Seeger, Hirnfor-
scher Eric Kandel, Michael Schmid-
Ospach (GF Filmstiftung NRW) und
Miriam Pflüger (W-film Filmverleih)

Mit stürmischem Applaus feierte das Publikum in zwei Sälen des Cinenova die Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms "Auf der Suche nach dem Gedächtnis", bei der die Regisseurin und Produzentin Petra Seeger Medizin-Nobelpreisträger Eric Kandel und seine Ehefrau Denise aus New York begrüßen konnte. "Ich danke der Filmstiftung NRW, die mich als erste bei diesem Film unterstützt hat", erklärte die Regisseurin, die unter anderem zuvor mit Wim Wenders zusammengearbeitet hat, der dieser Premiere als Überraschungs-Gast beiwohnte. In ihrem filmischen Porträt über Eric Kandel begleitet sie den preisgekrönten Hirnforscher bei seiner Suche nach seinen eigenen Wurzeln in New York und Wien. Kandel wurde als jüngster Sohn einer jüdischen Familie 1929 in Wien geboren und musste als Neunjähriger in die USA emigrieren. "Ich habe ein sehr glückliches Leben geführt", bestätigt Kandel. "Nur der Anfang war ein traumatisches Erlebnis".

In "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" verwebt Seeger Kandels Lebensgeschichte mit seiner Wissenschaftsgeschichte. Ihre filmische Reise führt bis zu Kandels Institut an der Columbia University in New York, dem weltweit führenden Labor der Gedächtnisforschung. Seit über 50 Jahren widmet sich Kandel der Entschlüsselung molekularer Prozesse in Gehirn, die unserem Gedächtnis zu Grunde liegen. Im Jahr 2000 erhielt er dafür den Nobelpreis für Medizin. Er entdeckte das Protein, das eine Schlüsselrolle bei der Speicherung von Ereignissen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis spielt. Dieser Vorgang ist die Voraussetzung für Lernen und Erinnern. Kandel hat untersucht, wie geistige Vorgänge biologische Veränderungen erzeugen. Dabei konnte er nachweisen, dass Lernen neuronale Schaltkreise verändert und Wissen eine anatomische Veränderung im Gehirn bewirkt.

"Die Erinnerung versieht unser Leben mit Kontinuität", erklärt der Hirnforscher bei einem Pressegespräch, zu dem die Filmstiftung gemeinsam mit Produzentin Petra Seeger und Miriam Pflüger vom Verleih W-film geladen hatte. "Ohne die bindende Kraft der Erinnerung würden unsere Erfahrungen in ebenso viele Bruchstücke zersplittern, wie es Momente im Leben gibt. Wir sind, wer wir sind, auf Grund dessen, was wir lernen und woran wir uns erinnern."

Hirnforscher Eric Kandel bei Presse-
konferenz vor dem KinoSpecial

Wissenschaftler neigten dazu, irgendwann wie Philosophen die ganze Welt zu betrachten. "Ich habe eine neue Kategorie erfunden", sagte Kandel, der als Popstar der Wissenschaft gefeiert wird. "Ich bin jetzt Entertainer. Als Wissenschaftler sind wir dazu verpflichtet, dem Publikum in wenigen Sätzen unsere Erkenntnisse zu vermitteln." Um diese filmische Reise in das Zentrum des Gehirns zu realisieren, hat Petra Seeger in eineinhalb Jahren 60 Stunden Material aufgenommen. "Die Arbeitsweise war psychoanalytisch, denn ich habe Eric Kandel in seinem Prozess der Erinnerung begleitet." Dabei hat die Kölner Filmemacherin keine Szenen mit ihm gestellt oder Einstellungen wiederholt. "Im Zentrum stand für mich nur der Protagonist."

"Auf der Suche nach dem Gedächtnis" wird am 25. Juni 2009 von W-film ins Kino gebracht. "Der Film wird in über 100 Kinos laufen", freut sich Stephan Winkler, der gemeinsam mit Miriam Pflüger zahlreiche Kooperationen initiiert hat, um diesen Dokumentarfilm zu vermarkten. "Wie haben eine Partnerschaft mit dem 'Screening Lab' geschlossen, die Wissenschaft in Kindergärten und Schulen vermitteln", so Pflüger.

Bildergalerie: KinoSpecial "Auf der Suche nach dem Gedächtnis"


Großer Besucherandrang beim Kinospecial "Antichrist"

"Es ist ein kleines Wunder, dass ein Dokumentarfilm über dieses Thema seinen Weg ins Kino findet", betonte Michael Schmid-Ospach. "Das zeigt, dass das Kino auch trotz Krise alles andere als tot ist."

Produzentin Bettina Brokemper
(Zentropa International Köln) und
Peter Garde (Zentropa Kopenhagen)

Zur Tradition beim Internationalen Filmkongress gehöre es, Filme aus Cannes "frisch auf den Tisch" zu bringen. Dazu gehört der dänische Kultregisseur Lars von Trier, der nach den von der Filmstiftung geförderten Filmen "Breaking the Waves", "Dancer in the Dark" und "Dogville" und "Manderlay" jetzt mit seinem neuen Werk "Antichrist" in Köln präsent ist. "In Cannes ist ziemlich unterschiedlich darauf reagiert worden", berichtete der Geschäftsführer der Filmstiftung NRW. Einige Zuschauer hätten den Kinosaal verlassen, dennoch den Film kurze Zeit später als großes Meisterwerk gepriesen mit der Ankündigung, ihn sich bald nochmals anzusehen. "Ein Film über einen Menschen, der wegen einer großen Schuld in den Wahnsinn getrieben wird, lässt sich nicht in glatten Bildern erzählen", betonte Schmid-Ospach, der bei der Deutschlandpremiere den dänischen Zentropa-Chef Peter Garde, die Kölner Koproduzentin Bettina Brokemper und weitere Teammitglieder begrüßen konnte. "Viele waren an diesem Film beteiligt, bis hin zu Studenten aus dieser Stadt."

Die zehnwöchigen Dreharbeiten zu "Antichrist" fanden letzten Sommer komplett in Nordrhein-Westfalen statt. Ausgerechnet die Lichtung im Siegerland, die sich von Trier dort als Schauplatz ausgewählt hatte, wurde von einem Schwarzstorch, einer geschützten Vogelart, als Nistplatz ausgewählt.

Produzentin Bettina Brokemper, die im vergangenen Dezember mit dem "Prix Eurimages" ausgezeichnet worden ist, hob die gute Zusammenarbeit mit der Filmstiftung NRW, den Sendern ZDF/Arte, dem DFFF, dem Verleih MFA+ Filmdistribution und den Behörden in Eitorf, vor allen Dingen dem Forstamt hervor. "Wir haben bei diesem Dreh viel über die Wälder gelernt, auch, dass der Schwarzstorch auf Platz 2 der gefährdeten Arten in Europa ist… Es war eine tolle Erfahrung, die herausragenden Performances von Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe entstehen zu sehen und Lars von Trier bei der Arbeit zu erleben."

Bildergalerie: KinoSpecial "Antichrist"


Beschlossen werden die KinoSpecials mit dem historischen Spielfilmdrama "Kinder der Seidenstraße", das der sechsfache Oscar-Preisträger Arthur Cohn am Mittwoch, 24. Juni persönlich im Filmforum NRW vorstellen wird.

Fotos: Heike Herbertz/Filmstiftung NRW


Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte
:
Filmstiftung NRW, Tanja Güß, Pressestelle Filmstiftung NRW
Tel. 0211-930500, bis 24.6. nur mobil: 0172-9427029