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Film und Medien Stiftung NRWNewsNewsWerkstattgespräch "Unterhaltung ist Vielfalt"

Werkstattgespräch "Unterhaltung ist Vielfalt"

Am 22. Oktober fand das Werkstattgespräch "Unterhaltung ist Vielfalt" statt. Die Veranstaltung von Allianz Deutscher Produzenten – Film und Fernsehen e.V., Film- und Medienverband NRW und Grimme-Institut widmete sich der Abbildung von Wirklichkeit und Diversität in unterhaltenden Genres. Im Mittelpunkt standen dabei praktische Fragen wie etwa: In welcher Weise kann Diversität in Unterhaltungssendungen gezeigt werden?

Vor allem der Umgang mit Diversität nahm viel Raum in der Diskussion ein – wobei eine echte Diskussion kaum zustande kam, weil sich die Beteiligten – Seapoint-Geschäftsführerin Nina Klink, UFA-Chef Nico Hofmann, NDR-Programmdirektor Frank Beckmann, Moderatorin Shary Reeves und das 25-jährige ZDF-Fernsehratsmitglied Bendix Lippe – erwartungsgemäß ziemlich einig waren, dass noch einiges zu tun ist. So machte etwa Beckmann deutlich, dass er in seiner neuen Funktion als ARD-Unterhaltungskoordinator vor der Kamera verstärkt auf Frauen setzen möchte.

"Es kann nicht sein, dass wir im öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen so starken Männeranteil haben", sagte Beckmann und verwies auf verschiedene Bemühungen, daran etwas zu ändern. Und tatsächlich: Gerade erst wurde der Vertrag mit der Komikerin Carolin Kebekus verlängert und Barbara Schöneberger als neue Moderatorin von "Verstehen Sie Spaß?" vorgestellt. Für Shary Reeves ist das aber nur der erste Schritt. So müssten Frauen auch in Redaktionen viel stärker vertreten sein

Doch damit alleine ist es nicht getan. "Mich interessiert nicht das Abhaken von Listen", erklärte Nico Hofmann. Ihm gehe es stattdessen um Selbstverständlichkeit und die Frage, wie man es schaffe, die sich über die Jahre hinweg verändernde Gesellschaft in verschiedenen Formaten abzubilden, so wie die schwule Soldatengeschichte im Dritten Reich, die in der UFA-Serie "Charité" erzählt wurde. Ein anderes Paradebeispiel hierfür ist "Let’s Dance". Wohl keine andere Show sei diverser als die RTL-Tanzshow, sagte deren Produzentin Nina Klink und verwies darauf, dass in der Vergangenheit bereits schwule, lesbische und behinderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Cast gehörten.

"Wir versuchen diese Themen eher beiläufig zu erzählen", sagte Klink, "dann ist die Wirkung besonders groß." Wie offen das Publikum ist, zeigt, dass in diesem Jahr sogar ein rein männliches Tanzpaar ins Finale gewählt worden ist. Klink produziert mit Seapoint aber auch die Datingshows "Prince Charming" und "Princess Charming" – letztere ist gar die einzige lesbische Sendung dieser Art weltweit. Das eher beiläufige Thematisieren von Diversität unterstützt auch NDR-Mann Frank Beckmann. "Selbstverständlicher als eine lesbische Liebesgeschichte bei 'Rote Rosen' zu erzählen, geht’s ja gar nicht", betonte er bei dem Werkstattgespräch.

Dass das Fernsehen mitunter weiter ist als man denkt, machte Nico Hofmann deutlich. "Es ist nicht so, dass wir den Diskurs über Diversität erst im letzten halben Jahr begonnen haben", erklärte der UFA-CEO und erinnerte an die Thematisierung von Homosexualität in der "Lindenstraße", die schon vor Jahrzehnten stattfand.

Einen spannenden Aspekt brachte indes Bendix Lippe in die Diskussion ein. Er ist das einzige Mitglied unter 35 Jahren im ZDF-Fernsehrat – und das auch nur für wenige Jahre, weil sich die Entsendung der Personen auf diesen Posten abwechselt mit den Bereichen Frauen, Familie und Senioren. "Der nächste Vertreter für die Jugend kommt also im Regelfall erst wieder in zwölf Jahren", sagte Bendix – und machte keinen Hehl daraus, was er davon hält. "Ich kann Hinweise in den Fernsehrat einbringen, aber wenn in vier Jahren kein Junger mehr da ist, dann rückt das Thema wieder aus dem Fokus. Und das ist ganz schlimm."

Wie also geht es jetzt weiter mit der Diversität im Fernsehen? Es brauche Geduld, mahnte Moderatorin Shary Reeves und wünscht sich von der TV-Branche, "noch tiefer in die Gesellschaft" hineinzuhören. Ihre Forderung: "Einfach mal machen und weniger Blabla."