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Verliebt in Locarno

Fünf NRW-Produktionen im Programm des Schweizer A-Festivals

Wenn vom 3. bis 13. August 2005 in Locarno das 58. Filmfestival die internatio­nale Filmbranche in die Schweiz lockt, werden auch vier geförderte Produktio­nen der Filmstiftung NRW für Aufmerksamkeit sorgen.

In der viel beachteten "Semaine de la Critique" feiert Douglas Wolfspergers Kino-Doku "War’n Sie schon mal in mich verliebt?" ihre Uraufführung. Die Produktion der Kölner Icon Film (in Koproduktion mit dem WDR und der Wiener epo-film) zeichnet das bewegte Leben des Kabarettisten Max Hansen nach. Durch das Musical "Im weißen Rössl" um 1930 in Berlin zum Star geworden, trieben ihn kabarettistische Streiche und seine jüdische Abstammung schon bald in die Emig­ration nach Wien und später nach Skandinavien.

In der gleichen Reihe läuft ebenfalls Ruth Olshans "Wie Luft zum Atmen". Die Regisseurin macht sich in der Dokumentation der Kölner aquafilm auf die Suche nach den traditionellen Gesängen Georgiens, und stellt dabei die Geburtstätte der polyphonen Musik vor. Denn nirgendwo sonst wird Musik so gelebt wie in den atmen beraubenden Tälern Georgiens.

Isabelle Stevers Liebes-Melodram "Gisela" wurde in die Sektion "Cineasti del Presente" eingeladen, eine Reihe für junges und innovatives Kino. Der von der Kölner Tag/Traum Filmproduktion in Koproduktion mit dem WDR entstandene Film erzählt die Dreiecksgeschichte um eine verheiratete Frau und zwei konkurrie­rende Männer-Freunde. Der Film spielt im Milieu des sozialen Wohnungsbaus, im deutschen Nirgendwo.

Ebenfalls in der Sektion "Cineasti del Presente" ist "En la cama" ("Im Bett") von Matias Bize zu sehen. Bize, der schon mit seinem Debüt "Sábado" viel Lob erntete, erzählt in seiner chilenisch-deutschen Produktion die Geschichte von Daniela und Bruno, die sich in einem Café zufällig treffen, die Nacht in einem Stundenhotel verbringen und sich erst dann wirklich kennen lernen und erkennen müssen, dass mit dem Morgengrauen jegliche Vertrautheit wieder der Vergangenheit angehört. Deutscher Koproduzent ist die CMW Film Company.

In derselben Sektion präsentiert Daniel Schweizer seine Kino-Doku "White Terror". Die Dokumentation "Skinhead Attitude" über die Wurzeln der Skinhead-Subkultur realisierte Schweizer ebenso wie seine neue Doku mit der Kölner Cameo Film. Auch diesmal beleuchtet er wieder kritisch die Neonazi-Szene und geht geheimen Bildern einer Videokassette nach, die, getarnt als Weihnachtsgruß, in ganz Europa verschickt wurde.

Besonders das Publikum des Internationalen Filmfestivals von Locarno zeigte sich zuletzt von NRW-Produktionen begeistert: Nachdem 2003 "Das Wunder von Bern" den begehrten Publikumspreis gewinnen konnte, zog "Die syrische Braut" im letzten Jahr nach; zugleich erhielt der gerade mit einer "Lola" beim Deutschen Filmpreis bedachte "Touch the Sound" den Kritikerpreis.