Twitter Instagram
Film und Medien Stiftung NRWNewsNewsZwischen Feuilleton und Youtube: Wo steht die deutsche Filmkritik?

Zwischen Feuilleton und Youtube: Wo steht die deutsche Filmkritik?

Über den aktuellen Zustand und die Zukunftsperspektiven der Filmkritik in Deutschland diskutierten sechs Filmkritiker auf einem Panel, das im Rahmen des 6. Film- und Kinokongresses NRW in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik (VdFK) und der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg veranstaltet wurde. Anlass war die bevorstehende Verleihung des Siegfried-Kracauer-Preises für herausragende Leistungen in der Filmkritik. Auf dem Panel vertrat Dominik Porschen, unter anderem Betreiber und Moderator des Youtube-Kanals Filmlounge, eine neue Generation der publizistischen Auseinandersetzung mit dem Thema Film. Wichtig sei ihm dabei vor allem die unmittelbare Kommunikation mit seinen Zuschauern auf Youtube und über Kanäle wie Instagram, Facebook oder Twitter. Daniel Kothenschulte (Frankfurter Rundschau) wollte sich unterdessen nicht so recht mit der Vorstellung anfreunden, beim Verfassen von Filmkritiken eine konkrete Zielgruppe im Blick zu haben. Vielmehr gehe es darum, seine ganz eigenen Gedanken zum jeweiligen Film in Worte zu fassen. Ähnlich versteht auch Dr. Cosima Lutz (Die Welt) ihre Rolle. Sie setze sich gerne mit schwierigen, nicht auf Anhieb zugänglichen Filmstoffen auseinander und wolle im Idealfall eine Diskussion darüber in Gang bringen, erklärte sie. Dr. Dorothee Krings, Kulturredakteurin der Rheinischen Post, erklärte hingegen, dass sie durchaus darüber nachdenke, für wen sie ihre Kritiken schreibe. Sie sehe sich in einer Vermittler-Rolle und wolle möglichst dazu beitragen, dass mit einem speziellen Vokabular über Filme diskutiert werde. Radio-Journalist Tom Westerholt (1 Live, Deutschlandradio) regte unterdessen an, das Thema Filmkritik nicht nur in der Arthouse-Kategorie zu verorten. Es müsse auch möglich sein, zu thematisieren, dass ein Blockbuster gelungen sei, während eine kleine, unabhängige Produktion schlecht sei. Horst Peter Koll, Chefredakteur des Filmdienst, sieht die Filmkritik in ihrer ursprünglichen Form allerdings als eigene Kunstform, die in den Zwängen von manchen Redaktionen nicht optimal ausgeübt werden könne. Die Beschäftigung mit dem Thema Film dürfe sich aber auch neuen Darstellungsformen nicht verschließen, wie sie etwa von Dominik Porschen praktiziert würden. Davon könne letztlich die ganze Branche profitieren.

DSC_0520Moderatorin Ute Soldierer,  Tom Westerholt (1 Live, Deutschlandradio), Dr. Dorothee Krings (Kulturredakteurin der Rheinischen Post), Horst Peter Koll (Chefredakteur des Filmdienst), Dominik Porschen (Filmlounge), Daniel Kothenschulte (Frankfurter Rundschau) und  Dr. Cosima Lutz (Die Welt) © Anna Kaduk / Film- und Medienstiftung NRW