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Vergabe des Gerd Ruge Stipendiums

17. Verleihung Gerd Ruge Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW in Düsseldorf:
99.000 Euro für 4 Stipendien

Am 28. August vergab die Film- und Medienstiftung NRW zum 17. Mal das Gerd Ruge Stipendium. Das mit bis zu 100.000 Euro dotierte Stipendium ist die höchste Förderung für die Entwicklung von Kino-Dokumentarfilmen in Deutschland. Die Verleihung fand in den Räumlichkeiten der Film- und Medienstiftung NRW in Düsseldorf statt. Zur Begrüßung sprach Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW. Gerd Ruge, Schirmherr des Stipendiums der Filmstiftung, konnte in diesem Jahr nicht vor Ort sein.

„Wir freuen uns, den aktuellen Jahrgang der Stipendiatinnen und Stipendiaten bei der Ausarbeitung der Verwirklichung ihrer Ideen unterstützen zu können. Aus zahlreichen themenstarken Anträgen hat die Jury vier besondere Projekte ausgewählt“, so der Jury-Vorsitzende Gerd Ruge. „Mein Dank gilt allen Filmemacherinnen und Filmemachern, die ihre dokumentarischen Konzepte eingereicht haben. Dank gebührt außerdem meinen Jury-Kolleginnen und -Kollegen – und nicht zuletzt der Filmstiftung NRW, die in besonderer Weise für die Förderung des Dokumentarfilms einsteht.“

„Das Gerd Ruge Stipendium ist eine in Deutschland einzigartige Starthilfe für die Entwicklung außergewöhnlicher Dokumentarfilme. Das zeigen sowohl die bereits realisierten Projekte der ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten –  als auch der aktuelle Jahrgang, der eine Fülle spannender, neuer Stoffe eingereicht hat“, so Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW. „Wir danken allen Antragstellerinnen und Antragstellern und gratulieren den Stipendiatinnen und Stipendiaten 2018 und Gerd Ruge noch einmal zu seinem 90. Geburtstag.“

Neben Gerd Ruge und Petra Müller gehörten die Dokumentarfilm-Regisseurin Corinna Belz, Filmproduzent Jonas Weydemann (Weydemann Bros.) und Elina Kewitz (New Docs Filmvertrieb) der Jury an. Am Tag zuvor hatten sie aus 25 eingereichten Anträgen 4 Projekte ausgewählt und diese mit insgesamt 99.000 Euro gefördert.

Stipendiaten und Jury-Mitglieder: Sitzend v.l.n.r.: Marita Loosen-Fox, Freya Hattenberger („Tell Me Your Answer True“), Philip Widmann („Roads to the Ruins“), Corinna Poetter und Frédéric Schuld („What Happened to the Dog“), Liliana Marinho de Sousa („Istanbul Fairytales“) Stehend v.l.n.r. die Jury: Regisseurin Corinna Belz, Elina Kewitz (New Docs), Jonas Weydemann (Weydemann Bros.), Petra Müller (FMS) © Ralph Sondermann/Film- und Medienstiftung NRW
Stipendiaten und Jury-Mitglieder: Sitzend v.l.n.r.: Marita Loosen-Fox, Freya Hattenberger („Tell Me Your Answer True“), Philip Widmann („Roads to the Ruins“), Corinna Poetter und Frédéric Schuld („What Happened to the Dog“), Liliana Marinho de Sousa („Istanbul Fairytales“)/Stehend v.l.n.r. die Jury: Regisseurin Corinna Belz, Elina Kewitz (New Docs), Jonas Weydemann (Weydemann Bros.), Petra Müller (FMS) © Ralph Sondermann/Film- und Medienstiftung NRW

Die Gerd Ruge Stipendien 2018

  • Tell Me Your Answer True“ von den KHM-Absolventen Freya Hattenberger und Peter Simon sowie ifs-Absolventin Marita Loosen-Fox (alle drei Köln) wird mit einem Stipendium in Höhe von 30.000 Euro ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm will sich mit der bewegten Lebensgeschichte der amerikanischen Poetin Anne Sexton (1928-1974) beschäftigen, die aus den Vororten Bostons bis zum Pulitzer-Preis in New York aufstieg. Sie galt als Pionierin der modernen amerikanischen Poesie; immer wieder versuchte sie, sich aus der schmerzhaften Verstrickung von Wahrheit und Lüge zu befreien – was ihr in der Kunst gelang, aber nicht im wahren Leben.
  • Ein Stipendium in Höhe von 25.000 Euro geht an Philip Widmann (Berlin) für „Roads to the Ruins“: Anhand von Spuren eines verschwundenen Films aus den 1930er Jahren und seiner Produzentin führt sein Doku-Essay tief in die Geschichte und Gegenwart des Libanon und  beleuchtet dabei auch die Verbindungen der Produzentin nach Deutschland und Frankreich.
  • ifs-Absolventin Corinna Poetter und KHM-Absolvent Frédéric Schuld (Düsseldorf/Hamburg) erhalten für „What Happened to the Dog“ ein Gerd Ruge Stipendium in Höhe von ebenfalls 25.000 Euro. Ihr animierter Dokumentarfilm befasst sich mit der Lebensgeschichte der Eltern von Poetter, die als Kinder den Krieg als vermeintliches Abenteuer erlebten. Nun sind beide über 80 und haben ihre Traumata bis heute nicht überwunden.
  • Die Autorin Liliana Marinho de Sousa erhält eine Förderung in Höhe von 19.000 Euro für „Istanbul Fairytales“. Der Kino-Dokumentarfilm entführt in den Mikrokosmos türkischer Soap Opera-Produktionen, wobei weniger der „Serien-Glamour“ im Vordergrund steht, sondern sozialpolitische und gesellschaftliche Realitäten und Widersprüche, die sich dahinter verbergen. Nach den USA ist die Türkei der zweitgrößte Serien-Exporteur weltweit. „Istanbul Fairytales“ folgt Personen, die bei der türkischen Serienproduktion involviert sind.

17 Jahre Gerd Ruge Stipendium

Seit 2002 wurden 87 Stipendien vergeben, von denen bisher 42 Projekte realisiert wurden. Zu den Dokumentarfilmen, die mit Hilfe des Gerd Ruge Stipendiums entstanden sind, gehören u.a. „Vom Ordnen der Dinge“ von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, die mit einem Grimme Preis ausgezeichnet wurden, „Traumfabrik Kabul“ von Nils Bökamp und Sebastian Heidinger und „Unter Kontrolle“ von Volker Sattel, die Projekte „Fighter“ von Susanne Binninger und „Als Paul über das Meer kam“ von Jakob Preuss sowie „Briefe aus Athen“ (AT: „Portät des Vaters zu Zeiten des Krieges“) von Timon Koulmasis und „Aggregat“ (AT: „Political Animals“) von Marie Wilke, der bei der diesjährigen Berlinale Premiere feierte. Till SchaudersWenn Gott schläft“ war für den diesjährigen Dokumentarfilmpreis nominiert.

Mit ihrem Stipendium will die Film- und Medienstiftung NRW talentierten Filmemacherinnen und Filmemachern die Möglichkeit geben, ihre non-fiktionalen Filmideen zu verwirklichen und dazu beitragen, dass anspruchsvolle Kino-Dokumentarfilme entstehen können. Nach der Zusage haben die Stipendiaten 18 Monate Zeit, ein qualitativ hochwertiges Dokumentarfilmprojekt für das Kino zu entwickeln.