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Internationaler Filmkongress

Mehr Glamour! Mehr Inhalt! – Selbstbewusstein deutscher Film

Während sich große Hollywood-Stars wie Tom Cruise bei Filmpremieren Publicity-wirksamauf dem roten Teppich in Szene setzen und stundenlang Autogramme verteilen, so der RTL-Moderator und Panel-Leiter Wolfram Kons, fehle bei den Auftritten deutscher Schauspieler oft der Glanz und Glamour. Ob daran das mangelnde Selbstbewusstsein oder die fehlende Star-Identität schuld sei, oder ob es in Deutschland auch an professionellem Coaching fehle,erörterten Schauspieler, Agenten, Verleiher und Journalisten auf dem Internationalen Filmkongress in der Kölner Flora.

„Wenn es einen passenden Weg für deutsche Schauspieler über den roten Teppich gebe, würde dieser durch den Hintereingang ins Kino führen“, meint der Bunte-Autor Georg Seitz. Deutsche Schauspieler fühlten sich bei großem Medien-Rummel sichtlich unwohl, seien kurz angebunden und ließen nur unfreiwillig das Blitzlichtgewitter über sich ergehen. „Die Berührungsangst mit Marketing hat Tradition“, sagt Seitz. „Doch Film ist ein Produkt, das man verkaufen muss.“ Die Star-Identität deutscher Künstler sei nicht mit den US-Schauspielern zu vergleichen, findet hingegen die Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan. „Das deutsche Kino hat seine eigene Identität noch nicht gefunden.“

„Der rote Teppich ist ein wichtiges Marketing-Instrument“, weiß Jürgen Schau, General Manager von Columbia TriStar Deutschland. „Image ist ein knallhartes Geschäft, das man kreieren muss, denn der Glamour befriedigt die Sehnsucht des Endverbrauchers nach einem verlorenen Traum.“ Tom Cruise beherrsche es perfekt, die Fans in seinen Bann zu ziehen. „Als ich ihn mit der Zahnspange auf einem Foto sah, habe ich auf Anhieb überlegt, was für ein toller Deal damit verbunden sein muss“, grinst Schau. „Ich sehe dahinter sofort das Geschäft, denn sonst gibt es keinen Grund, warum sich jemand für einen 37-jährigen mit einer Zahnspange interessieren sollte.“

In Deutschland endet die professionelle Verwertungskette im Kinofilmbereich hingegen schon mit Plakaten und Pressearbeit. „Es gibt kein Coaching des Star-Faktors“, sagt Mechthild Holter, Geschäftsführerin der Schauspielagentur Players. Die Produzenten und Verleiher entwickelten keine Konzepte für eine spezifische Vermarktung der Schauspieler. Nachdem sie einen Film abgedreht hätten, empfänden sie die Pressearbeitnur alslästig. „Es reicht aber nicht, nur Stars aufzubauen“, betont Schau. In den USA wüssten die Schauspieler genau, welche Medienvertreter ihnen bei Interviews gegenüber säßen, weil sie von professionellen Publicity-Experten darauf vorbereitet würden. „Solche Berater brauchen wir auch in Deutschland. Wenn die Agenturen dieses Feld nicht besetzen, übernehmen das andere.“ Auch für den Gang über den roten Teppich benötigten Schauspieler eine professionelle Führung.

Durch reines Coaching ließen sich jedoch keine Promis züchten, gab Heike Melba-Fendel, Geschäftsführerin von Barbarella Entertainment, zu Bedenken. Die Suche nach dem Selbstbewusstsein hänge mit der Identität zusammen, die zunächst zu ermitteln sei. „Wir müssen eine Brücke bauen zwischen dem, was man ist und dem, was man verkaufen will.“ Mehr Kommunikation wünscht sich auch die deutsche Schauspielerin Anna Loos. „Ich mache gerne bei allen Aktionen mit. Doch Glamour und Fernsehfilme schließen sich aus. Es gibt einfach nicht genügend passende Kinofilme.“

Aber auch den großen Film-Events in Deutschland, kritisiert der FAZ-Filmredakteur Daniel Kothenschulte, fehle es an Würde. „Beim Deutschen Filmpreis wird die Oscar-Verleihung suggeriert, aber nicht eingehalten.“ Hinzu komme, dass die Schauspieler dort nicht gerade mit offenen Armen empfangen würden. „Til Schweiger schlug dort eine richtige Feindseligkeit entgegen“, meint Seitz. „Ähnlich ging es ‘Bully’, der seinen Trostpreis abholen durfte.“

Um in Deutschland Stars aufzubauen, fehle es in der Vermarktung an Kontinuität, bemängelt der Bunte-Autor. Auf der Seite des Publikums sei durchaus eine Nachfrage dafür vorhanden. „Schauspieler müssen zu ihren Filmen stehen. Diese Lücke füllt Verona Feldbusch, weil die Schauspieler sich zu schade fühlen, kontinuierlich aufzutreten.“ Demirkan hält es dagegen für problematischer, dass die Geschichten in Deutschland keine eigene Identität besitzen. „Das sind nicht unsere Träume, sondern nur Kopien von den Stories aus Übersee.“

HEI-21-06-2002