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NRW@Berlinale: "Die Welt wird eine andere sein"

Am 1. März startet das Online-Industry Event der 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Bis zum 5. März werden die Branchenveranstaltungen sowie die Hauptfilmreihen digital präsentiert. Die Film- und Medienstiftung NRW ist mit insgesamt 6 geförderten Produktionen in den verschiedenen Festivalreihen vertreten. Zudem ist sie bereits im siebten Jahr in Folge Mitinitiator und offizieller Hauptpartner der Industry Plattform „Belinale Series Market and Conference“ im Rahmen des European Film Market (EFM). Beim EFM ist die Filmstiftung im Verbund mit FOCUS Germany und gemeinsam mit German Films in diesem Jahr im Rahmen des digitalen Marktes vertreten.

Die filmstiftungsgeförderte Produktion "Die Welt wird eine andere sein" von Anne Zohra Berrached wird heute um 10 Uhr beim Online Industry-Event der 71. Internationalen Filmfestspielen Berlin (01.-05.03.) in der Reihe Panorama gezeigt. Anne Zohra Berrached inszenierte nach eigenem Drehbuch, das in Zusammenarbeit mit Stefanie Misrahi entstand. „Die Welt wird eine andere sein“ („Copilot“) wurde von Razor Film in Zusammenarbeit mit zero one film und Haut & Court aus Paris produziert, unter Senderbeteiligung von NDR und Arte. In den Hauptrollen sind Canan Kir und Roger Azar zu sehen. Neue Visionen übernimmt den Verleih, der Weltvertrieb liegt bei The Match Factory aus Köln. Die Filmstiftung förderte die u.a. in NRW entstandene Produktion mit 250.000 Euro.

 

Der Autor Peter Kremski hat für das Magazin "Film und Medien NRW" einen Artikel zu "Die Welt wird eine andere sein" verfasst:

Panorama

»Die Welt wird eine andere sein«

Anne Zohra Becharreds »24 Wochen« sorgte 2016 als deutscher Beitrag im Internationalen Wettbewerb der Berlinale für Aufsehen. Auch ihr neuer Film »Die Welt wird eine andere sein« hat jetzt seine Weltpremiere auf der Berlinale, diesmal in der Sektion Panorama. Der Film entstand unter anderem mit Fördermitteln der Film- und Medienstiftung NRW.

Anne Zohra Berrached hat sich mit herausfordernden Beziehungsdramen einen Namen gemacht. Während ihres Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg entstand ihr erster langer Spielfilm »Zwei Mütter« über den Kampf eines Frauenpaars um das Recht auf Mutterschaft und künstliche Befruchtung. »24 Wochen«, ihr Abschlussfilm an der Filmakademie in Ludwigsburg, schaffte es 2016 als einziger deutscher Beitrag

in den Internationalen Wettbewerb der Berlinale. In dieser mit Julia Jentsch und Bjarne Mädel hochkarätig besetzten Beziehungsstudie ging es um die schwere Entscheidung eines Paares über die Abtreibung eines ungeborenen Kindes aufgrund einer Behinderungsprognose.

Die Frau an seiner Seite

Auch ihr neuer Film erzählt eine außergewöhnliche Beziehungsgeschichte. Die deutsch-türkische Biologiestudentin Asli begegnet in Deutschland dem libanesischen Studenten Saeed und verliebt sich in ihn. Die beiden heiraten heimlich, denn Aslis Mutter darf nichts davon wissen, weil sie gegen die Ehe ihrer Tochter mit einem Araber ist. Doch Saeed hat Geheimnisse, die für Asli im Dunkeln bleiben. Seine einsetzende Radikalisierung bleibt ihr verborgen. Vielleicht ist es ihre traditionelle Erziehung, die sie daran hindert, nachzuforschen. Ihre Liebe zu ihm stellt sie über alles. Doch dann verlässt Saeed Deutschland unerwartet, und es wird etwas geschehen, das die Welt erschüttern wird.

Im Mittelpunkt des Films steht jedoch stets die Beziehung zwischen Asli und Saeed. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird ihre Geschichte erzählt. 1996 ist es, als sie sich begegnen, fünf Jahre später wird ihre Geschichte abrupt enden. Erzählt wird aus dem Blickwinkel Aslis. Was man über Saeed erfährt, beschränkt sich auf ihre Wahrnehmung.

Fokus auf Authentizität

Wie in ihren früheren Arbeiten geht es der Regisseurin, die mit Stefanie Misrahi das Drehbuch verfasst hat, sehr um Authentizität. Das zeigte sich schon im aufwendigen Casting, erläutert Christiane Sommer, die als Herstellungsleiterin das Projekt betreut hat. Um für die Rolle des Saeed einen authentischen Darsteller zu finden, wurde im Libanon gecastet. Man wollte jemanden, der wirklich aus dem Libanon stammt und deutsch erst lernen muss. Für die Rolle der Asli fand man mit Canan Kir eine noch nicht so bekannte deutsch-türkische Theater-Schauspielerin, die deutsch und türkisch perfekt beherrscht.

Der Film ist viersprachig gedreht. Es wird deutsch, englisch, arabisch und türkisch gesprochen. Asli ist in Deutschland aufgewachsen, spricht in ihren Alltags­zusammenhängen deutsch und nur mit ihrer Familie türkisch. Mit Saeed spricht sie oftmals englisch, weil er noch nicht so gut deutsch spricht. Mit seinen Freunden und mit seiner Familie im Libanon spricht Saeed ausschließlich arabisch, was Asli nicht versteht. Die Viersprachigkeit ist von wesentlicher Bedeutung für den Film.

Berrached arbeitet, so Christiane Sommer, sehr intuitiv und lässt viel improvisieren, um darüber größtmögliche Authentizität zu erreichen. Die relativ unerfahrenen Darsteller sollten sich am Set frei fühlen und nicht durch zu viel vorgegebenen Text eingeschränkt werden. Die Kamera bleibt dicht an ihnen dran, auf Plansequenzen wurde verzichtet. Der für den Film verpflichtete libanesische Kameramann Christopher Aoun hat zuvor den in Beirut spielenden Film »Capernaum« gemacht, der für den Oscar nominiert wurde.

Aufwendige Postproduktion

Gedreht wurde »Die Welt wird eine andere sein« (internationaler Titel: »Copilot«) von August 2018 bis Januar 2019 in drei Ländern, in Deutschland, dem Libanon und den USA. Die sich anschließende Schnittphase war kompliziert und lang, weil an so vielen Orten und in verschiedenen Sprachen gedreht worden war und durch den Improvi­sationsstil der Regisseurin zudem noch sehr viel Dreh­material vorlag. Kompliziert war für den Filmmontage-Prozess auch, dass eine Zeit von fünf Jahren erzählt werden musste und damit auch die Veränderung der Charaktere in dieser Zeit. Da nicht chronologisch gedreht werden konnte, war es am Set relativ aufwendig gewesen, mit Kostüm und Maske zu arbeiten, um das sich verändernde Äußere der beiden Hauptfiguren immer wieder genau im Blick zu behalten.

Der Film fügt sich nahtlos in das Profil der Produk­tionsfirma Razor Film ein, die sich mit Filmen wie »Waltz with Bashir«, »Das Mädchen Wadjda« oder »Die perfekte Kandidatin« internationales Ansehen verschafft hat, was auch zwei Golden Globe-Gewinne und zwei Oscar-Nominierungen belegen.

Peter Kremski