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53. Hörspielpreis der Kriegsblinden geht an Elfriede Jelinek

Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. und Filmstiftung NRW verleihen zum 53. Mal die renommierte Auszeichnung für Hörspielautoren

Für ihr Hörspiel "Jackie" erhält Elfriede Jelinek den diesjährigen Hörspielpreis der Kriegsblinden/ Preis für Radiokunst. Der Hörspielpreis der Kriegsblinden, der zu den renommiertesten Auszeichnungen für Hörspielautoren zählt, wird gemeinsam vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen getragen. Mit dem Preis wird laut Statut jährlich ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes und produziertes Hörspiel ausgezeichnet, "das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert". Die Preisverleihung, die abwechselnd in Berlin und Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird, findet in diesem Jahr am

7. Juni im Plenarsaal des Bundesrates in Berlin statt.

Das prämierte Hörspiel "Jackie" ist eine Produktion des Bayerischen Rundfunks. Das knapp einstündige Stück wurde am 3. November 2003 urgesendet.

Entschließung der Jury

"Elfriede Jelineks Hörspiel "Jackie" zeigt, was ein Autor, eine Schauspielerin (Marion Breckwoldt) und Regisseur (Karl Bruckmaier) erreichen können, wenn sie auf die Kraft des Wortes vertrauen. Mit den im technischen Sinne sparsamen Mitteln eines Monologs, doch unter Mobilisierung des gesamten Reichtums dichterischer Sprache ersteht vor uns, allein durch das zu hörende Wort, das Bild einer so genannten Person der Zeitgeschichte, das an Sarkasmus wie aber auch an menschlichem Verständnis nicht zu übertreffen ist. Die Jackie Kennedy des Stückes von Elfriede Jelinek ist Opfer und zugleich Nutznießerin der Verhältnisse, in die sie hineingeboren ist, ihr Leben eine Tragödie wie auch ein einziger zynischer Auftritt um ein existenzielles Nichts herum. Die Dichterin leiht dieser Jackie ihre unbarmherzige Intelligenz für die Durchleuchtung ihres Lebens, und bei der müden Intonation dieses Selbstbespiegelungstextes lernen wir mehr als aus psychologischen oder soziologischen Untersuchungen etwas über die Inszenierung von Existenzen im dauernden Scheinwerferlicht der Medien. Eine Tote und Untote, ein Mediengespenst und ein Zombie spricht mit wegwerfender Kälte zu uns, doch so widerfährt Jacqueline Kennedy mehr Gerechtigkeit als durch sich einschmeichelndes Verständnis oder Gesellschaftskritik: Kritisiert werden hier nicht zuletzt die voyeuristischen Konsumenten dieses Schicksals."

Zur diesjährigen Preisträgerin

Elfriede Jelinek, 1946 geboren, ist Schriftstellerin, Hörspielmacherin und Übersetzerin. Noch während der Schulzeit begann die Wienerin am dortigen Konservatorium Orgel, Blockflöte und später auch Komposition zu studieren. Nach einigen Semestern Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte in Wien startete Elfriede Jelinek ihre schriftstellerische Tätigkeit. 1971 schloss sie ihre Musikausbildung mit einem Organisten-Diplom ab. Eines ihrer ersten Hörspiele "Wenn dieSonne sinkt ist für manche schon Büroschluss" wurde 1974 von der Zeitung "Die Presse" zum erfolgreichsten Hörspiel des Jahres erklärt. Weitere Hörspiele wie "Die Bienenkönige" (1976) oder "Die Ausgesperrten" (1978) folgten. Seit 1974 ist sie mit Gottfried Hüngsberg verheiratet, der in den 60er-Jahren dem Kreis um Rainer Werner Fassbinder angehörte. Neben Auszeichnungen wie u.a. dem Würdigungspreis der Stadt Wien für Literatur (1989), dem Georg-Büchner-Preis (1998) erhielt sie 2002 den Theaterpreis Berlin und den Heinrich-Heine-Preis.

Der Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Jörg Drews von der Universität Bielefeld gehören jeweils sieben Kriegsblinde und sieben Fachkritiker sowie fünf von der Filmstif­tung NRW berufene Juroren aus dem Kulturbereich an. Bei der zweitägigen Jury­sitzung, deren Gastgeber in diesem Jahr der Norddeutsche Rundfunk Hamburg war, fielen 12 von insgesamt 19 Stimmen auf "Jackie".

Der bedeutende Preis wurde u.a. bereits an Autoren wie Ingeborg Bachmann, Friedrich Dürrenmatt, Heiner Müller, Heiner Goebbels, Urs Widmer, Günter Eich, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Walter Kempowski, Wolfgang Weyrauch, zwei Mal an Andreas Ammer/ FM. Einheit und im letzten Jahr an Christoph Schlingensief vergeben.

Eine Biographie von Elfriede Jelinek finden Sie hier.

Ein Foto von Elfriede Jelinek erhalten Sie unter