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Film- und Medienstiftung NRW fördert acht Hörspielprojekte

Die Film- und Medienstiftung NRW vergibt Arbeitsstipendien für acht Hörspielprojekte in Höhe von insgesamt 35.000 Euro. Die entsprechenden Empfehlungen hatte der Beraterstab in seiner dritten Sitzung des laufenden Jahres im November erarbeitet.

Die Projekte im Einzelnen:

Europas Partnerschaft mit Libyen“ von Bettina Rühl (Köln), Arbeitsstipendium: 6.000 Euro
Von der Küste Libyens starten die meisten afrikanischen Migranten und Flüchtlinge. Die EU drängt Libyen zu effektiverem Grenzschutz und fängt längst selbst Flüchtlinge vor Libyen auf dem Mittelmeer ab. Außerdem unterstützen Italien und die Europäische Kommission den nordafrikanischen Staat, damit er Migranten von der Überfahrt nach Europa abhält. Die EU tut das im Rahmen des EU-Treuhandfonds für Afrika, der Ende 2017 unterzeichnet wurde. Libyen hat aber seit dem Sturz Gaddafis keine funktionierende Zentralregierung mehr und es bleibt die Frage, wie unter diesen Umständen eine Partnerschaft mit Libyen in der Migrationsfrage überhaupt funktionieren kann. Wer ist die libysche Küstenwache? Eine Journalistin macht sich für das geplante Radio-Feature auf die aufwendige und gefährliche Suche nach Antworten.

„Hat Abiy Ahmed eine Chance?“ von Roman Herzog (Berlin), Arbeitsstipendium: 6.000 Euro
Der Autor möchte den seit Anfang 2018 eingeleiteten politischen Umbruch in Äthiopien begleiten und analysieren. Im Mittelpunkt steht dabei der neue Premier Abiy Ahmed Ali, der hoffnungsvollste Politiker seit vielen Jahrzehnten des Stillstands und der Regression. Zum einen wird Roman Herzog Netzwerkinhalte und Medien seit Ende 2017 auswerten sowie Interviews mit Abiy Ahmed und anderen Politikern und Protagonisten des Landes führen. Zum anderen begleitet er den Filmemacher Dagmawi Yimer bei der Rückkehr in sein Heimatland, welches er vor über 10 Jahren verließ und im italienischen Exil lebte.

„30 Jahre Amnesie“ von Weina Zhao, Matthias Jochmann (Frankfurt a.M./Wien), Arbeitsstipendium: 6.000 Euro
In diesem Hörstück soll das Erbe der niedergeschlagenen Studentenproteste 1989 in China untersucht werden. Indem Stimmen zweier Generationen einander gegenüber gestellt werden, wird die Erinnerungskultur Chinas beleuchtet. Die staatlich orchestrierte Amnesie bestimmt die Weltmacht, denn 30 Jahre nach der Niederschlagung der Studentenbewegung ist das Schweigen zur Norm geworden. Aufklärung oder öffentliche Trauer ist bis heute untersagt. Wie geht es denjenigen, die damals dabei waren? Was wissen diejenigen, die 1989 geboren wurden? Wie kritisch können bzw. dürfen sie sich äußern? Der Deutschlandfunk wird „30 Jahre Amnesie“ produzieren.

„Afrodeutsch“ von Cynthia Micas und Nick-Julian Lehmann (Berlin), Arbeitsstipendium: 4.000 Euro
In diesem Hörspiel umkreist Cynthia Micas ihre Geschichte als junge afro-deutsche Frau und Schauspielerin of Color in Deutschland. Sie geht den Spuren ihrer deutsch-mosambikanischen Eltern nach, legt Zeugnis von ihren Erfahrungen in der Theater-, Film- und Medienbranche ab und weist auf einen strukturellen Rassismus hin, der für die People of Color nicht zu überhören ist. Eine vielstimmige Suche nach einer afro-deutschen Identität zwischen Rassismus und Self-Empowerment.

„Safari“ von Noemi Schneider (Weiler im Allgäu), Arbeitsstipendium: 4.000 Euro
Ein vollbesetzter Regionalzug ist auf dem Weg von Düsseldorf zum Flughafen Köln/Bonn. Ein Fremder kommt ins Abteil. Nachdem er ausgestiegen ist, liegt ein Rucksack auf der Ablage, der keinem gehört. Angst und Panik machen sich breit und der Zug wird gestoppt. Ein kammerspielartiges Hörspiel, das die hypersensibilisierte Gesellschaft scharf beobachtet.

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dassvon Sascha Wundes (Dortmund), Arbeitsstipendium: 3.000 Euro
In sechs bis acht Schilderungen des Scheiterns geben Gesprächspartner Auskunft über ihre jeweils erhaltene Absage auf Bewerbung, Antrag oder Ausschreibung. Den O-Tönen soll ein Selbstversuch gegenüber gestellt werden, welcher dann die fiktionale Ebene bildet.

Verschwindende Orte – In Memoriam von Eva-Maria Baumeister (Köln), Arbeitsstipendium: 3.000 Euro
Die Autorin plant ein Hörstück an der Schnittstelle von Hörspiel und Feature, das anhand des Abrisses von 21 Orten im Zuge des Braunkohletagebaus Garzweiler einen akustischen Erinnerungsraum für diese verschwindenden Dörfer schaffen will. Als Ausgangspunkt dienen Fieldrecordings spezifischer akustischer Spuren aus dem Dorf Keyenberg, Sounds des Tagebaus Garweiler, sowie Interviews mit den Umsiedlerinnen und Umsiedlern. Durch die Koinzidenz dieser Elemente im Hörstück soll die brachiale Realität des Tagebaus gegenüber der vermeintlichen Fragilität der Erinnerungen, sowie die Radikalität von Abwesenheit und Präsenz, hör- und erfahrbar gemacht werden.

„Keiner wird merken, dass ihr weg seid“ von Susanna Mewe (Berlin), Arbeitsstipendium: 3.000 Euro
Ein junges Paar zieht mit seinem Kleinkind zurück in das Heimatdorf der Mutter, ins beschauliche Münsterland. Hier wird immer deutlicher, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. Diffuse Ängste, Beunruhigungen nehmen zu und bringen die idyllische Fassade in einem krimiähnlichen Plot zum Bröckeln.

Die Mitglieder des Beraterstabs waren Christiane Florin, Deutschlandfunk, Volker W. Degener, Verband Deutscher Schriftsteller in NRW, und Hannah Georgi, WDR. Die zuständige Förderreferentin für Hörspiel bei der Film- und Medienstiftung NRW ist Anke Morawe. Der nächste Einreichtermin ist der 8. Februar 2019.